Ran­ge­rin in der Wild­nis

An­ge­bo­te des Na­tio­nal­parks Schwarz­wald sehr ge­fragt

Der Sonntag (Karlsruhe) - - Die Region - Patri­cia Klatt www.schwarz­wald-na­tio­nal­park.de/er­le­ben/

Das Mär­chen vom Frosch­kö­nig ist wohl zu­min­dest ei­nem Groß­teil der Zeit­ge­nos­sen noch be­kannt. Die­ser Ta­ge sah ich ei­ne Buch­rei­he, Weis­heit im Mär­chen, in der die­se Er­zäh­lung ge­deu­tet wird als Weg zum Er­wach­sen­wer­den – auch in der Fä­hig­keit, in Lie­bes­din­gen die Be­zie­hun­gen gut und rea­lis­tisch zu ge­stal­ten. Ich las mich fest und fand sol­che auf den ers­ten Blick merk­wür­dig klin­gen­de Be­grif­fe wie „Be­zie­hungs­ver­trag.“Wie un­ro­man­tisch! Und das bei der schö­nen Kö­nigs­toch­ter mit ih­rer gol­de­nen Ku­gel im tie­fen, grü­nen Wald. Be­zie­hungs­ver­trag – das hört sich eher nach staub­tro­cke­nen Pa­ra­gra­fen und öden Pa­pier­kram an. Fließt da noch et­was? Kann da das spie­le­risch-tän­ze­ri­sche Ele­ment ge­lebt wer­den, das doch je­de Lie­be aus­macht? Ver­mut­lich ha­ben wir un­se­re un­aus­ge­spro­che­nen Ab­ma­chun­gen und Ver­ein­ba­run­gen, die wir oft sel­ber nicht oder nur un­ge­nau ken­nen. Im Sprach­ge­brauch der Bi­bel be­deu­tet der Bund auch ei­ne Art Ver­trag über ei­ne Be­zie­hung, zum Bei­spiel zwi­schen Gott und uns Men­schen. Na­tür­lich wur­de da nichts un­ter­schrie­ben, es gibt kei­ne Klau­seln und Ju­ris­ten sind eben­falls nicht von­nö­ten. „Bund“kommt von ver­bin­den: zwei Par­tei­en tun sich zu­sam­men und ver­si­chern ein­an­der ih­rer Ver­bind­lich­keit. Da schwin­gen für mich die Wor­te ver­läss­lich, treu, ge­grün­det und ge­bor­gen un­aus­ge­spro­chen mit – ei­ne sta­bi­le und si­che­re Grund­la­ge, die in den Stür­men der Zeit trägt, Halt und Ori­en­tie­rung gibt. Ei­ne Bin­dung aus Frei­heit al­ler Be­tei­lig­ten, Gott und Mensch, Men­schen un­ter­ein­an­der. Und ich bin über­zeugt, ge­ra­de so kann die Lie­be le­ben­dig blei­ben.

Wenn die Teil­neh­mer von den Füh­run­gen zu­rück­kom­men und be­geis­tert sind von dem, was sie ge­se­hen und er­lebt ha­ben, dann ge­hört das im­mer wie­der zu mei­nen schöns­ten Er­fah­run­gen“. Heidrun Zeus ist ei­ne von den elf haupt­amt­li­chen Ran­ge­rin­nen und Ran­gern im Na­tio­nal­park Schwarz­wald und sie ist dort in der Haupt­sai­son drei- bis vier­mal pro Wo­che mit den un­ter­schied­lichs­ten Grup­pen un­ter­wegs. „Das In­ter­es­se ist rie­sig“, so Heidrun Zeus, „oh­ne die vie­len eh­ren­amt­li­chen Ran­ge­rin­nen und Ran­ger wür­den wir das über­haupt nicht be­wäl­ti­gen kön­nen.“Die An­ge­bo­te sind völ­lig un­ter­schied­lich – da ist deut­lich mehr drin als nur ein klei­ner Spa­zier­gang, den es aber na­tür­lich auch ge­be, schmun­zelt Zeus. Bei der Tour „Ich pa­cke 15 Sa­chen“sei zum Bei­spiel je­der Teil­neh­mer ge­for­dert, weil man sich im Vor­feld über­le­gen muss, was man für ei­ne Über­nach­tung in der Wild­nis al­les braucht. „Schlaf­sack, Iso­mat­te, das ist na­tür­lich klar, aber dann geht es wei­ter: Was will ich es­sen, was kann ich über­haupt tra­gen, was brau­che ich un­be­dingt? Da ha­be ich schon lus­ti­ge Sa­chen er­lebt. Ei­ne Teil­neh­me­rin be­stand bei­spiels­wei­se dar­auf, sie müs­se un­be­dingt ih­re Flip Flops beim Über­nach­ten da­bei ha­ben“, er­zählt Zeus. Und dann muss man die gan­zen Sa­chen 15 Ki­lo­me­ter weit zum Über­nach­tungs­platz tra­gen, das ver­lan­ge wirk­lich ei­ne gu­te Pla­nung. Bei sol­chen Über­nach­tungs­tou­ren wach­se ei­ne Grup­pe auch zu­sam­men, je­der hel­fe je­dem und den­ke auch mit. Sie ha­be erst ein­mal er­lebt, dass Teil­neh­mer da­bei wa­ren, die sich am Über­nach­tungs­platz dann von vor­ne bis hin­ten hät­ten be­die­nen las­sen, er­in­nert sich Heidrun Zeus. Die Ran­ge­rin ist froh über re­gel­mä­ßi­ge Fort­bil­dun­gen und Ers­te-Hil­fe-Kur­se, die al­le durch­lau­fen müs­sen. „Die­se Kur­se sind sehr rea­lis­tisch und wer­den von ei­ner spe­zia­li­sier­ten

Ge­hö­ren Flip Flops wirk­lich ins Ge­päck?

Out­door-Schu­le aus Frei­burg an­ge­bo­ten.“Das fin­de al­les im Ge­län­de statt und Kri­sen­si­tua­tio­nen wie zum Bei­spiel ein of­fe­ner Bruch wer­de mit „sprit­zen­dem Film­blut“si­mu­liert. „Die­se re­gel­mä­ßi­gen Schu­lun­gen ha­ben mir aber tat­säch­lich schon ge­hol­fen, als ein Teil­neh­mer in der Kar­wand ei­nen Schwä­che­an­fall hat­te. Und es hat sich ge­zeigt, dass die alar­mier­te Berg­ret­tung auch sehr schnell re­agiert – die wa­ren 20 Mi­nu­ten nach dem No­t­ruf zur Stel­le“, er­in­nert sich Zeus. Ih­re per­sön­li­che Lieb­lings­ver­an­stal­tung ist das „Ko­chen und Über­nach­ten“, die sie sel­ber ent­wi­ckelt hat. Da­bei ko­chen die Teil- neh­mer wie zu Ur­zei­ten in der Glut, die Zu­ta­ten wer­den al­le mit­ge­nom­men – des­we­gen sei der Weg zum Über­nach­tungs­platz auch nicht so weit. Die­se Ver­an­stal­tung funk­tio­nie­re er­fah­rungs­ge­mäß groß­ar­tig und es ent­ste­he auch hier ei­ne ganz ei­ge­ne Ver­bun­den­heit zwi­schen den Leu­ten. „Es muss Holz ge­hackt wer­den, das Feu­er soll­te dann auch ver­nünf­tig bren­nen, der Schlaf­platz muss ein biss­chen ge­schützt sein und ir­gend­wie ist man weg vom All­tags­tress, ob­wohl man tat­säch­lich ja gar nicht so weit weg ist, und ja auch nicht so lan­ge. Und das emp­fin­den im­mer al­le Teil­neh­mer ei­gent­lich ähn­lich, erst am nächs­ten Mor­gen kehrt man dann mit je­dem Schritt buch­stäb­lich in die Zi­vi­li­sa­ti­on zu­rück“, be­rich­tet Zeus. Ne­ben sol­chen Events ge­be es die fach­li­chen Füh­run­gen durch die Ran­ger, die mitt­ler­wei­le auch in Eng­lisch oder Fran­zö­sisch an­ge­bo­ten wer­den wür­den, eben­so wie in Ge­bär­den­spra­che. „Mo­men­tan er­ar­bei­ten wir auch Füh­run­gen für Blin­de, das ist na­tür­lich ei­ne ganz be­son­de­re Her­aus­for­de­rung, sei es jetzt im Be­zug auf die We­ge, aber auch dar­auf, wie man die Na­tur denn be­schrei­ben kann“. Aber da das ge­sam­te Team hoch­mo­ti­viert sei, ist sich Heidrun Zeus si­cher, dass man auch da ei­ne rich­tig gu­te Her­an­ge­hens­wei­se fin­den wer­de.

Heidrun Zeus ist im Na­tio­nal­park Schwarz­wald un­ter­wegs. Zu­sam­men mit der haupt­amt­li­chen Ran­ge­rin kön­nen Be­su­cher die Wild­nis er­kun­den – auf sehr un­ter­schied­li­che Art. Heidrun Zeus’ per­sön­li­che Lieb­lings­ver­an­stal­tung ist „Ko­chen und Über­nach­ten“. Fo­to: NPL

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