Im Kul­tur­fä­cher

Die Ba­di­sche Hei­mat zum Stadt­ge­burts­tag

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - An­net­te Bor­chardt-Wen­zel

Wel­chen Sinn soll man dem Karls­ru­her Stadt­ge­burts­tag ge­ben? Es sei wohl kein Zu­fall, dass das Ju­bi­lä­ums­lo­go „KA300“mit de­zen­ten grau­grü­nen Far­ben, aber we­der mit dem Karls­ru­her Rot-Gelb-Rot noch mit dem ba­di­schen Gelb-Rot-Gelb un­ter­legt ist, meint Paul-Lud­wig Wei­n­acht. Was dem Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler wei­ter auf­ge­fal­len ist: Dass im Text des Ge­samt­kon­zepts für „KA300“das Wort „ba­disch“nur ein ein­zi­ges Mal vor­kommt – beim The­ma „Le­bens­qua­li­tät“. Für die Iden­ti­tät der ehe­ma­li­gen Re­si­denz­stadt sei dies ent­schie­den zu we­nig, meint der Pro­fes­sor: „Das ba­di­sche Er­be ist ein Schatz, der vor den Bür­gern nicht ängst­lich ver­steckt wer­den muss.“Wei­n­achts Über­le­gun­gen kann man im Buch „Karls­ru­he – Auf­ge­fä­chert“, ei­ner Pu­bli­ka­ti­on der „Ba­di­schen Hei­mat“, nach­le­sen. Die Wah­rung ei­ner ge­schicht­lich in­for­mier­ten ba­di­schen Iden­ti­tät ge­hört zu den zen­tra­len An­lie­gen des über 100 Jah­re al­ten Ver­eins. Aspek­te und Per­spek­ti­ven der Kultur in Karls­ru­he ste­hen im Fo­kus des Ban­des zum Stadt­ge­burts­tag. Be­trach­tet wer­den vor­wie­gend staat­li­che und städ­ti­sche Ein­rich­tun­gen, wo­bei das Buch von we­ni­gen Aus­nah­men ab­ge­se­hen die „of­fi­zi­el­le“Sicht­wei­se pflegt: Die Autoren ge­hö­ren der von ih­nen je­weils be­schrie­be­nen In­sti­tu­ti­on an oder sind ihr eng ver­bun­den, in vie­len Fäl­len griff der Chef persönlich in die Tas­ten. Die Fah­ne der in Karls­ru­he reich­lich vor­han­de­nen pri­va­ten Trä­ger hin­ge­gen hält Kul­tur­amts­amts­lei­te­rin Su­san­ne Asche in ih­rem Auf­satz über das Kul­tur­le­ben hoch. Ei­ne in­ten­si­ve Be­trach­tung der pri­va­ten Trä­ger und der Krea­tiv­wirt­schaft „hät­te den Rah­men die­ser Pu­bli­ka­ti­on ge­sprengt“, merkt Her­aus­ge­ber Hein­rich Hauß an. „Soll­ten als wich­tig er­ach­te­te Ein­rich­tun­gen feh­len, so liegt das un­ter an­de­rem dar­an, dass ent­spre­chen­de Bei­trä­ge nicht ein­ge­gan­gen sind“, heißt es wei­ter – das scheint beim Ba­di­schen Lan­des­mu­se­um der Fall ge­we­sen zu sein. Der Band ver­mit­telt ei­ne recht ein­drück­li­che Vor­stel­lung vom Selbst­bild der be­schrie­be­nen In­sti­tu­tio­nen. Wei­te­re Auf­sät­ze be­fas­sen sich et­wa mit der Be­deu­tung der Bür­ger­ver­ei­ne oder dem Stadt­ge­burts­tags­pro­jekt „Gar­ten der Re­li­gio­nen“. Wie Karls­ru­he sich wei­ter­ent­wi­ckeln könn­te, zeigt Ober­bür­ger­meis­ter Frank Men­trup auf: Er hat zu­sam­men mit der Lei­te­rin des Am­tes für Stadt­ent­wick­lung ein Sze­na­rio „Die Stadt Karls­ru­he im Jahr 2030“ent­wor­fen. Und na­tür­lich war­tet auch die­ses Buch aus der Schrif­ten­rei­he der Ba­di­schen Hei­mat mit le­sens­wer­ten his­to­ri­schen Be­trach­tun­gen auf.

„Karls­ru­he – auf­ge­fä­chert. Aspek­te und Per­spek­ti­ven der Kultur in der Stadt“, her­aus­ge­ge­ben von Hein­rich Hauß. Schrif­ten­rei­he der Ba­di­schen Hei­mat Band 11, Rom­bach-Ver­lag, 320 Sei­ten, 32 Eu­ro.

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