Wie­der auf al­len Vie­ren

Haus­tier­kli­nik in Shang­hai ar­bei­tet mit tra­di­tio­nel­ler Chi­ne­si­scher Me­di­zin

Der Sonntag (Karlsruhe) - - Tipps & Themen - Mat­t­hew Knight

Dan Jiao ist in ein Gurtge­schirr ge­schnallt und den Sti­chen hilf­los aus­ge­lie­fert. Die Bull­dog­ge wim­mert ner­vös, wäh­rend lan­ge Na­deln in ih­rem Fell plat­ziert wer­den, durch die schwa­cher Strom fließt. Doch was an mit­tel­al­ter­li­ches Fol­ter­werk­zeug er­in­nert, könn­te dem acht Mo­na­te al­ten Hund das Le­ben ret­ten. Denn seit sich Dan Jiao (wörtlich: „Eier­knö­del“) bei ei­nem schwe­ren Sturz die Wir­bel­säu­le brach, ist er ge­lähmt. Nor­ma­ler­wei­se wer­den sol­che Hun­de ein­ge­schlä­fert. Doch in sei­ner Tier­kli­nik für Tra­di­tio­nel­le Chi­ne­si­sche Me­di­zin in Shang­hai bie­tet der Me­di­zi­ner Jin Ris­han ver­zwei­fel­ten Fa­mi­li­en ei­nen Aus­weg. „Wir ha­ben im­mer mehr Kun­den“, sagt der 53-jäh­ri­ge Jin. Sei­ne Pra­xis ist mit durch­schnitt­lich 20 Tie­ren täg­lich voll aus­ge­las­tet und ver­zeich­net stei­gen­de Nach­fra­ge. Zu sei­nen Pa­ti­en­ten zäh­len Vier­bei­ner, die we­gen Rü­cken­ver­let­zun­gen oder Ver­schleiß an der Wir­bel­säu­le nicht mehr lau­fen kön­nen – vor al­lem bei Züch­tun­gen wie Bull­dog­gen, Deut­schen Schä­fer­hun­den, Col­lies, Bas­set Hounds und Shih Tzus tre­ten sol­che Er­kran­kun­gen häu­fig auf. „70 Pro­zent der Tie­re hier lei­den an Band­schei­ben­vor­fäl­len, die zu Läh­mun­gen der Hin­ter­bei­ne oder al­ler vier Bei­ne füh­ren“, er­klärt Jin. Aku­punk­tur sei wirk­sa­mer als mo­der­ne Me­di­zin: „Die west­li­che Me­di­zin kann in die­sen Fäl­len nicht viel aus­rich­ten.“ Dut­zen­de Hun­de und ei­ni­ge Kätz­chen wer­den in Kin­der­wa­gen in die Pra­xis ge­rollt oder ge­tra­gen. Be­vor die dün­nen Aku­punk­turNa­deln ins Fell ge­sto­chen wer­den, müs­sen sie mit Gur­ten fi­xiert wer­den. Man­che schnüf­feln ner­vös, wenn Kräu­ter ver­brannt wer­den, um durch Moxabus­ti­on be­stimm­te Punk­te des Kör­pers zu er­wär­men. Jin sagt, ein Haus­tier ha­be An­recht auf die glei­che Für­sor­ge wie ein mensch­li­ches We­sen: „Frü­her hat­ten Chi­ne­sen nur ei­ne va­ge Vor­stel­lung da­von, was ein Haus­tier ist. Doch heut­zu­ta­ge wer­den vie­le re­gel­recht ver­ehrt – die Fa­mi­li­en be­trach­ten ih­re Haus­tie­re in­zwi­schen als Be­glei­ter oder Fa­mi­li­en­mit­glied.“Bei Dan Jiao scheint die Me­tho­de zu wir­ken. „Nach drei Ta­gen Aku­punk­tur konn­te er lang­sam auf sei­nen Vor­der­bei­nen krie­chen, am sieb­ten Tag auf al­len vier Bei­nen hum­peln“, er­zählt sein Herr­chen. Auch Wang Ping hofft, dass ein fünf Mo­na­te al­ter Tea­cup-Pu­del wie­der auf die Bei­ne kommt. Seit drei Mo­na­ten ist die Hün­din we­gen ei­ner Hals­ver­let­zung ge­lähmt: „Ich war in kon­ven­tio­nel­len Kli­ni­ken mit ihr, doch die Tierärzte sag­ten, sie sei zu klein für chir­ur­gi­sche Ein­grif­fe“, er­zählt Wang. „Jetzt geht es ihr viel bes­ser, zu­min­dest kann sie jetzt ih­ren Kopf he­ben und ein biss­chen kr­ab­beln.“Zu­vor war Wang na­he ge­legt wor­den, den Mi­ni-Pu­del ein­zu­schlä­fern. Dann emp­fahl ein Tierarzt Jins Aku­punk­tur-Kli­nik.

Mit Aku­punk­tur soll auch die­se Kat­ze wie­der auf die Bei­ne kom­men: Der Me­di­zi­ner Jin Ris­han be­han­delt vor al­lem Tie­re, die un­ter Läh­mungs­er­schei­nun­gen lei­den. Fo­to: AFP

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.