Das, was man ver­mei­den woll­te

Judo-Bun­des­li­ga: Ett­lin­gen im Vier­tel­fi­na­le ge­gen Ti­tel­ver­tei­di­ger Ham­burg

Der Sonntag (Karlsruhe) - - Sport - Man­fred Spitz

Der JC Ett­lin­gen trifft im Vier­tel­fi­na­le um die deut­sche Judo-Mann­schafts­meis­ter­schaft auf das Ham­bur­ger Judo Team (JT) – ge­nau dar­auf hät­te JCETrai­ner und Ma­na­ger Al­f­re­do Pa­ler­mo lie­bend ger­ne ver­zich­tet. Zu die­sem Zeit­punkt je­den­falls. Doch der UJKC Pots­dam spiel­te nicht mit. Denn wäh­rend der JC Ett­lin­gen in der Bun­des­li­ga Süd mit sei­nem Sieg am letz­ten Vor­run­den­kampf­tag beim JC Rüsselsheim – und der gleich­zei­ti­gen Nie­der­la­ge des Vor­jah­res-Vi­ze TSV Groß­ha­dern ge­gen den JC Leip­zig – das tat, was zu tun war, um Ta­bel­len­drit­ter zu wer­den (und da­mit dem Nord-Ers­ten aus dem Weg zu ge­hen), mach­ten die Pots­da­mer das schö­ne Ge­dan­ken­spiel an der Alb mit ih­rem über­ra­schen­den 8:6-Er­folg ge­gen das Ham­bur­ger Star­ensem­ble

„Der in­ter­es­san­tes­te Wett­kampf seit lan­gem“

zu­nich­te. Der Ti­tel­ver­tei­di­ger, ei­gent­lich auf Platz eins in der Nord­li­ga abon­niert, wur­de so „nur“Zwei­ter – und jetzt steht dem JC Ett­lin­gen im Vier­tel­fi­na­le doch ins Haus, was man ver­mei­den woll­te: Das K.o.-Du­ell mit dem HJT. Zu­erst, am nächs­ten Sams­tag, in der hei­mi­schen Alb­gau­hal­le (18 Uhr). Ei­ne Wo­che spä­ter dann im Ham­bur­ger Olym­pia­stütz­punkt. Dass die Han­sea­ten mit ei­nem frisch ge­ba­cke­nen Welt­meis­ter nach Ett­lin­gen kom­men, macht die Sa­che für den JCE nicht ein­fa­cher. Für die Judo-Fans in und um Ett­lin­gen aber um­so in­ter­es­san­ter. Denn mit dem 26-jäh­ri­gen Hes­sen Alex­an­der Wiec­zerz­ak vom JC Wies­ba­den geht in der Bun­des­li­ga der Mann für das Team des Ham­bur­ger JT auf die Mat­te, der An­fang Sep­tem­ber bei der WM in Bu­da­pest sen­sa­tio­nell als ers­ter Deut­scher seit 2003 wie­der Mal ei­nen Judo-Welt­meis­ter­ti­tel ge­wann. Nach ein paar Ta­gen Er­ho­lung mit Freun­din auf den Ma­le­di­ven plant der 81-Ki­lo-Kämp­fer die nächs­ten Schrit­te: Und da wä­re zu­nächst ein­mal der Ein­zug ins Bun­des­li­ga-Halb­fi­na­le; mit ei­nem Sieg ge­gen den JC Ett­lin­gen. Al­f­re­do Pa­ler­mo lacht. Gar so ein­fach will er es den Nord­deut­schen nicht ma­chen. „Ham­burg hat die bes­ten Leu­te. Aber auch wir wer­den was auf­bie­ten und sind gut be­stückt. Wir wol­len ins Fi­na­le, na­tür­lich“, er­klärt Pa­ler­mo schmun­zelnd und freut sich auf „ei­nen der in­ter­es­san­tes­ten Wett­kämp­fe seit lan­gem“. Ge­gen Wiec­zerz­ak will er in der Ge­wichts­klas­se bis 81 Ki­lo­gramm den jun­gen Ge­or­gi­er Tma­zi Kira­ko­zash­vili, Ju­nio­renEu­ro­pa­meis­ter von 2015 (73 Ki­lo-Klas­se), stel­len. Der Büh­ler Di­no Pfeif­fer (bis 100 Ki­lo) be­kommt es mit ei­nem wei­te­ren Ham­bur­ger WM-Star­ter zu tun: Di­mi­tri Pe­ters. Der 33-jäh­ri­ge Olym­pia-Drit­te von 2012 schied in Bu­da­pest in Run­de zwei aus. WMAch­tel­fi­na­list Da­vid Te­kic (bis 90 Ki­lo) soll von Ett­lin­gens Franz Haet­tich be­ar­bei­tet wer­den; Igor Wandt­ke (bis 73 Ki­lo), eben­falls bei der WM da­bei, be­kommt es wohl mit JCE-ler Gar­lef Eder zu tun. In den Klas­sen bis 60 be­zie­hungs­wei­se über 100 Ki­lo will Al­f­re­do Pa­ler­mo wie im 81-Ki­lo-Li­mit sei­ne Aus­län­der auf­bie­ten. „Wir müs­sen zu­hau­se ein gu­tes Fun­da­ment le­gen. Wenn wir ge­win­nen wür­den, wä­re das na­tür­lich toll“, sagt Al­f­red Pa­ler­mo. Träu­men ist er­laubt, in der Rea­li­tät bleibt der JCE-Ma­na­ger aber Prag­ma­ti­ker: „Ham­burg hat mehr Geld. Ham­burg hat den grö­ße­ren Ka­der. Und Ham­burg hat mehr Mög­lich­kei­ten. Da sind in je­der Ge­wichts­klas­se drei gu­te Leu­te. Ham­burg ist si­cher die grö­ße­re Wun­der­tü­te. Die kön­nen uns leich­ter durch­schau­en, als wir sie.“Ein­mal stan­den sich die bei­den Mann­schaf­ten be­reits in ei­nem Vier­tel­fi­na­le ge­gen­über. „Das ist lan­ge her. Sechs, sie­ben Jah­re. In Ham­burg“, sagt Pa­ler­mo. „Wir ha­ben da­mals ver­lo­ren. Wir hat­ten aber auch viel Pech“, er­in­nert er sich noch. „Ham­burg ist ei­ne Judo-Hoch­burg. Das ist ein gro­ßer Ver­ein, da kom­men vie­le Zu­schau­er“, er­war­tet er beim Rück­kampf ei­nen He­xen­kes­sel. Pa­ler­mo: „Es war bis­her ei­ne gu­te Run­de. Wir ha­ben nichts zu ver­schen­ken, wir ge­ben wie im­mer al­les.“Und egal wie es aus­geht, „wir wol­len auch Wer­bung für den Judo-Sport ma­chen.“Vor al­lem na­tür­lich beim Ett­lin­ger He­im­pu­bli­kum.

Fo­to: im­a­go/CTK Photo

Gro­ßes Ki­no: Vor kur­zem bei der WM in Bu­da­pest wur­de Alex­an­der Wiec­zerz­ak ers­ter deut­scher Judo-Welt­meis­ter seit 2003. Am nächs­ten Sams­tag tritt der 26-Jäh­ri­ge im Bun­des­li­ga-Vier­tel­fi­nal­hin­kampf mit Ti­tel­ver­tei­di­ger Ham­burg beim JC Ett­lin­gen in der Alb­gau­hal­le (18 Uhr) an.

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