Der König der Lüf­te

Kaum ein Bal­lon­fah­rer hat so viel Er­fah­rung wie Har­ry Ro­land / Ei­ne Fahrt beim Ger­man-Cup

Der Sonntag (Karlsruhe) - - Die Region - Wolf­gang We­ber

Es gibt wahr­schein­lich kei­ne Si­tua­ti­on in der Luft, die Har­ry Ro­land noch nicht er­lebt hät­te. Der 64-jäh­ri­ge Ober­schwa­be aus Mie­tin­gen im Land­kreis Bi­be­rach ar­bei­te­te frü­her als Hub­schrau­ber­pi­lot bei der Bun­des­wehr, gleich­zei­tig war er pas­sio­nier­ter Se­gel­flie­ger, seit 22 Jah­ren ist er nun auch als Pi­lot ei­nes Heiß­luft­bal­lons un­ter­wegs. Am Frei­tag um 17.30 Uhr steht er mit fast 40 an­de­ren Pi­lo­ten und Teil­neh­mern des 11. In­ter­na­tio­na­len Ger­man-Cup für Heiß­luft­bal­lo­ne auf dem weit­läu­fi­gen Ge­län­de des Hof­guts Bu­cken­berg in Pforz­heim und schaut auf ei­ne im Wind flat­tern­de Fah­ne. „So­lan­ge die rot ist, dür­fen wir nicht star­ten“, sagt er. Doch 30 Mi­nu­ten spä­ter wech­selt die Far­be auf gelb, kurz da­nach auf grün. Das Aben­teu­er kann be­gin­nen. Schon nach we­ni­gen Se­kun­den hat der grün­wei­ße Bal­lon ei­ne be­acht­li­che Hö­he er­reicht. Fast al­le an­de­ren Teams ste­hen noch un­ten auf der grü­nen Wie­se, nur See­pferd­chen, Eis­waf­fel und Schwein, drei wit­zi­ge Son­der­mo­del­le, sind auch schon ge­star­tet. Von oben be­trach­tet sieht Pforz­heim ei­gent­lich ganz schön aus. Vie­le Grün­flä­chen, vie­le Wäl­der. Der Wind weht aus Nord­west, der Bal­lon be­wegt sich völ­lig ge­räusch­los mit ei­ner Ge­schwin­dig­keit von acht bis neun Kno­ten (et­wa 16 km/h) in Rich­tung Tie­fen­bronn. Ne­ben Har­ry Ro­land steht sein Co-Pi­lot Klaus Wei­ler aus Lorch im Ost­alb­kreis. Wei­ler hat eben­falls ei­nen Bal­lon, an die­sem Wo­che­n­en­de bil­det er je­doch mit sei­nem Freund und Kol­le­gen ein ge­mein­sa­mes Team. Als Drit­te im Bun­de ist Ro­lands Ehe­frau As­trid mit da­bei – als so­ge­nann­ter Ver­an fol­ger. Sie ver­folgt den Bal­lon mit dem Au­to. Wo­hin? Das weiß man nie so ge­nau. Rund ei­ne St­un­de dau­ert ei­ne durch­schnitt­li­che Fahrt im Bal­lon, das Gas wür­de not­falls für zwei St­un­den rei­chen. „Len­ken“kann man höchs­tens da­durch, dass man die Hö­he des Bal­lons ver­än­dert und an­de­re Wind­strö­mun­gen er­wischt. Rund 1 500 Fahr­ten hat Har­ry Ro­land schon hin­ter sich, in­klu­si­ve sei­ner Hub­schrau­ber­und Se­gel­flug­zeit kommt er auf stol­ze 8 000 Flug­stun­den. Ist ihm schon mal ein Un­fall pas­siert? „Noch nie“, sagt er. Trotz Na­vi und GPS hat der er­fah­re­ne Pi­lot na­tür­lich noch ei­ne gu­te, al­te Land­kar­te mit in den Korb ge­nom­men. Ge­mein­sam mit Klaus Wei­ler ver­gleicht er die Ort­schaf­ten auf der Kar­te mit den win­zi­gen Dör­fern, die un­ter ihm vor­bei­zie­hen. „Das müss­te Friolz­heim sein“, sagt er, „da­ne­ben ist Heims­heim.“Im Grun­de ge­nom­men ha­ben die bei­den Pi­lo­ten be­reits kurz nach dem Start da­mit be­gon­nen, ei­nen ge­eig­ne­ten Lan­de­platz aus­zu­ma­chen. Ei­ne gro­ße Flä­che mit An­schluss ans Stra­ßen­sys­tem – das wär’s. „Da un­ten, die Lich­tung“, sagt Klaus Wei­ler und zeigt auf ei­ne Wie­se. Lang­sam ver­liert der Bal­lon an Hö­he und steu­ert auf eben die­se Lich­tung zu. Das Pro­blem ist nur: Da ste­hen ein paar Fich­ten im Weg. „Fest­hal­ten!“, ruft Har­ry Ro­land sei­nen drei Fahr­gäs­ten zu und die klam­mern sich jetzt an die arm­di­cken Hal­te­sei­le. Die Fich­ten kom­men nä­her und nä­her, dann rap­pelt’s im Kar­ton, der Bal­lon hat qua­si ei­ne Voll­brem­sung hin­ge­legt, ver­liert jetzt schnell an Hö­he und we­ni­ge Se­kun­den spä­ter lan­det er ex­akt je­ner Stel­le, die die bei­den er­fah­re­nen Pi­lo­ten zu­vor aus­ge­sucht hat­ten. „Das war kein Ver­se­hen mit den Fich­ten“, sa­gen sie und lachen. „Das war Ab­sicht.“Plötz­lich steht ein äl­te­rer Mann ne­ben dem ge­lan­de­ten Bal­lon. „Ich war auf dem Feld und ha­be euch run­ter­kom­men ge­se­hen, woll­te nur mal schau­en, ob al­les in Ord­nung ist“, sagt er. Und auf die Fra­ge, wo wir denn nun ei­gent­lich sind, sagt er: „Ge­nau zwi­schen Tie­fen­bronn, Friolz­heim und Heims­heim.“Und da er of­fen­sicht­lich ge­ra­de nichts an­de­res zu tun hat, hilft er dann auch noch beim Zu­sam­men­pa­cken des Bal­lons. Sol­che Zu­schau­er hat man ger­ne.

Fo­to: ww

Ein Mann mit Er­fah­rung: Har­ry Ro­land ist schon seit 22 Jah­ren als Bal­lon­fah­rer un­ter­wegs. Auch sein Co­Pi­lot Klaus Wei­ler (links) hat ei­nen ei­ge­nen Bal­lon, fuhr dies­mal aber bei Ro­land mit.

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