Das Wort zum Sonn­tag

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - von Mo­ni­ka Klop­pen­borg Di­plom-Theologin, Ett­lin­gen

Der Fei­er­tag Chris­ti Him­mel­fahrt hat vie­len Men­schen ein lan­ges frei­es Wo­che­n­en­de be­schert. Zeit für Aus­flü­ge, Fa­mi­li­en­fei­ern und Ähn­li­ches. Wur­de im Mit­tel­al­ter das Fest Chris­ti Him­mel­fahrt ganz plas­tisch ge­stal­tet, in dem ei­ne Chris­tus­fi­gur in das Kir­chen­ge­wöl­be hin­auf­ge­zo­gen wur­de, wäh­rend Blu­men und Hei­li­gen­bil­der hin­ab­reg­ne­te, so wis­sen wir heu­te oft kaum noch um des­sen Be­deu­tung. Ana­log zur Fas­ten­zeit in der sich Chris­ten 40 Ta­ge auf das Os­ter­fest vor­be­rei­ten, wird 40 Ta­ge nach Os­tern mit der Him­mel­fahrt Chris­ti die Nach­be­rei­tung des Os­ter­fes­tes, das Ver­ar­bei­ten des un­glaub­li­chen Er­eig­nis­ses der Au­fer­ste­hung Je­su ge­fei­ert. Wie auch im­mer wir dies be­grei­fen, es soll uns den Him­mel nä­her brin­gen. Da­zu ei­ne al­te chas­si­di­sche Ge­schich­te: „Ein Rab­bi bat Gott dar­um, Him­mel und Höl­le se­hen zu dür­fen. Und so wur­de er zu­erst in ei­nen gro­ßen Raum ge­führt, in des­sen Mit­te auf ei­nem Feu­er ein Topf mit ei­nem köst­li­chen Ge­richt stand. Rund­um sa­ßen Leu­te mit lan­gen Löf­feln und schöpf­ten al­le aus dem Topf. Aber die Leu­te sa­hen blass, ma­ger und elend aus. Denn die Stie­le ih­rer Löf­fel wa­ren so lang, dass sie das herr­li­che Essen nicht in den Mund brin­gen konn­ten. Es war die Höl­le. Dar­auf wur­de der Rab­bi in ei­nen zwei­ten Raum ge­führt, der ge­nau­so aus­sah wie der ers­te. Aber die Leu­te dar­in wa­ren al­le gut ge­nährt, ge­sund und glück­lich. Sie be­nutz­ten die lan­gen Löf­fel, um sich ge­gen­sei­tig die Le­cker­bis­sen zu ge­ben. Die­ser Raum war der Him­mel.“Him­mel und Höl­le lie­gen in die­ser Ge­schich­te nah bei­ein­an­der, den Un­ter­schied macht al­lein das Ver­hal­ten der Men­schen. Und was ist für Sie der Him­mel?

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