Die Zau­ber­lehr­lin­ge

Har­ry Pot­ters Hog­warts mit bra­si­lia­ni­schem Touch

Der Sonntag (Karlsruhe) - - Tipps & Themen - Da­nie­le Bel­mi­ro

In ei­nem Schloss in Bra­si­li­en ver­sucht ein Zau­be­rer, ei­nen knur­ren­den Wer­wolf zu be­ru­hi­gen. Nicht weit da­von ja­gen Leu­te auf Be­sen­stie­len Bäl­len hin­ter­her – will­kom­men in der „Ma­gic and Witch­craft School“in Cam­pos do Jor­dão. Die Zau­ber­schu­le im Sti­le von Har­ry Pot­ters Hog­warts liegt et­wa 200 Ki­lo­me­ter von São Pau­lo ent­fernt. Der Wer­ling, wolf ist zwar nur ein kos­tü­mier­ter Schau­spie­ler, und die Be­sen­stie­le blei­ben am Bo­den, doch wer hier an­kommt, gibt Zwei­fel und Un­glau­be am Schloss­tor ab. Die Idee zur Grün­dung ei­ner Zau­ber­schu­le hat­te die 27-jäh­ri­ge Va­nes­sa Go­doy. Zwar sei das Kurs­an­ge­bot in­spi­riert von den Har­ry Pot­ter-Bü­chern und -Fil­men von J.K. Row- doch ha­be es dar­über hin­aus ei­nen bra­si­lia­ni­schen Touch, be­tont Go­doy: Seit den An­fän­gen 2015 „war die Idee, die Stim­mung von Hog­warts zu ad­ap­tie­ren, aber nicht ex­akt zu ko­pie­ren“. Al­le Schü­ler der vier­tä­gi­gen Kur­se sind Har­ry-Pot­ter-Fans, doch da Go­doy und ih­re Zau­ber­er­kol­le­gen Ur­he­ber­rech­te be­ach­ten müs­sen, zau­bern sie et­was bra­si­lia­ni­sche Folk­lo­re hin­ein: „Wir ha­ben un­se­re ei­ge­nen Ge­schich­ten. Wir tau­chen in die My­tho­lo­gie ein, weil Bra­si­li­en ein sehr ma­gi­sches Land ist.“Un­ter­rich­tet wer­den die an­ge­hen­den Ma­gier in „Zau­ber­trän­ke und Eli­xie­re“oder „He­xe­rei und Ge­schich­te der Zau­be­rei“. Es gibt Tän­ze, Wett­be­wer­be und ein Quid­ditch-Tur­nier. Hin­zu kom­men ma­gi­sche Küns­te, die nur in Bra­si­li­en ge­lehrt wer­den, wie et­wa die Nut­zung des Haars ei­ner mys­ti­schen Fi­gur zum Schutz der Wäl­der oder die Ak­ti­vie­rung von Zau­ber­stä­ben mit­hil­fe der Schup­pen von Si­re­nen-Fa­bel­we­sen. Der Spaß ist nicht ganz bil­lig: Ein vier­tä­gi­ges He­xe­rei-Se­mi­nar in dem Schloss, das nor­ma­ler­wei­se als Ho­tel dient, kos­tet um­ge­rech­net gut 660 Eu­ro. Die Kun­den sind zwi­schen fünf und 65 Jah­re alt, die meis­ten um die 25. Schü­ler und Rich­ter, Mo­dels, Leh­rer und Kran­ken­schwes­tern sind mit von der Par­tie. „Wenn wir ins Schloss hin­ein ge­hen, ist es, als wür­de die Welt drau­ßen nicht län­ger exis­tie­ren“, sagt der 29-jäh­ri­ge Arzt Zer­zil Fer­rei­ra. „Wir ge­ben die Mugg­le-Welt auf, tau­chen in

„Wir tau­chen ein in die ma­gi­sche Welt“

die ma­gi­sche Welt und es ist al­les re­al.“Mugg­les sind bei Jo­an­ne Row­ling al­le Men­schen oh­ne Zau­ber­kräf­te. Die rund hun­dert Teil­neh­mer woh­nen in Hog­warts’ nach­emp­fun­de­nen Häu­sern, für die sie bei ver­schie­de­nen Wett­be­wer­ben Punk­te sam­meln. Am be­lieb­tes­ten ist da­bei Quid­ditch, bei des­sen „ter­res­tri­scher“Ver­si­on die Be­sen­stie­le zwi­schen die Bei­ne ge­klemmt wer­den. Das Per­so­nal der Schu­le stel­len Schau­spie­ler, die rund um die Uhr in ih­ren Rol­len blei­ben, so dass sie tat­säch­lich ein biss­chen ver­zau­bert wir­ken. Auch die Schü­ler neh­men die Sa­che ernst. „Man muss in die Fi­gur ein­tau­chen. Man ist Zau­ber­schü­ler, muss die Leh­rer und Re­geln re­spek­tie­ren. Das macht das Gan­ze rea­ler“, sagt der 22-jäh­ri­ge Re­nie San­tos, der ei­nen YouTube-Ka­nal na­mens Ex­pres­so de Hog­warts grün­de­te. Ein Zau­ber­se­mi­nar be­fasst sich mit den Fa­bel-Si­re­nen, die – wie der Leh­rer warnt – ge­eig­net sind, all­zu Neu­gie­ri­ge mit Haut und Haar zu ver­schlin­gen. Im Schwimm­bad ler­nen die Zau­ber­lehr­lin­ge „Nyx“ken­nen – und sind hin­ge­ris­sen. Trotz al­ler War­nun­gen will ein Schü­ler mit ihr tan­zen, an­de­re mit ihr schwim­men. Ver­schlun­gen wird glück­li­cher­wei­se nie­mand.

200 Ki­lo­me­ter von São Pau­lo ent­fernt liegt die bra­si­lia­ni­sche Ant­wort auf Hog­warts. Auf Har­ry-Pot­ter-Fans zwi­schen fünf und 65 Jah­ren übt die „Ma­gic and Witch­craft School“ge­ra­de­zu ma­gi­sche An­zie­hungs­kraft aus.

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