Lie­be Fach­händ­ler!

Der Fachhandler - - Editorial -

Es ist schon so ei­ne Sache mit dem Fern­se­her. Ei­ner­seits ist er ei­ne fes­te Grö­ße in fast je­dem deut­schen Haus­halt. Und glaubt man der Bran­che, kom­men Halb­jahr für Halb­jahr neue Fea­tu­res da­zu, die das Fern­se­hen noch bes­ser, noch in­ten­si­ver, noch mehr­wer­ti­ger ma­chen. An­de­rer­seits muss man als Händ­ler ja schon fast Angst ha­ben, wenn in ei­nem Jahr – wie eben 2017 – mal kei­ne Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft statt­fin­det. Dann schlep­pen sich die Ver­käu­fe so da­hin, und selbst auf der Groß­flä­che hel­fen nur klei­ne Prei­se, um das In­ter­es­se der Käu­fer wie­der ein we­nig zu be­feu­ern. Und wenn man in sol­chen Mo­men­ten hofft, aus den vie­len neu­en Fea­tu­res, die in vie­len neu­en bun­ten Lo­gos an­ge­prie­sen wer­den, zug­kräf­ti­ge Ver­kaufs­ar­gu­men­te zu zie­hen, kommt man als Fach­händ­ler schnell ins Gr­ü­beln. War der Über­gang zum Flach­bild­schirm noch ei­ne Re­vo­lu­ti­on, so war spä­ter dann das an­ge­prie­se­ne 3D-Bild nur noch ei­ne Spie­le­rei, die den Markt nicht wirk­lich nach vor­ne brach­te. War die Ein­füh­rung von HD/Full-HD noch ein funk­tio­nie­ren­des Ver­kaufs­ar­gu­ment, so war der Schritt zu 4K schon ein we­sent­lich klei­ne­rer. Und die ak­tu­el­len Fea­tu­res wie HDR und Co. ver­spre­chen zwar im­mer mehr an Bild­schär­fe, Kon­trast­reich­tum, Farb­bril­lanz und Hel­lig­keit – aber manch­mal muss man schon ein Mess­ge­rät da­vor­stel­len, um es auch nach­zu­wei­sen. Und dann ist ja noch die Sache mit dem Con­tent – wenn der nicht in der ent­spre­chen­den Qua­li­tät vor­liegt, sind auch die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten gar nicht aus­zu­schöp­fen. Und kommt der Con­tent end­lich, dann merkt man plötz­lich, dass man jetzt beim Fern­seh­kauf ganz genau hin­schau­en muss, da­mit es passt. Gut wenn es dann ei­nen Fach­händ­ler vor Ort gibt, der sich da ein we­nig aus­kennt, wenn er es dann tut.

Mag sein, dass DVB-T2-HD oder der wei­te­re Gang der Ana­log­ab­schal­tung noch den ei­nen oder an­de­ren Fern­seh­käu­fer ge­ne­riert, aber das wird si­cher nicht die Mas­se sein. Über­haupt, für den ei­nen oder an­de­ren Kun­den ist es viel­leicht so­gar der An­lass, ganz aus dem li­nea­ren Fern­se­hen aus­zu­stei­gen – grad die jün­ge­ren Zu­schau­er ge­hen schon ganz an­de­re We­ge. Wenn zum Bei­spiel die Youtube­rin Bi­bi ih­ren ers­ten Song auf Youtube stellt und 5 Ta­ge spä­ter fast 25 Mil­lio­nen Auf­ru­fe ver­zeich­net, dann kann man da­von aus­ge­hen, dass un­ter den End­ge­rä­ten nur sehr we­ni­ge Fern­se­her wa­ren – und wenn, dann ja nicht zwin­gend die Top­ge­rä­te.

Aber was soll’s, spä­tes­tens wenn die auf der Ce­bit ge­zeig­ten Wall­pa­per-TVs, dünn wie ei­ne Ta­pe­te, in die Re­ga­le kom­men, geht’s wie­der auf­wärts. Die sind näm­lich in­so­fern ganz prak­tisch, als dass sie gut hin­ter ei­nen Schrank pas­sen. Es sei denn, sie sind „cur­ved“. Dann geht nicht mal das.

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