(Ur)Baye­ri­sche Hoch­ge­nüs­se

Der Sonntag (Karlsruhe) - - Tipps & Themen - PDOG

Am 16. Sep­tem­ber ist es so­weit: Mit ei­nem ful­mi­nan­ten „O’zapft is!“fällt zum 184. Mal der Start­schuss für das rund zwei­wö­chi­ge Volks­fest auf der Münch­ner The­re­si­en­wie­se – kurz: Wie­se oder Wie­sen oder Wies’n oder Wiesn? Um die sprach­li­chen Fall­stri­cke im Vor­feld aus­zu­räu­men, ein ech­ter Ba­ju­wa­re geht auf die „Wiesn“. Ein sprach­li­ches Phä­no­men, das man den bai­ri­schen Sin­gu­lar nennt. Al­le an­de­ren Wort­schöp­fun­gen sind zu­min­dest in „Min­ga“, wie der Münch­ner sei­ne Hei­mat­stadt nennt, ein „Schmarrn“und ent­lar­ven den Tou­ris­ten. „Hoch die Maß“... heißt es aber auch an­dern­orts. Denn nicht nur in der baye­ri­schen Lan­des­haupt­stadt, son­dern auch in an­de­ren Re­gio­nen wird das ge­sel­li­ge Sin­gen, An­sto­ßen und Schun­keln gern ze­le­briert. Meist schlicht als „Ok­to­ber­fest“. In An­leh­nung an das Münch­ner Ori­gi­nal wer­den dann von Bo­den­see bis in den ho­hen Nor­den Fest­zel­te auf­ge­stellt und blau­weiß dekoriert. Für das Ok­to­ber­fest-Fee­ling trägt man ein schi­ckes Wiesn-Out­fit, meist Tracht – vor al­lem Dirndl und Le­der­ho­sen. Das Bier wird li­ter­wei­se in Maß­krü­gen aus­ge­schenkt und da­zu gibt es dann auch ger­ne mal zünf­ti­gen Le­ber­kas, Hendl, Weiß­wurst oder auch ei­ne Brezn.

Schmeckt gut, tut gut!

Je­der er­fah­re­ne Wiesn-Gän­ger weiß: Wer un­aus­ge­schla­fen und mit lee­rem Ma­gen auf die Fest­wie­se geht, hält nicht lan­ge durch. Da­her lau­tet der Ex­per­ten-Rat: Vor dem Be­such ei­nes Fest­zel­tes aus­rei­chend schla­fen und or­dent­lich es­sen. Bes­tens eig­net sich da ein tra­di­tio­nel­les Weiß­wurst-Früh­stück. Denn das schafft mit Brezn und sü­ßem Senf ei­ne Grund­la­ge für ei­nen lan­gen Tag auf dem Ok­to­ber­fest. Ab­ge­run­det mit ge­sun­den Ge­mü­seS­ticks, ei­nem Feld­sa­lat mit Ra­dies­chen, Röst­brot mit Ra­dies­chen­sa­lat und Gur­ken oder ei­nem zünf­ti­gen Ret­tich-Ra­dies­chen-Dip wird die­ses Früh­stück zu ei­nem baye­ri­schen Hoch­ge­nuss! Der „Ra­di“ist fes­ter Be­stand­teil der Baye­ri­schen Brot­zeit und gilt als ur­baye­risch. Da­bei hat er sei­nen Ur­sprung ei­gent­lich in Ägyp­ten. Dort pfleg­ten sich die Ar­bei­ter beim kräf­te­zeh­ren­den Py­ra­mi­den­bau mit ei­nem Biss in den Ret­tich zu stär­ken. Vom Mit­tel­meer­raum aus setz­te das aro­ma­ti­sche, mit dem Ra­dies­chen ver­wand­te Wur­zel­ge­mü­se sei­nen Er­folgs­zug um die Welt fort. Be­reits seit dem 13. Jahr­hun­dert kennt und liebt man Ret­tich auch hier­zu­lan­de. Er wird deutsch­land­weit an­ge­baut. Den­noch stam­men die meis­ten hei­mi­schen Ret­ti­che aus Bay­ern, Ba­den-Würt­tem­berg und Rhein­land-Pfalz. Die Viel­falt ist groß und reicht von ku­gel- bis spin­del­för­mig und vom klas­si­schen Weiß des Som­mer­ret­tichs, über Ro­sa, Rot, Braun, Vio­lett bis hin zum tie­fem Schwarz des Win­ter­ret­tichs. Ein gro­ßer Plus­punkt der schar­fen Wur­zel ist der er­freu­lich nied­ri­ge Fet­tund Ka­lo­ri­en­ge­halt, der Ret­tich zu ei­ner aus­ge­spro­chen schlan­ken Kn­ab­be­rei macht. Ret­tich ist reich an Mi­ne­ral­stof­fen und Spu­ren­ele­men­ten und mit ei­nem re­la­tiv ho­hem Vit­amin C Ge­halt (29 mg je 100 g Ret­tich) ein Freund un­se­rer Ver­dau­ung und des Im­mun­sys­tems. Schon vor Jahr­hun­der­ten wur­de Ret­tich als Me­di­zin ge­gen Gicht, Rheu­ma und so­gar ge­gen Hus­ten und Hei­ser­keit ein­ge­setzt.

Ra­dies­chen­sa­lat sorgt für den rich­ti­gen Pepp bei der Brot­zeit. Fo­to: nblxer / Ado­be Stock

Weiß oder Rot, oder vi­el­leicht Rot-Weiß – das ist die Fra­ge al­ler Fra­gen, wenn es um Ret­tich und Ra­dies­chen geht. Fo­to: tim08 / Ado­be Stock

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