Buch-Tipps

Der Sonntag (Karlsruhe) - - Sonntagskinder - Sa­ra Lö­vestam, Wie ein Him­mel vol­ler See­hun­de, Ro­wohlt, 256 Sei­ten, 12,99 Eu­ro Chris­to­phe Lé­on, Vä­ter­land, Mixt­vi­si­on, 116 Sei­ten, 9,90 Eu­ro

An­na und Lol­lo ver­brin­gen ih­re Fe­ri­en auf der­sel­ben In­sel vor der Küs­te Schwe­dens. Lol­los Fa­mi­lie ist wohl­ha­bend, doch das schi­cke Fe­ri­en­haus lang­weilt die 15-jäh­ri­ge Toch­ter eher, als dass es sie glück­lich macht. An­na kommt aus be­schei­de­nen Ver­hält­nis­sen, sie wohnt mit ih­rem Va­ter auf dem Cam­ping­platz und be­zeich­net sich und ihn als „Rest­fa­mi­lie“. Denn zum ers­ten Mal sind sie und er nur noch zu zweit, da der äl­te­re Bru­der kei­ne Lust mehr auf Fa­mi­li­en­ur­laub hat­te. Und An­nas Mut­ter lebt nicht mehr. Als An­na nachts mit ih­rem klei­nen Boot al­lei­ne aufs Meer hin­aus fährt, um zu fi­schen, be­geg­net sie Lol­lo. Bei­de wer­den en­ge Freun­din­nen und es be­ginnt ein Som­mer, in dem die Mäd­chen viel über sich selbst ler­nen, wel­che Wi­der­sprü­che und Chan­cen Er­wach­sen­wer­den bringt, und dass kei­ne Ge­schich­te da­vor be­wahrt, Ge­füh­le aus­zu­spre­chen. Sa­ra Lö­vestam, die in Schwe­den be­reits vie­le Er­wach­se­nen­bü­cher ver­öf­fent­lich­te, hat die Pre­mie­re im Ju­gend­buch glän­zend be­stan­den. Sie fin­det ei­ne poe­ti­sche, fes­seln­de Spra­che und be­gnügt sich nicht da­mit, ei­ne leich­te Som­mer­lek­tü­re ab­zu­lie­fern. Sie stellt auch die Fra­ge, was wird, wenn der Som­mer vor­bei ist und der Him­mel nicht mehr vol­ler Gei­gen hängt, wie das Sprich­wort sagt. Dem Fran­zo­sen Chris­to­phe Lé­on ist ei­nes der be­ein­dru­ckends­ten Ju­gend­bü­cher des Jah­res ge­lun­gen. „Vä­ter­land“spielt in der Zu­kunft, er­in­nert aber auf un­heil­vol­le Wei­se an die Ver­gan­gen­heit: Die Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus, als die jü­di­sche Be­völ­ke­rung Deutsch­lands und an­de­rer Län­der Eu­ro­pas ver­folgt, aus­ge­grenzt und bru­tal er­mor­det wur­de. In der Ge­schich­te der 13-jäh­ri­gen Ga­b­ri­el­le sind es ho­mo­se­xu­el­le Paa­re, die den Hass der Mehr­heit der Be­völ­ke­rung zu spü­ren be­kom­men. Ga­b­ri­el­le be­trifft dies, weil sie als Ad­op­tiv­toch­ter ei­nes schwu­len Paa­res auf­wächst. Für das Mäd­chen ist sei­ne Fa­mi­li­en­si­tua­ti­on nor­mal, für Ga­b­ri­el­les bes­te Freun­din Ag­nes auch. Bis die Re­gie­rung an­ord­net, dass les­bi­sche und schwu­le Paa­re nur noch in be­stimm­ten Vier­teln der Stadt woh­nen dür­fen und ih­re Kin­der von öf­fent­li­chen Schu­len ver­bannt wer­den. In Ga­b­ri­el­les Ver­wun­de­rung mischt sich die Sor­ge um ih­re Vä­ter Ge­or­ges und Phil, die plötz­lich ver­schwin­den. Sie hat­ten sich mit ge­fälsch­ten Aus­wei­sen auf den Weg in den ver­bo­te­nen Teil der Stadt ge­macht, um ih­rer Toch­ter ein Ge­burts­tags­ge­schenk zu be­sor­gen. Die Hand­lung um­fasst nur we­ni­ge St­un­den. Den­noch wird man sich lan­ge an die­ses Buch er­in­nern.

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