Spu­ren­su­che „rhein­hei­misch“

Ei­ne ori­gi­nel­le Ba­den-Ausstellung

Der Sonntag (Karlsruhe) - - Die Region - Tho­mas Liebs­cher

Man­che Leu­te ha­ben vor­schnell schon im Sep­tem­ber die Hei­mat­ta­ge Ba­den-Würt­tem­berg in Karlsruhe für be­en­det er­klärt. Da­bei lau­fen noch im­mer ori­gi­nel­le Aus­stel­lun­gen wie „#wald­schwarz­schön“im Mu­se­um beim Markt. Die Schauen zu „Karls­ru­her Hei­ma­ten“gin­gen erst vo­ri­ge Wo­che zu En­de. Und jetzt biegt noch die Ba­di­sche Lan­des­bi­blio­thek (BLB) mit ei­ni­gen ih­rer Schät­ze auf den ge­dank­lich er­neu­er­ten Hei­mat­weg ein. Am Di­ens­tag, 8. No­vem­ber, wird im viel­be­such­ten Bü­cher­haus ei­ne Ausstellung er­öff­net, die „Rhein­hei­mi­sches“prä­sen­tiert. Was steckt hin­ter die­ser fei­nen Wort­schöp­fung? „Es geht um ba­di­sche Er­in­ne­rungs­or­te, wo­bei die­ser Be­griff nicht auf Geo­gra­fi­sches be­schränkt ist“,

Ab Mitt­woch in der Lan­des­bi­blio­thek

er­klärt Ku­ra­to­rin Ka­ren Evers. Sie hat sich ge­fragt, was aus der Lan­des­ge­schich­te be­son­ders prä­gend wur­de – und im­mer noch im ge­mein­schaft­li­chen ba­di­schen Be­wusst­sein wich­tig ist. Das vom fran­zö­si­schen His­to­ri­ker Pier­re No­ra stam­men­de Kon­zept der Ge­dächt­ni­sor­te schließt his­to­ri­sche Per­so­nen und Er­eig­nis­se so­wie Li­te­ra­tur und Kunst ein. Mit die­sem An­satz hat Ka­ren Evers in den Be­stän­den der BLB nach Au­gen­fäl­li­gem zu zwölf lan­des­kund­lich ge­wich­ti­gen Sta­tio­nen ge­sucht. Sie wähl­te als Er­in­ne­rungs­or­te bei­spiels­wei­se die Burg Ho­hen­ba­den, den Stamm­sitz der Herr­scher­fa­mi­lie na­he den Bat­tertfel­sen in Ba­den-Ba­den. Ein präch­tig il­lus­trier­tes St­un­den­buch des Mark­gra­fen Christoph I. do­ku­men­tiert die letz­te Pha­se ei­ner un­ge­teil­ten Herr­schaft. Chris­tophs Söh­ne schu­fen dann 1535 zwei ba­di­sche Län­der mit den Haupt­städ­ten Ba­den-Ba­den (spä­ter Ras­tatt) bei der ei­nen Li­nie so­wie Pforz­heim (spä­ter Dur­lach und Karlsruhe) bei der an­de­ren. Er­freu­lich gro­ße Il­lus­tra­tio­nen be­glei­ten nicht nur die Er­in­ne­rungs­or­te Ba­den-Ba­den und Klos­ter Lich­ten­thal als Ge­schichts­sta­tio­nen. Nur we­ni­ge der 70 meist sehr wert­vol­len Ex­po­na­te, da­von zehn Leih­ga­ben, sind nicht auf­fäl­lig. Be­wun­dern darf man die ers­te und far­bi­ge Kar­te des Schwarz­walds zwi­schen Achern und Ba­sel von Sebastian Münster aus dem 16. Jahr­hun­dert. Land­kar­ten spie­len na­tür­lich ei­ne Rol­le, wo es um den Rhein und sei­ne Be­gra­di­gung durch Gott­fried Tul­la und Max Hon­sell geht. Reiz­voll ist es, das Ge­biet zwi­schen Mörsch und Mann­heim auf ei­ner Ab­bil­dung vor der Rh­ein­kor­rek­tur zu stu­die­ren. Pan­ora­men von Or­ten und Na­tur in Stahl­sti­chen wur­den im 19. Jahr­hun­dert eben­so be­liebt wie zeich­ne­ri­sche Dokumentation ba­di­scher Trach­ten in Map­pen. Als die In­dus­tria­li­sie­rung die „gu­te al­te Zeit“lang­sam auf­fraß, be­san­nen sich Künst­ler und Be­sitz­bür­ger auf stil­le Land­schaf­ten und Brauch­tum. Das Ka­pi­tel „Hei­mat als Büh­ne“stellt den „Li­te­ra­tur­hei­li­gen“Jo­hann Pe­ter He­bel so­wie den Pfar­rer, Po­li­ti­ker und Au­tor Hein­rich Hans­ja­kob vor. Der ei­gen­wil­li­ge ka­tho­li­sche Pries­ter aus dem Kin­zig­tal soll üb­ri­gens ein­mal ei­ne als un­nö­tig er­ach­te­te Aus­kunft an sei­ne „Chefs“in Frei­burg so adres­siert ha­ben: „An das erz­bi­schöf­li­che Or­di-nar­ri­at“. Em­pört schick­ten die Kir­chen­obe­ren des Bis­tums den Um­schlag zu­rück. Dar­auf­hin schrieb Hans­ja­kob an das „erz­bi­schäf­li­che Or­di­na­ri­at“. Auf den er­neu­ten Rück­lauf soll der Has­la­cher Pfar­rer mit Brie­fen an das „Dumm­ka­pi­tel“so­wie die „Kuh­rie“re­agiert ha­ben. Auch das ist gut rhein­hei­misch: Ab und zu krea­tiv ge­gen die Ob­rig­kei­ten zu op­po­nie­ren.

Ali­na | Sän­ge­rin

Wolf­gang We­ber Ein be­ein­dru­cken­des und auf An­hieb er­folg­rei­ches De­büt-Al­bum hat die aus Walds­hut-Ti­en­gen stam­men­de Sän­ge­rin Ali­na ver­öf­fent­licht: „Die Ein­zi­ge“er­laubt den tie­fen Blick in ih­re See­le. Fo­to: Uni­ver­sal Mu­sic

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