Fre­e­net-TV in der Pra­xis

In vie­len Bal­lungs­zen­tren in Deutsch­land ist mit DVB-T2 ein neu­es Fern­se­h­er­leb­nis in die Haus­hal­te ein­ge­zo­gen. Die öf­fent­lich-recht­li­chen Sen­der kön­nen oh­ne Zu­satz­kos­ten in HD emp­fan­gen wer­den. Ganz an­ders sieht es al­ler­dings bei den Pri­vat­sen­dern aus. De

Der Fachhandler - - Thema - Mi­ke Bau­er­feind

Da­mit wird DVB-T2 zu ei­ner Art Li­veEx­pe­ri­ment. Wer sich näm­lich für die­sen Emp­fangs­weg ent­schei­det, hat nur zwei Mög­lich­kei­ten: Ent­we­der nur die öf­fent­lich-recht­li­chen Pro­gram­me schau­en oder für die gro­ßen Pri­vat­sen­der ein Abo ab­schlie­ßen. Ein­zig­ar­tig ist dies vor al­lem, weil es erst­mals kei­ne kos­ten­freie „Back­up“-Lö­sung in Form der Pri­vat­sen­der in Stan­dard­auf­lö­sung gibt. Dies ist bei den an­de­ren Emp­fangs­we­gen Kabel und Sa­tel­lit an der Ta­ges­ord­nung und wird sich dort auch in den nächs­ten Jah­ren nicht än­dern. Ein Vor­teil von DVB-T2 ist zwei­fel­los die (theo­re­ti­sche) Mög­lich­keit, al­le ter­res­trisch aus­ge­strahl­ten Sen­der in na­ti­vem HD zu emp­fan­gen. Das be­deu­tet ei­ne Auf­lö­sung von 1 920 × 1 080 Bild­punk­ten bei 50 Voll­bil­dern pro Se­kun­de. In der Fach­spra­che ist von 1 080p die Re­de, wo­bei p für Pro­gres­siv steht. Al­ler­dings hat bis­her noch kein Sen­der wirk­lich die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten, in die­sem For­mat auch zu pro­du­zie­ren.

Es er­folgt al­so vor der Aus­strah­lung ei­ne Kon­ver­tie­rung – was an sich nur den oh­ne­hin er­for­der­li­chen Pro­zess im Flach­bild­fern­se­her vor­weg­nimmt. Aber dar­um soll es in un­se­re Be­trach­tung nur am Ran­de ge­hen. Viel in­ter­es­san­ter ist die Fra­ge, ob und wie man theo­re­tisch auch die Pri­vat­sen­der oh­ne oder mit ge­rin­ge­ren Kos­ten emp­fan­gen könn­te.

Pri­vat­sen­der oh­ne Zug­zwang

Na­tür­lich könn­ten die Pri­vat­sen­der ih­re Pro­gram­me in SD auch kos­ten­los via DVB-T2 an­bie­ten. Das wä­re dank ef­fek­ti­ver HEVC-Kom­pri­mie­rung durch­aus be­zahl­bar und auch tech­nisch zu rea­li­sie­ren. Al­ler­dings dürf­te der Markt­an­teil der ter­res­tri­schen Zu­schau­er der­zeit ge­ring ge­nug sein, um die Pri­vat­sen­der kaum zur ei­nem sol­chen Schritt zu nö­ti­gen. Auch die Wer­be­kun­den wer­den ver­mut­lich (noch) kei­nen Druck aus­üben. Ver­rin­gern sich die Zu­schau­er­zah­len al­ler­dings durch den neu­en Emp­fangs­weg merk­lich, wer­den wohl auch RTL & Co. über Al­ter­na­ti­ven nach­den­ken müs­sen. Selbst­ver­ständ­lich steht es den Sen­dern frei, ih­re Ver­schlüs­se­lung auf­zu­he­ben und frei zu sen­den. Das ist aber eher un­rea­lis­tisch, zu­mal Fre­e­net als Be­trei­ber mas­siv in die Tech­nik in­ves­tiert hat und Ein­nah­men ge­ne­rie­ren muss. Ei­ne in­ter­es­san­te Va­ri­an­te für die Pri­vat­sen­der wä­re al­ler­dings die zu­sätz­li­che Aus­strah­lung ei­ner SD-Ver­si­on über Hy­briddiens­te.

Hb­bTV als Ver­brei­tungs­weg

Das pas­siert teil­wei­se schon, wenn auch nicht li­ne­ar. Denn al­le Sen­der ver­fü­gen über hy­bri­de Zu­satz­diens­te, die via Hb­bTV aus­ge­strahlt wer­den und mit dem pas­sen­den Emp­fang­s­equip­ment auch via DVB-T2 emp­fan­gen wer­den kön­nen. Vor­aus­set­zung ist na­tür­lich ein ent­spre­chend schnel­ler In­ter­net­an­schluss und die Ver­bin­dung des Re­cei­vers mit dem Netz­werk. Trotz Ver­schlüs­se­lung des Haupt­pro­gram­mes kann so bei­spiels­wei­se bei RTL auf Vi­deo­clips von be­son­ders be­lieb­ten Sen­dun­gen wie „Das Su­per­ta­lent“, „Dance, Dance, Dance“oder auch die For­mel 1 zu­ge­grif­fen wer­den. So gut wie al­le Ei­gen­pro­duk­tio­nen der Köl­ner sind auf die­se Wei­se ab­ruf­bar. Al­ler­dings wer­den die Sen­dun­gen im­mer arg zer­legt und der Zu­schau­er be­kommt nur kur­ze Vi­deo­schnip­sel von we­ni­gen Mi­nu­ten Dau­er ser­viert. Ähn­lich sieht es auch bei den an­de­ren Sen­dern der RTL-

Grup­pe so­wie bei ProSie­benSat.1 aus. Auch hier ste­hen le­dig­lich Me­dia­the­ken zur Ver­fü­gung. Al­ler­dings wä­re die li­nea­re Über­tra­gung der Pri­vat­sen­der auf die­sem Weg tech­nisch kein Pro­blem. Vor­ge­macht ha­ben es schon die öf­fent­lich-recht­li­chen, die wäh­rend Groß­er­eig­nis­sen wie den Olym­pi­schen Spie­len ein­zel­ne Dis­zi­pli­nen li­ne­ar über Hb­bTV aus­ge­strahlt ha­ben. Nach­teil ei­ner sol­chen Lö­sung wä­re al­ler­dings die um­ständ­li­che Hand­ha­bung über den Red But­ton. Deut­lich ein­fa­cher gin­ge es über ein wei­te­res Hy­bridsys­tem, wel­ches Fre­e­net TV be­reits in­te­griert hat. Die Re­de ist von Con­nect TV.

Hy­brid Fernsehen

Der Vor­teil: Zwar wer­den die Sen­der über das In­ter­net über­tra­gen, die Ka­nä­le sel­ber wer­den aber als nor­ma­le TV-Ka­nä­le ein­ge­le­sen und kön­nen dem­nach auch be­lie­big sor­tiert und ge­löscht wer­den. Vor­aus­set­zung zur Nut­zung ist al­ler­dings ein pas­sen­der Hy­bridre­cei­ver für DVBT2, von de­nen es der­zeit noch nicht all­zu vie­le Mo­del­le gibt. Den­noch gibt es auch jetzt schon Pri­vat­sen­der, die die­sen Weg zur li­nea­ren Ver­brei­tung nut­zen. Bei­spie­le hier­für sind MTV, N24 Doku oder der Ki­ka in man­chen Re­gio­nen. Auch hier könn­ten sich die Pri­vat­sen­der ein­klin­ken und ihr SD-Pro­gramm auf die­sem Weg über­tra­gen. Auch hier bleibt aber frag­lich, ob dies in na­her Zu­kunft pas­sie­ren wird. Wir ver­mu­ten dies eher nicht. Bleibt als Aus­weg aus dem Di­lem­ma nur der Weg über Dritt­an­bie­ter.

OTT-Di­ens­te

Die­se so ge­nann­te OTT-Di­ens­te sind ak­tu­el­le Ma­gi­ne TV, Zat­too und wai­pu.TV. Al­le drei Di­ens­te ha­ben un­ter an­de­rem die pri­va­ten Haupt­sen­der im An­ge­bot und eig­nen sich durch­aus als sinn­vol­le Er­gän­zung zu DVB-T2. Je nach Kos­ten­mo­dell sind man­che Pri­vat­sen­der auf die­sem Weg so­gar in HD emp­fang­bar. Lei­der wird beim Blick auf die Kos­ten aber schnell klar: Ein preis­wer­ter Er­satz ist das nicht. Bei al­len drei An­bie­tern sind die gro­ßen Pri­vat­sen­der nur in kos­ten­pflich­ti­gen Pa­ke­ten ent­hal­ten. Um die Haupt­sen­der der Pri­va­ten zu schau­en, sind bei Ma­gi­ne TV und Zat­too im Schnitt mo­nat­lich 10 Eu­ro fäl­lig. Zum Ver­gleich: Fre­e­net TV ver­langt 5,75 Eu­ro. Da kann auch nicht dar­über hin­weg­trös­ten, dass die OTT-Di­ens­te teil­wei­se auch un­ter­wegs und mit meh­re­ren Ge­rä­ten gleich­zei­tig nutz­bar sind. Nur wai­pu.TV ist mit 4,99

Eu­ro et­was güns­ti­ger und kann in die­sem Pa­ket im­mer­hin an zwei Ge­rä­ten gleich­zei­tig ge­nutzt wer­den. Aber es gibt noch ein wei­te­res Pro­blem: Kei­ner die­ser Di­ens­te ist mit DVB-T2-Hard­ware nutz­bar. So muss zum Emp­fang noch zu­sätz­li­che Hard­ware bei­spiels­wei­se in Form ei­nes Fi­re TV oder Chro­me­cast an­ge­schafft wer­den. Ob sich das ef­fek­tiv lohnt, muss je­der Nut­zer für sich selbst ent­schei­den.

Theo­re­ti­scher Coup

Rein theo­re­tisch wä­re es al­ler­dings ein cle­ve­rer Schach­zug ins­be­son­de­re von wai­pu.TV, wenn sich der Di­enst ir­gend­wie auf hy­bri­der Hard­ware für DVB-T2 „ein­schlei­chen“könn­te. Dann wür­de ein Ge­rät zum Emp­fang der Pri­vat­sen­der in SD aus­rei­chen. Gleich­zei­tig kann am Ta­blet oder ei­nem zwei­en Fern­se­her ge­schaut wer­den. Al­ler­dings ist der Preis­un­ter­schied zu Fre­e­net mar­gi­nal. Und auch dort denkt man in­zwi­schen über ein Fa­mi­li­en-Abo nach, wel­ches die Nut­zung an meh­re­ren Stel­len im Haus­halt er­mög­li­chen soll, oh­ne dass für je­den Re­cei­ver der Voll­preis ge­zahlt wer­den muss.

Noch kei­ne Al­ter­na­ti­ve in Sicht

Der­zeit gibt es al­so kei­ne wirk­li­che Al­ter­na­ti­ve zur Be­zah­lung der Pri­vat­sen­der. Kos­ten­lo­se (le­ga­le) Di­ens­te sind nicht in Sicht und die OTT-Va­ri­an­ten sind preis­lich kaum at­trak­ti­ver, da­für aber um­ständ­li­cher zu nut­zen und mit dem Kauf neu­er Hard­ware ver­bun­den. Bleibt al­so ei­gent­lich nur der Wech­sel auf Sa­tel­lit oder Kabel.. Denn dort kön­nen die Pri­vat­sen­der auch wei­ter­hin oh­ne Ex­tra­kos­ten in SD emp­fan­gen wer­den.

Das Hy­brid­por­tal von Fre­e­net TV ist be­reits emp­fang­bar. Denk­bar wä­re hier auch die Auf­schal­tung der Pri­va­ten in SD

Ma­gi­ne TV lohnt sich kaum als Al­ter­na­ti­ve zu Fre­e­net TV. Selbst für BASIC mit den Pri­va­ten in SD sind mo­nat­li­che 10 Eu­ro fäl­lig

Deut­lich güns­ti­ger da­ge­gen das Com­fort-Pa­ket von Wai­pu.TV, wel­ches mit mo­nat­lich 4,99 Eu­ro zu Bu­che schlägt

Zat­too Pre­mi­um hat eben­falls die Haupt­sen­der der Pri­va­ten in SD im Pro­gramm, kos­tet al­ler­dings wie Ma­gi­ne TV rund 10 Eu­ro im Mo­nat

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.