Blas­mu­sik bringt Stadt zum Klin­gen

Er­freu­te Pas­san­ten und Fla­neu­re am Schloss ge­nie­ßen das Lan­des­mu­sik­fest in Karls­ru­he

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region -

Mit der ei­nen Hand schiebt die Frau ih­ren Kin­der­wa­gen, mit der an­de­ren drückt sie ihr Han­dy ans Ohr. Als sie über den Platz bei der Karls­ru­her Ste­phans­kir­che läuft, ver­än­dert sich der Rhyth­mus ih­rer Fü­ße. Es geht im Marsch­tritt wei­ter, in­spi­riert vom Mu­sik­ver­ein An­gel­bach­tal und sei­nem Marsch „Dem Land Ti­rol die Treue“. Die jun­ge Di­ri­gen­tin Si­mo­ne Volz und ih­re Mu­si­ker auf den Bier­bän­ken ha­ben ih­re No­ten teil­wei­se mit Wä­sche­klam­mern vor dem Fort­flie­gen ge­si­chert und brin­gen auch mit der nach­fol­gen­den Pol­ka Stim­mung in die Pas­san­ten und Zu­hö­rer auf Ban­ken oder an Ca­fé­ti­schen. Beim seit Frei­tag lau­fen­den Mu­sik­fest Ba­den-Würt­tem­berg schwärm­ten ges­tern zahl­rei­che Orches­ter aus ins Karls­ru­her Zen­trum oder in den Stadt­gar­ten. Für je­weils ei­ne St­un­de er­hiel­ten er­freu­te Pas­san­ten mit di­cken Ein­kaufs­tü­ten oder fach­kun­di­ge Be­su­cher Ein­bli­cke ins Re­per­toire. Beim Bri­gan­de­feschd am Fried­richs­platz spiel­te der Mu­sik­ver­ein Hil­pert­sau Lie­der der „Co­me­di­an Har­mo­nists“und hat­te in Ger­hard Ze­chiel ei­nen auf­merk­sa­men Zu­hö­rer. „Ein­wand­frei“, ur­teil­ten er und sei­ne Frau Ire­ne über die vie­len Open-Air-Konzerte. Bis heu­te Abend wer­den 92 En­sem­bles auf acht Büh­nen auf­ge­tre­ten sein – die Blas­mu­sik kommt aufs Pu­bli­kum zu und bringt Karls­ru­hes Zen­trum auch heu­te noch den gan­zen Tag zum Klin­gen. Ex­per­ten wie Ger­hard Ze­chiel, er spielt selbst seit Jahr­zehn­ten Ba­ri­ton beim Mu­sik­ver­ein Wol­farts­wei­er, wa­ren au­ßer­dem ganz Ohr bei Auf­trit­ten hin­ter ge­schlos­se­nen Tü­ren. Denn das Mu­sik­fest ist kein rei­ner Show-Event zu Karls­ru­hes Stadt­ge­burts­tag. Bei di­ver­sen Wer­tungs­spie­len in der Stadt­hal­le oder Karls­ru­her Gym­na­si­en kon­kur­rier­ten 53 Orches­ter un­ter­ein­an­der – ob sie um den Auf­stieg in die „Bun­des­li­ga“spie­len oder sich in der Ba­den-Würt­tem­ber­gi­schen „Ober­li­ga“be­fin­den. Beim höchst­ran­gi­gen Wett­be­werb do­mi­nier­ten die ehr­gei­zi­gen schwä­bi­schen Ver­ei­ne ganz klar. Ei­ne Stu­fe tie­fer mi­sche schon der Mu­sik­ver­ein Edel­weiß Pfaf­fen­rot un­ter Mar­kus Mau­de­rer mit. Über­haupt wa­gen sich im Blas­mu­sik­ver­band Karls­ru­he (für Stadt- und Land­kreis) zahl­rei­che der 107 Mu­sik­ver­ei­ne an die schwie­rigs­ten Stü­cke. Von 8 000 ak­ti­ven Blä­sern in der Re­gi­on sind 4 500 un­ter 27 Jah­re alt. Nach­wuchs­sor­gen kennt die mo­der­ne Blas­mu­sik in ganz Mit­tel­ba­den kaum. Und das ob­wohl die jun­gen Trom­pe­te­rin­nen, Schlag­zeu­ger oder Sa­xo­fo­nis­ten viel pro­ben müs­sen – und da­bei der kon­zen­tra­ti­ons­stö­ren­de stän­di­ge Blick aufs Smart­pho­ne ab­so­lut ver­pönt ist. Der Prä­si­dent des Karls­ru­her Ver­ban­des, der Dax­lan­der Micha­el We­ber, war ges­tern glück­lich, dass der or­ga­ni­sa­to­ri­sche Kraft­akt für be­reits für zwei Ta­ge stim­mungs­vol­len Blä­ser­treff ge­sorgt hat­te. Das Lan­des­mu­sik­fest brach­te re­gel­rech­te Pro­zes­sio­nen von ro­ten, blau­en oder grü­nen uni­for­mier­ten Mu­si­kern zwi­schen Fest­platz und Schloss. In der Schwarz­wald­hal­le fan­den die über 10 000 Mu­sik­gäs­te in Karls­ru­he den zen­tra­len Treff­punkt mit viel Platz für ein Päu­schen und Aus­tausch der Ex­per­ten. Na­tür­lich in­klu­si­ve Kon­zert­spe­zia­li­tä­ten. Hier hat­ten das Karls­ru­her „Alp­hor­n­en­sem­ble Sen­ner Jazz“, das Ju­gend­or­ches­ter der Stadt oder die Big Band aus Wol­farts­wei­er ih­re um­ju­bel­ten Auf­trit­te. Et­was ru­hi­ger ging es rund um das Schloss zu. Aber Fla­neu­ren wie die vie­len Men­schen auf den Ra­sen­flä­chen wur­de von über­haupt nicht ver­staub­ter, son­dern höchst ent­span­nen­der Blas­mu­sik in bes­te Wo­che­n­end­stim­mung ver­setzt. Mehr über das Lan­des­mu­sik­fest le­sen Sie mor­gen in den BNN.

Der Mu­sik­ver­ein Blan­ken­loch trug ges­tern sei­nen Teil zum Lan­des­mu­sik­fest bei. Er hat­te vor dem Fest­pa­vil­lon für den 300. Stadt­ge­burts­tag am Karls­ru­her Schloss sei­nen Auf­tritt. Heu­te geht es mit den Frei­luft-Kon­zer­ten mun­ter wei­ter. Foto: jo­do

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