Der Ge­fan­ge­ne von Burg Tri­fels

Aus­stel­lung über Richard Lö­wen­herz in Spey­er: Der „idea­le Ritter“hat­te je­de Men­ge Fein­de

Der Sonntag (Karlsruhe) - - Freizeit & Ausflüge - An­net­te Bor­chardt-Wen­zel

Richard Lö­wen­herz – das muss doch ein gu­ter Mann ge­we­sen sein, wenn Ro­bin Hood ihn so schätz­te. Der König von En­g­land und der „ed­le Räu­ber“: Sie sind ein un­schlag­ba­res Ge­spann. Fil­me wie „Die Aben­teu­er des Ro­bin Hood“von 1938 mit Er­rol Flynn und Ian Hun­ter oder „Ro­bin Hood – König der Die­be“mit Ke­vin Cost­ner und Se­an Con­ne­ry aus dem Jahr 1991 fan­den ein Mil­lio­nen­pu­bli­kum. Das Bild des Richard Lö­wen­herz (1157-1199) dürf­ten sie in der brei­ten Be­völ­ke­rung weit mehr ge­prägt ha­ben als ge­lehr­te Bü­cher. Als idea­ler Ritter und cha­ris­ma­ti­scher Mon­arch gilt der Kreuz­fah­rer vie­len Mit­tel­al­ter-Fans. In der Ge­schichts­wis­sen­schaft hin­ge­gen wur­de Richard Lö­wen­herz, der vor blu­ti­gen Mas­sa­kern nicht zu­rück­schreck­te, lan­ge als „schlech­ter König“ge­han­delt. Er ha­be per­sön­li­chen Ruhm über die In­ter­es­sen sei­nes Rei­ches ge­stellt und die­sem enor­me fi­nan­zi­el­le Be­las­tun­gen zu­ge­mu­tet, ur­teil­ten His­to­ri­ker. Der­zeit be­leuch­tet ei­ne Lan­des­aus­stel­lung im His­to­ri­schen Mu­se­um der Pfalz in Spey­er die Le­bens­ge­schich­te des be­rühm­ten Kö­nigs. Un­ter dem Ti­tel „Richard Lö­wen­herz. König – Ritter – Ge­fan­ge­ner“stellt sie die span­nen­de Fra­ge: Was zeich­net die Fi­gur des Lö­wen­herz aus, dass sie seit Jahr­hun­der­ten als In­be­griff von Rit­ter­lich­keit und Wa­ge­mut her­hal­ten kann? War­um die Schau über den König von En­g­land aus­ge­rech­net in Spey­er er­ar­bei­tet wur­de? „Aus­stel­lungs­the­men ha­ben ei­nen ganz be­son­de­ren Reiz, wenn sie welt­his­to­ri­sche Re­le­vanz be­sit­zen und gleich­zei­tig re­gio­nal­ge­schicht­lich ver­or­tet wer­den kön­nen“, sagt Alex­an­der Schu­bert, der Chef des His­to­ri­schen Mu­se­ums. Das tref­fe auf Richard Lö­wen­herz zu. Denn der König ver­brach­te rund 14 Mo­na­te am Ober­rhein – aber nur ein hal­bes Jahr sei­ner Herr­schafts­zeit in En­g­land. Al­ler­dings be­fand er sich nicht frei­wil­lig in der Re­gi­on: Wäh­rend des so­ge­nann­ten Drit­ten Kreuz­zugs hat­te sich Richard Lö­wen­herz den ös­ter­rei­chi­schen Her­zog Leo­pold V. zum Feind ge­macht. Da­mit füg­te er sei­nen vie­len Geg­nern un­ter den eu­ro­päi­schen Fürs­ten ei­nen wei­te­ren hin­zu. Als er 1192 aus dem Hei­li­gen Land zu­rück­kehr­te, wur­de er von dem Ös­ter­rei­cher ge­fan­gen ge­nom­men und an den St­auf­er­kai­ser Hein­rich VI. aus­ge­lie­fert. Man hat ihn un­ter an­de­rem auf der Reichs­burg Tri­fels bei Ann­wei­ler ein­ge­sperrt. In Spey­er gab es ei­ne Art Schau­pro­zess, bei der König Richard mit ei­ner lan­gen Lis­te von Vor­wür­fen kon­fron­tiert wur­de: Un­ter an­de­rem warf man ihm Mord vor – und dass er mit Sul­tan Sa­la­din ei­nen schänd­li­chen Frie­den ge­schlos­sen ha­be. Für die Frei­las­sung von Richard Lö­wen­herz wur­de ein un­ge­heu­res Lö­se­geld ver­langt: 100000 Mark – das ent­sprach 23 Ton­nen rei­nem Sil­ber. Über 150 Ex­po­na­te aus Mu­se­en und Bi­b­lio­the­ken in Deutsch­land, Ös­ter­reich, En­g­land, Frank­reich, Dä­ne­mark, den Nie­der­lan­den und der Schweiz ge­ben in Spey­er ei­nen Ein­blick in Richard Lö­wen­herz’ aben­teu­er­li­ches Le­ben und sei­ne Zeit. Zu den Se­hens­wür­dig­kei­ten der Aus­stel­lung ge­hört ei­ne frü­he Aus- ga­be der „Ma­gna Car­ta“, der „gro­ßen Ur­kun­de der Frei­hei­ten“. Ein wah­rer Schatz ist das ver­gol­de­te und mit Edel­stei­nen be­setz­te Kreuz Hein­richs des Lö­wen. Ei­gens für die Aus­stel­lung an­ge­fer­tig­te Ani­ma­tio­nen zeich­nen Richards Rei­se­we­ge durch Eu­ro­pa nach. Sie bie­ten ei­nen le­ben­di­gen Ein­blick in die Welt des Mit­tel­al­ters. „Mit­neh­men“kön­nen die Be­su­cher ei­nen Ein­druck da­von, wie Richard Lö­wen­herz zum My­thos wur­de. Schon in jun­gen Jah­ren hat­te er an sei­ner ei­ge­nen Glo­ri­fi­zie­rung ge­ar­bei­tet. Er um­gab sich mit Trou­ba­dou­ren, die sei­nen be­din­gungs­lo­sen Ein­satz im Kampf be­san­gen. So er­hielt er be­reits zu Leb­zei­ten den Bei­na­men „Lö­wen­herz“. In ei­nem Atem­zug nann­te man ihn mit dem my­thi­schen König Ar­tus. Nicht zu­letzt er­mög­lich­te Richards lan­ge Ab­we­sen­heit wäh­rend des Kreuz­zugs und der Ge­fan­gen­schaft sei­ne Sti­li­sie­rung zum idea­len König – ganz an­ders er­ging es sei­nem in En­g­land prä­sen­ten Bru­der Jo­hann Oh­ne­land. Le­gen­den, die sich in spä­te­rer Zeit mit dem Na­men des Richard Lö­wen­herz ver­ban­den, wur­den von der Li­te­ra­tur, dem Film und der Mu­sik be­geis­tert auf­ge­grif­fen. Da­zu ge­hört et­wa die Sa­ge vom Sän­ger Blon­del, der von Burg zu Burg zog, um sei­nen ge­fan­ge­nen Her­ren zu fin­den. Und na­tür­lich die Ge­schich­ten um Ro­bin Hood, für den ein kon­kre­tes his­to­ri­sches Vor­bild nicht fass­bar ist. Seit An­fang des 20. Jahr­hun­derts sind al­lein über 80 Ki­no­fil­me und rund 20 Fern­seh­pro­duk­tio­nen ent­stan­den, die Ro­bin Hood und Richard Lö­wen­herz als „Traum­paar“auf­tre­ten las­sen. Als Kreuz­fah­rer, als Lie­ben­der oder als Mit­glied ei­ner eben­so mäch­ti­gen wie zer­strit­te­nen Fa­mi­lie hat Richard Lö­wen­herz eben­falls wie­der­holt für gro­ßes Ki­no ge­sorgt.

Fo­to: His­to­ri­sches Mu­se­um der Pfalz Spey­er

His­to­ri­sche Ab­güs­se der Gr­ab­mä­ler von Richard Lö­wen­herz, Hein­rich II. und Eleo­no­re von Aqui­ta­ni­en aus der Ab­tei von Fon­te­vraud sind in der Aus­stel­lung in Spey­er zu se­hen. Fon­te­vraud ge­hört zu den be­deu­tends­ten dy­nas­ti­schen Grab­le­gen des mit­tel­al­ter­li­chen Eu­ro­pas.

Richard Lö­wen­herz wie er in dem 1250 bis 1259 ent­stan­de­nen Werk „Ab­bre­via­tio Chro­ni­co­rum“von Mat­t­hew Pa­ris dar­ge­stellt ist. Ab­bil­dung: ©The Bri­tish Li­bra­ry Bo­ard, Cot­ton MS Clau­di­us D VI, fol. 9v

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