Die gna­den­lo­se Na­tur

Ras­tat­ter Ausstellung über den Ers­ten Welt­krieg im Al­pen­raum

Der Sonntag (Karlsruhe) - - Die Region - Bo

Da war nicht nur der mi­li­tä­ri­sche Geg­ner. Da wa­ren auch die „kah­len, kal­ten Ber­ge“mit ih­ren Ab­grün­den und La­wi­nen. Gna­den­los for­der­te die Na­tur in 2 000 bis 4 000 Me­tern Hö­he Op­fer un­ter den Sol­da­ten des Ers­ten Welt­kriegs. Nir­gend­wo sonst war das Ge­län­de so schwie­rig wie an der Al­pen­front, sagt Alexander Jor­dan, der Chef des Wehr­ge­schicht­li­chen Mu­se­ums in Ras­tatt: „Da sich al­le Geg­ner den Na­tur­ge­wal­ten aus­ge­lie­fert sa­hen, zoll­te man sich ge­gen­sei­tig teils mehr Re­spekt als an manch an­de­rem Kriegs­schau­platz. Dies trug zur He­roi­sie­rung und Ro­man­ti­sie­rung die­ser Front bei.“Der Mu­se­ums­di­rek­tor ist Ex­per­te in Sa­chen Al­pen­krieg – er hat dar­über sei­ne Dok­tor­ar­beit ge­schrie­ben. Jetzt prä­sen­tiert sein Haus auf rund 300 Qua­drat­me­tern die Ausstellung „Die kah­len, kal­ten Ber­ge … Der Ers­te Welt­krieg im Al­pen­raum und die Deut­sche Ge­birgs­trup­pe“. Sie ver­deut­licht, wie ex­trem vor 100 Jah­ren die An­for­de­run­gen an die Sol­da­ten wa­ren, wie sie kämpf­ten und wel­che Über­le­bens­stra­te­gi­en sie ent­wi­ckel­ten. Kampf­hand­lun­gen mit deut­scher Be­tei­li­gung gab es schon im Som­mer 1915 in den Do­lo­mi­ten, als das Deut­sche Al­pen­korps den ös­ter­rei­chi­schen Grenz­schutz un­ter­stütz­te. 1917 kam es zur Schlacht am Ison­z­of­luss (heu­te die Soˇ­ca in Slo­we­ni­en), die je nach Sicht­wei­se als „Wun­der von Kar­freit“oder „Ka­ta­stro­phe von Ca­po­ret­to“be­zeich­net wur­de. Ös­ter­rei­chisch-un­ga­ri­schen und deut­schen Trup­pen ge­lang es da­mals, die ita­lie­ni­schen Li­ni­en zu über­ren­nen. Die würt­tem­ber­gi­schen Kon­tin­gen­te ste­hen im Mit­tel­punkt der Ausstellung. Auch mit dem Ein­satz von „Wolf“Hau­ler, die ei­gent­lich Ma­ria Sen­ter hieß und die ein­zi­ge Frau im Ge­birgs­ba­tail­lon war, be­schäf­tigt sich die Schau. Ex­klu­si­ve Ob­jek­te so­wie sel­te­ne Fo­to­gra­fi­en ver­mit­teln ei­nen Ein­druck vom Vor­marsch deut­scher Trup­pen in Ita­li­en bis zum En­de der ver­lust­rei­chen Kämp­fe im Ge­biet des Mon­te Grap­pa – und nicht zu­letzt vom töd­li­chen Irr­sinn des Krie­ges.

Ein MG-Trupp des Würt­tem­ber­gi­schen Ge­birgs­ba­tail­lons geht in Stel­lung. Das Fo­to ist in der Ausstellung „Die kah­len, kal­ten Ber­ge …“im Wehr­ge­schicht­li­chen Mu­se­um Ras­tatt zu se­hen. Fo­to: Samm­lung Kainz

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