Nicht oh­ne mei­nen Job

Vie­le Stu­die­ren­de möch­ten ih­rer Fa­mi­lie nicht all­zu sehr auf der Ta­sche lie­gen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Me­la­nie Nees

Mie­te, Strom, Essen, Klei­dung, und, und, und – da kommt so ei­ni­ges an Kos­ten zu­sam­men, de­nen erst ein­mal kei­ne Ein­nah­men ge­gen­über­ste­hen. Wol­len Stu­die­ren­de ih­ren El­tern nicht mehr oder zu­min­dest nicht all­zu sehr auf der Ta­sche lie­gen, kom­men sie nicht um­hin, sich ei­nen Job zu su­chen. Der aber muss ne­ben Uni-Kur­sen, Haus­ar­bei­ten, Re­fe­ra­ten und Ler­nen auch noch ge­ma­nagt wer­den. Die Karls­ru­her Stu­den­ten Nat­ha­lie, Mar­vin und Va­nes­sa ha­ben für sich ei­nen Weg ge­fun­den, dies in Ein­klang zu brin­gen. Ei­ne Prü­fung zu ei­ner Zeit, zu der der Ar­beit­ge­ber fest mit ei­nem rech­net? Ei­ne Schicht, wäh­rend man ei­gent­lich in ei­ner Pflicht­ver­an­stal­tung sit­zen soll­te? Das kann Mar­vin nicht pas­sie­ren. „Die Uni steht klar an ers­ter Stel­le; Job und Stu­di­um kom­men sich aber zeit­lich so­wie­so nie in die Que­re. Ich ar­bei­te im­mer abends“, so Mar­vin. Er hilft ne­ben sei­nem Ar­chi­tek­tur-Stu­di­um an der Hoch­schu­le Karls­ru­he ein-, zwei­mal die Wo­che für drei bis vier St­un­den in ei­nem Re­stau­rant aus. Wäh­rend an­de­re sich ei­nen ge­müt­li­chen Fei­er­abend vor dem Fern­se­her gön­nen oder mit Freun­den in ei­ner Bar sit­zen, hilft Mar­vin in der Re­stau­rant­kü­che beim An­rich­ten, er nimmt an der The­ke Be­stel­lun­gen auf oder er mixt Ge­trän­ke. Steht ein wich­ti­ger Ab­ga­be­ter­min an, kann er auch mal ei­ne Wo­che aus­set­zen. „Ich muss den Job nicht ma­chen, aber oh­ne wä­re schon et­was mehr Spar­sam­keit an­ge­sagt“, re­sü­miert er. Nat­ha­lie hat ei­nen Ne­ben­job ge­fun­den, der ihr ne­ben Geld auch wert­vol­le Pra­xis­er­fah­rung zu ih­rem Stu­di­en­fach ein- bringt. Sie stu­diert „Päd­ago­gik der Kind­heit“an der PH in Karls­ru­he und ar­bei­tet ne­ben­bei als Haus­auf­ga­ben­be­treue­rin an ei­ner Ganz­tags-Grund­schu­le in Schif­fer­stadt. Das kommt ihr vi­el­leicht schon bald zu­gu­te: „Im Som­mer bin ich mit dem Ba­che­lor fer­tig. Da­nach möch­te ich ent­we­der noch ei­nen Mas­ter ma­chen oder im Grund­schul­be­reich ar­bei­ten“, er­zählt Nat­ha­lie. Di­rekt nach dem Abi hat es sie in die­sen Be­reich ver­schla­gen, sie mach­te ein Frei­wil­li­ges So­zia­les Jahr an eben der Grund­schu­le, bei der sie nun ein­mal in der Wo­che nach­mit­tags jobbt. Auch sie hat ei­nen Weg ge­fun­den, dass Stu­di­um und Job nicht in Kon­flikt ge­ra­ten. „Ich ha­be seit dem ers­ten Se­mes­ter min­des­tens ei­nen Tag die Wo­che kei­ne Ver­an­stal­tun­gen in der PH. Den nut­ze ich dann zum Ar­bei­ten. Da ich den Schul­rek­tor schon län­ger ken­ne, lässt sich das im­mer so ein­rich­ten“, sagt die Stu­den­tin. In der vor­le­sungs­frei­en Zeit ar­bei­tet sie zu­sätz­lich als Krank­heits- ver­tre­tung für die Lei­tung von Ar­beits­grup­pen, et­wa der Na­tur­de­tek­ti­ve- oder Ex­pe­ri­men­tier-AG – das passt zu ih­ren Stu­di­en-Schwer­punk­ten Na­tur­wis­sen­schaft und Ma­the­ma­tik. Ne­ben der Pra­xis­er­fah­rung spie­len die 15 Eu­ro St­un­den­lohn, die ihr die­se Tä­tig­keit ein­bringt, na­tür­lich eben­falls ei­ne Rol­le. „Ich bin zwar nicht ge­zwun­gen, den Ne­ben­job aus­zu­üben, möch­te aber mei­ne El­tern ent­las­ten und das Stu­di­um mit­fi­nan­zie­ren“, sagt Nat­ha­lie da­zu. So viel wie mög­lich zu ih­rem Le­bens­un­ter­halt bei­steu­ern will Va­nes­sa. Sie ist 33, stu­diert Päd­ago­gik am Karls­ru­her In­sti­tut für Tech­no­lo­gie (KIT) und wohnt mit ih­rem Mann zu­sam­men. „Ich möch­te nicht im­mer mei­nem Mann auf der Ta­sche lie­gen und tra­ge mit mei­nem Ne­ben­job sehr gut et­was zu un­se­rem Le- bens­un­ter­halt bei, so dass wir uns auch mal leis­ten kön­nen, Essen zu ge­hen oder ins Kino“, meint Va­nes­sa. Sie ar­bei­tet im Se­kre­ta­ri­at ei­nes Mak­ler­un­ter­neh­mes – und zwar stol­ze 22 St­un­den pro Wo­che. Da sie be­reits ei­nen Teil des Päd­ago­gik-Stu­di­ums in Os­na­brück ab­sol­viert hat, muss sie et­was we­ni­ger Kur­se be­le­gen als ih­re Kom­mi­li­to­nen, so dass die Uni rund 15 St­un­den pro Wo­che in An­spruch nimmt. „Am An­fang war mein Ar­beit­ge­ber ziem­lich skep­tisch, ob sich bei­des ver­ein­ba­ren lässt“, er­in­nert sich Va­nes­sa. Doch dank fle­xi­bler Ar­beits­zei­ten wa­ren die­se Sor­gen un­be­grün­det. Auch ihr bie­tet der Ne­ben­job ei­ne Zu­kunfts­per­spek­ti­ve: „Falls in die­sem Un­ter­neh­men ei­ne Stel­le im Be­reich Per­so­nal­ent­wick­lung frei wird, kann ich mir gut vor­stel­len, nach dem Stu­di­um dort wei­ter zu ar­bei­ten.“

„Die Uni steht klar an ers­ter Stel­le“ Ei­ne Per­spek­ti­ve für die Zu­kunft

Wert­vol­le Pra­xis­er­fah­rung: Nat­ha­lie stu­diert an der Päd­ago­gi­schen Hoch­schu­le in Karls­ru­he und jobbt an ei­ner Ganz­tags-Grund­schu­le in Schif­fer­stadt als Haus­auf­ga­ben­be­treue­rin. Foto: pr

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