Auf­ge­fal­len

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - An­net­te Bor­chardt-Wen­zel

So­oo klein, so­oo süß: Es ist ein Mäd­chen und heißt Char­lot­te Eliz­a­beth Dia­na. Zu­ge­ge­ben, an­de­re Nach­rich­ten wie­gen schwe­rer. Wäh­rend Bahn­streiks und Spio­na­ge­af­fä­ren aber ei­gent­lich nur noch ner­ven, sor­gen 3 714 Gramm roya­les Ba­by für Ge­sprächs­stoff der er­freu­li­che­ren Art. Man­che Leu­te mut­ma­ßen be­reits, dass die klei­ne bri­ti­sche Prin­zes­sin hier­zu­lan­de Mo­de ma­chen könn­te – vor­na­mens­tech­nisch zu­min­dest. Char­lot­te: Der Na­me hat Po­ten­zi­al. Auf der von der Ge­sell­schaft für deut­sche Spra­che ge­führ­ten Lis­te der be­lieb­tes­ten weib­li­chen Vor­na­men lag er im ver­gan­ge­nen Jahr be­reits auf Platz zwölf. Ob es Char­lot­te dank des Pro­mi-Fak­tors dem­nächst un­ter die Top-Ten schafft oder gar der Erst­plat­zier­ten – So­phie – Kon­kur­renz macht? Es könn­te ein span­nen­des Ren­nen wer­den. Denn Char­lot­te kommt den Vor­na­mens­be­dürf­nis­sen von gleich zwei El­tern­ty­pen ent­ge­gen: den Tra­di­tio­na­lis­ten und den An­glo­phi­len. Der Vor­na­men­for­scher Knud Bie­le­feld hält es so­gar für mög­lich, dass jetzt Schreib­wei­sen wie „Schar­lott“po­pu­lär wer­den, mit de­nen El­tern die bri­ti­sche Aus­spra­che er­zwin­gen wol­len. Üb­ri­gens: Selbst wenn Char­lot­te die neue So­phie wer­den soll­te – El­tern, die sich für die­sen Na­men ent­schei­den, müs­sen nicht be­fürch­ten, ir­gend­wann ein­mal über­rannt zu wer­den, wenn sie nach ih­rer Toch­ter ru­fen. Denn Mo­de­na­men sind in Deutsch­land auch nicht mehr das, was sie mal wa­ren – ech­te Mas­sen­phä­no­me­ne: Den be­lieb­tes­ten Vor­na­men „So­phie“er­hiel­ten im ver­gan­ge­nen Jahr ge­ra­de ein­mal 3,3 Pro­zent der neu­ge­bo­re­nen Mäd­chen – und da­bei wa­ren nicht nur die Ruf­na­men, son­dern auch Zweit- und Dritt­na­men be­rück­sich­tigt. Der ei­gent­li­che Trend näm­lich geht zur Viel­falt – 2014 sei­en in Deutsch­land be­reits mehr als 21000 ver­schie­de­ne Na­men für Mäd­chen ein­ge­tra­gen wor­den, sagt Ga­b­rie­le Ro­d­ri­guez von der Na­mens­be­ra­tung der Uni Leip­zig. Ei­ni­ge der Vor­na­men wa­ren sehr ex­klu­siv: So­leil und Aphro­di­te et­wa, Pep­per-Ann und Ju­li-Sum­mer, Xan­tip­pe und Schnu­ckel­pu­pi­ne. Ko­misch, manch­mal hat man das Ge­fühl, dass Kin­der mit Al­ler­welts­na­men bes­ser be­dient wä­ren. Mit Char­lot­te zum Bei­spiel – in wel­cher Schreib­wei­se auch im­mer.

Wird Char­lot­te die neue So­phie?

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