Der Mix macht’s

Nach dem Mot­to „Black is be­au­ti­ful“mi­schen Afri­ka­ner die Mo­de­welt auf

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Mode & Stil - Si­nik­ka Tarvainen

Fast eu­ro­pä­isch se­hen sie aus – die grau­en und beige­far­be­nen Klei­der in Da­vid Tla­les Mo­de-Ate­lier. Doch klei­ne De­tails wie viel­far­bi­ge Säu­me und Tier­mus­ter spie­len auf ei­nen Eth­no-Look an – da ist bei­spiels­wei­se die­ses schwar­ze Netz-Abend­kleid mit dem Tail­len­band aus schwarz-wei­ßem Kuh­fell. Mit sei­nem Mix west­li­cher und afri­ka­ni­scher Ein­flüs­se hat sich Tla­le in­zwi­schen zu ei­nem der Top­de­si­gner Afri­kas ent­wi­ckelt. Oft wird Da­vid Tla­le schon im sel­ben Atem­zug ge­nannt wie der Ni­ge­ria­ner Du­ro Olo­wu, der für Mi­chel­le Oba­ma ar­bei­tet, oder der mit dem bri­ti­schen Ver­dienst­or­den aus­ge­zeich­ne­te Gha­na­er Oz­wald Boateng. Da­bei hat­te der Sohn ei­ner al­lein­er­zie­hen­den Hau­s­an­ge­stell­ten, der un­ter dem Apart­heid-Re­gime in Süd­afri­ka auf­wuchs, zu­nächst we­nig mit der Glit­zer­welt der Mo­de zu tun. „Ich hat­te ei­nen On­kel, der Tech­ni­ker war und je­den Tag ei­nen Drei­tei­ler trug. Der hat mich be­ein­druckt“, sagt der 40-jäh­ri­ge Tla­le, der in sei­nem weiß ge­tünch­ten Stu­dio im Jo­han­nes­bur­ger Sze­ne-Vier­tel Mabo­neng sitzt. Schon als Zehn­jäh­ri­ger lieb­te der Mo­de­ma­cher schril­le Out­fits und näh­te Klei­der für die Bar­bie-Pup­pe sei­ner Schwes­ter. Spä­ter stu­dier­te er De­sign. Tla­les Fir­ma hat heu­te 25 Mit­ar­bei­ter und zwei Bou­ti­quen in schi­cken Vier­teln von Jo­han­nes­burg und Kap­stadt. Sein Be­trieb be­lie­fert zu­dem zwei wei­te­re Bou­ti­quen in Süd­afri­ka. „Die glo­ba­le Mo­de­welt hat Lust auf et­was Neu­es, und ich glau­be fest dar­an, dass es aus Afri­ka kom­men wird“, sagt der De­si­gner. Bei der jüngs­ten Fa­shion Week in Jo­han­nes­burg be­kam das Pu­bli­kum ei­nen klei­nen Vor­ge­schmack: Ne­ben schlicht ge­schnit­te­nen schwar­zen Män­teln gab es un­ter an­de­rem groß­zü­gig ge­blüm­te Klei­der, Leo­par­den­fell­dru­cke oder von Star Wars in­spi­rier­te Krea­tio­nen. Un­ter dem Apart­heid-Re­gime, als schwar­ze Süd­afri­ka­ner mit dem Kampf um die Gleich­be­rech­ti­gung be­schäf­tigt wa­ren, galt Mo­de als Lu­xus. Fast al­le De­si­gner sei­en in die­sen Zei­ten weiß ge­we­sen, er­in­nert sich Tla­le. Nach dem En­de der Apart­heid 1994 sei dann auch die Krea­ti­vi­tät der Schwarz-Afri­ka­ner be­freit wor­den. Schwar­ze De­si­gner klei­de­ten so­gar wei­ße Kun­den in afri­ka­nisch be­ein­fluss­te Abend­gar­de­ro­be, er­klärt Tla­le. „Jah­re­lang wur­de Süd­afri­ka mit Nde­be­le-Per­len und Tier­mus­tern an­ge­prie­sen“, sagt der De­si­gner. Aber die Eth­no-Pha­se sei nun vor­bei. Es sei jetzt an der Zeit, glo­bal zu den­ken, meint Da­vid Tha­le. Afri­ka­ni­sche Ein­flüs­se äu­ßer­ten sich auch in „Far­ben, Sil­hou­et­ten und gu­ter Qua­li­tät“. Das tan­sa­ni­sche Top­mo­del Mil­len Ma­ge­se sieht das ge­nau­so. Auch ame­ri­ka­ni­sche und eu­ro­päi­sche De­si­gner ar­bei­te­ten in­zwi­schen mit afri­ka­ni­schen Stof­fen. „Al­le wol­len zu ei­ner gro­ßen Mo­de­ge­ne­ra­ti­on zu­sam­men­wach­sen“, sagt die 34-jäh­ri­ge ehe­ma­li­ge Miss Tan­sa­nia. Von der „De­mo­kra­ti­sie­rung“der Mo­de­welt pro­fi­tier­ten auch schwar­ze Mo­dels wie Iman oder Alek Wek. Das Mot­to heißt nun: „Black is be­au­ti­ful.“Die De­si­gn­re­vo­lu­ti­on wirkt sich bis­lang al­ler­dings kaum auf den Ar­beits­markt aus, er­läu­tert Eti­en­ne Vlok von der süd­afri­ka­ni­schen Tex­til­ar­bei­ter-Ge­werk­schaft SACTWU. Zwar be­schäf­ti­ge die Be­klei­dungs­in­dus­trie in Süd­afri­ka fast 100 000 Men­schen, aber auch sie lei­de un­ter bil­li­gen Im­por­ten aus Asi­en. Chi­ne­si­sche Tex­til­im­por­te nach Süd­ost­afri­ka sind nach An­ga­ben des Car­ne­gie-Tsin­g­huaFor­schungs­in­sti­tuts für Glo­bal­po­li­tik zwi­schen 2007 und 2011 um 62 Pro­zent ge­stie­gen. Laut SACTWU ha­ben Bil­lig­im­por­te in Afri­ka vie­le Ar­beits­plät­ze ge­kos­tet. Zu­dem ex­por­tiert Süd­afri­ka we­ni­ger als fünf Pro­zent sei­ner Tex­tilund Be­klei­dungs­pro­duk­ti­on. „Es gibt in der Mo­de­bran­che aber noch Luft für neue Ar­beits­plät­ze“, meint Ge­werk­schaf­ter Vlok. De­si­gner Tla­le trägt sei­nen Teil da­zu bei. „Frau­en auf der gan­zen Welt wol­len gut aus­se­hen“, sagt er. Da­bei sei es ih­nen egal, von wel­cher Kultur ih­re Klei­dung be­ein­flusst sei.

Je­ans und Leo­par­den­fell, Abend­klei­der und Nde­be­le-Per­len: Mit der Kom­bi­na­ti­on von west­li­chen und afri­ka­ni­schen Ein­flüs­sen er­obern schwar­ze De­si­gner aus Afri­ka wie Da­vid Tla­le die in­ter­na­tionae Mo­de­welt. Fotos: avs

Die ehe­ma­li­ge Miss Tan­sa­nia, Mil­len Ma­ge­se, prä­sen­tiert Mo­de von Da­vid Tla­le.

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