Ab in die Ba­na­nen­kis­te

In War­ne­mün­de ent­stand das ers­te Con­tai­ner­ho­tel Deutsch­lands

Der Sonntag (Karlsruhe) - - Reise & Urlaub - mag

Ein Ho­tel aus Con­tai­nern bau­en, das hört sich so ein­fach an wie Le­go. War es aber nicht. Denn wie ver­hal­ten sich 67 Con­tai­ner bei Wind­stär­ke acht? „So was wuss­te nie­mand“, sagt Pe­tra Ca­vet. Die Mit­ar­bei­te­rin des „Dock Inn“steht auf ei­ner Frei­luft­platt­form im fünf­ten Stock. Ge­gen­über ist die Bahn­sta­ti­on „War­ne­mün­de Werft“, da­hin­ter Ha­fen­krä­ne – die per­fek­te Ku­lis­se für In­dus­trie­ro­man­ti­ker. Das „Dock Inn“ist Deutsch­lands ers­tes Ho­tel aus Über­see­con­tai­nern, das seit dem Früh­jahr Gäs­te emp­fängt. Die Be­su­cher schla­fen dort, wo zum Bei­spiel schon mal 20 Ton­nen Ba­na­nen im Bauch ei­nes Con­tai­ner­schif­fes auf Welt­rei­se gin­gen. Nach Früch­ten riecht es nicht mehr in den 25 Qua­drat­me­ter gro­ßen Kis­ten, da­für nach neu­en Mö­beln und An­strich. Der Neu­bau ist ein Grund, in dem be­kann­ten Ost­see­bad auf Ent­de­ckungs­rei­se zu ge­hen. Wa­ren­um­schlag, Schiffs­bau und Schiff­fahrt ha­ben in War­ne­mün­de lan­ge Tra­di­ti­on. „Hier war der ein­zi­ge Tief­see­ha­fen der DDR“, sagt Phil­ipp Ro­se, der für das ört­li­che Tou­ris­ten­bü­ro Stadt­füh­run­gen macht. „So­zia­lis­mus hin So­zia­lis­mus her, Han­del muss­te ge­trie­ben wer­den.“Und wer et­wa mit der MS „Käpp’n Brass“ei­ne Ha­fen­rund­fahrt macht, be­kommt von Ka­pi­tän Wolf­gang Sen­se noch mehr Ge­schich­te zu hö­ren. „Im Jahr 1046 wur­de hier der ers­te Kut­ter ge­baut, 1951 das ers­te Stahl­schiff“, tönt er über die Au­ßen­laut­spre­cher. Auch die ers­ten Stück­gut­frach­ter der DDR sei­en hier auf Kiel ge­legt wor­den. In ei­nem, der MS „Dres­den“, ist mitt­ler­wei­le das Schiff­bau- und Schiff­fahrts­mu­se­um Ros­tock un­ter­ge­bracht. Heu­te legt hier ein Kreuz­fahrt­schiff nach St. Pe­ters­burg ab. Wäh­rend es schnell Fahrt in Rich­tung of­fe­nes Meer auf­nimmt, steigt an der Mo­le ein klei­nes Fest. Je­des Mal, wenn ein Kreuz­fahrt­rie­se auf­bricht, sei die At­mo­sphä­re so toll, sagt Sil­via Grahl, die auf der „Käpp’n Brass“Würst­chen und Bier ser­viert. Wer spä­ter noch Hun­ger hat, kann et­wa in die Broi­ler-Bar im Ho­tel „Nep­tun“ein­keh­ren. Sie war schon zu DDR-Zei­ten „Kult“, sagt Hans Schnei­der, der stell­ver­tre­ten­de Re­stau­rant­lei­ter. „Lass mal ‚nen Broi­ler‘ es­sen, hat man zum Bei­spiel nach der Zeug­nis­aus­ga­be ge­sagt.“Denn Pom­mes ge­hör­ten zur Man­gel­wa­re, und braun ge­rös­te­tes Hähn­chen hat­te man auch nicht al­le Ta­ge. Mit Broi­ler im Ma­gen ist ein Spa­zier­gang an der fri­schen See­luft ge­nau das Rich­ti­ge. Der Sand­strand von War­ne­mün­de gilt als ei­ner der brei­tes­ten an der deut­schen Ost­see. Und ein biss­chen Wel­len­gang ist im­mer, da­für sorgt al­lein der re­ge Fähr­be­trieb nach Ged­ser, Trel­le­borg und Gdy­nia. Das „Dock Inn“ist eben­falls be­reits stadt­be­kannt, auch weil sein Bau um­strit­ten war – wie der gan­ze neue Wohn­park Am Mo­len­feu­er, wo es steht. Jung, cool und low-bud­get will man sein. Do it yours­elf ist hier das Mot­to: Es gibt so­gar ei­ne Kü­che zum Sel­ber­ko­chen oh­ne Tisch­ser­vice.

Fo­to: Dock Inn/mag

An­ge­dockt und ein­ge­pennt: Im „Dock Inn“in War­ne­mün­de kann man in al­ten Schiff­scon­tai­nern über­nach­ten. Das et­was an­de­re Ho­tel setzt ganz auf jung, cool und low-bud­get.

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