„Al­les ist voll Gül­le“

Zwei Men­schen ster­ben bei Zug­un­glück im Müns­ter­land

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell -

Trüm­mer in­mit­ten der grü­nen Fel­der des Müns­ter­lan­des. Das Füh­rer­haus ei­nes Zu­ges ist völ­lig ein­ge­drückt. Rie­si­ge Me­tall­tei­le lie­gen de­mo­liert am Bahn­damm. Auf der Sei­te ei­ner Fahr­gast­ka­bi­ne fehlt ein rie­si­ges Teil der Ver­klei­dung. Und al­les ist mit Gül­le be­deckt. „Auch der Zug ist vol­ler Gül­le“, be­rich­tet ein Au­gen­zeu­ge. Mit ge­wal­ti­ger Wucht muss der Zug ges­tern in Ib­ben­bü­ren auf den Gül­le­trans­por­ter ge­prallt sein. Erst 300 Me­ter wei­ter bleibt der Zug der West­fa­len­bahn ste­hen. Der Lok­füh­rer und ei­ne Frau sind tot, sechs Men­schen schwer ver­letzt. Mehr als 30 In­sas­sen über­ste­hen den Auf­prall halb­wegs un­ver­sehrt, aber ge­schockt sind sie wohl al­le. Über den dörf­li­chen Vo­r­ort Lag­gen­beck bei der Berg­ar­bei­ter­stadt Ib­ben­bü­ren, im nörd­li­chen Zip­fel von Nord­rheinWest­fa­len, bricht ein Groß­ein­satz der Ret­tungs­kräf­te her­ein, mit Si­re­nen und Blau­licht. Ver­letz­te wer­den ver­sorgt, ge­schock­te Fahr­gäs­te be­ru­higt, To­te ge­bor­gen. Ein Lei­chen­wa­gen kommt. Die Ret­ter neh­men das Dorf­ge­mein­de­haus in Be­schlag, hier sind bald auch vie­le Not­fall­seel­sor­ger mit ih­ren li­la Wes­ten zu se­hen. Was von dem Zug üb­rig blieb, steht na­he ei­ni­ger Bau­ern­hö­fe auf dem Gleis, et­wa 300 Me­ter hin­ter dem be­schrank­ten Bahn­über­gang. Hier hat sich das Dra­ma zu­ge­tra­gen. Ver­mut­lich hat sich beim Über­que­ren der Glei­se der An­hän­ger von dem Trak­tor ge­löst. „Das Gülle­fass stand auf den Glei­sen“, be­rich­tet Jo­chen Lasch­ke, der Spre­cher der Po­li­zei aus der Kreis­stadt St­ein­furt. Die sich au­to­ma­tisch sen­ken­den Bahn­schran­ken ha­ben den An­hän­ger dann wohl blo­ckiert. Der Trak­tor­fah­rer soll, so wird er­zählt, noch ver­sucht ha­ben, den her­an­fah­ren­den Zug zu war­nen. Un­ter­sucht wird nun, wes­halb der An­hän­ger sich von der Zug­ma­schi­ne lös­te. Das über­neh­men Spe­zi­al­er­mitt­ler, die eben­falls bald am Un­glücks­ort sind. Ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren wird ein­ge­lei­tet. „Da sind nur Wie­sen und Fel­der“, be­schreibt ei­ne jun­ge Frau aus Ib­ben­bü­ren das Um­land des Hor­ror­crashs. Nie­der­sach­sen liegt gleich ne­ben­an, vie­le Men­schen pen­deln ins be­nach­bar­te Os­na­brück. Dort hat­te die Li­nie RB61 ges­tern Vor­mit­tag den letz­ten Halt ge­macht. Et­wa zehn Mi­nu­ten spä­ter soll­te der Zug im Ib­ben­bü­re­ner Vo­r­ort Lag­gen­beck stop­pen. Doch dann pas­sier­te der Un­fall.

Nach dem Zu­sam­men­prall mit ei­nem Gül­le­trans­por­ter, der auf ei­nem Bahn­über­gang bei Ib­ben­bü­ren lie­gen ge­blie­ben war, ist das Füh­rer­haus des Re­gio­nal­zugs völ­lig zer­stört. Foto: avs

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