Lu­ther – un­ver­meid­lich

Der Sonntag (Karlsruhe) - - Aktuell - An­net­te Bor­chardt-Wen­zel

wird“– ir­gend­wo lau­ert er im­mer, der Dok­tor Lu­ther. Mal mit „Leib und Le­ben“, dann wie­der mit „Schmach und Schan­de“. Denn Lu­ther hat vor ei­nem hal­ben Jahr­tau­send „die Zei­chen der Zeit“er­kannt. Und „dem Volk aufs Maul ge­schaut“. Er woll­te, dass „Kre­thi und Ple­thi“sei­ne Bot­schaft ver­ste­hen. Und das funk­tio­nier­te mit far­bi­gen Sprach­bil­dern viel bes­ser als mit blut­lee­ren Ge­lehr­ten­for­meln: „Lü­cken­bü­ßer“, „Lock­vo­gel“und „Läs­ter­maul“, „Wolf im Schafs­pelz“, „Schand­fleck“und „Rotz­löf­fel“– da weiß man doch, woran man ist. Manch­mal war Lu­ther ein Gro­bi­an – et­wa wenn er als re­li­giö­ser Ver­brau­cher­schüt­zer über die „Hu­ren­kir­che“schimpf­te. „Ge­wis­sens­bis­se“dürf­ten ihm sei­ne Aus­fäl­le aber kaum be­rei­tet ha­ben. Er war ja nur ein „ar­mer stin­ken­der Ma­den­sack“. Ob­wohl er – zu­min­dest was sei­ne sprach­schöp­fe­ri­schen Qua­li­tä­ten an­geht – kei­nen Grund hat­te, „sein Licht un­ter den Schef­fel zu stel­len“. Ei­nes der be­lieb­tes­ten Lu­ther-Zi­ta­te – „Und wenn mor­gen die Welt un­ter­geht, wür­de ich noch heu­te ein Ap­fel­bäum­chen pflan­zen“– wur­de dem Re­for­ma­tor frei­lich un­ter­ge­scho­ben. Aber so ist es halt. Oder, um mit Lu­ther zu spre­chen: „Den sei­nen gibt’s der Herr im Schlaf.“

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