„Vin­cent kann ein Gro­ßer wer­den“

SONN­TAG-Interview: Re­gi­na Hal­mich an­ge­tan von Box­ta­lent Fei­gen­butz

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport -

Sie hat das Frau­en­bo­xen sa­lon­fä­hig ge­macht. Re­gi­na Hal­mich, die zwölf Jah­re lang un­ge­schla­ge­ne Welt­meis­te­rin war, ehe sie 2007 von der Box­büh­ne ab­trat. Mitt­ler­wei­le ist die 38-Jäh­ri­ge als er­folg­rei­che Un­ter­neh­me­rin in viel­fäl­ti­ger Wei­se un­ter­wegs. DER SONN­TAG traf Hal­mich bei ei­nem ih­rer sel­te­nen Be­su­che in Karls­ru­he und un­ter­hielt sich mit ihr auch über das jun­ge Box­ta­lent Vin­cent Fei­gen­butz. Der 18-Jäh­ri­ge kommt wie sie aus dem „Bull­dog Gym“in Dax­lan­den. Frau Hal­mich, seit Ih­rem Rück­tritt vom ak­ti­ven Box­sport am 30. No­vem­ber 2007 ha­ben Sie sich kei­nes­wegs auf Ih­ren Lor­bee­ren aus­ge­ruht, son­dern ei­ne zwei­te Kar­rie­re ge­star­tet, die ähn­lich er­folg­reich ist, wie Ih­re Zeit im Box­ring. Sie hal­ten Vor­trä­ge, ma­chen Mo­ti­va­ti­ons­coa­ching, sind in di­ver­sen Fern­seh­sen­dun­gen zu Gast, en­ga­gie­ren sich für so­zia­le Zwe­cke. Zu­letzt wa­ren Sie auf Kreuz­fahrt zu­sam­men mit Sven Ott­ke. Was ha­ben Sie denn da ge­macht? Re­gi­na Hal­mich: Ers­tens lie­be ich es, vie­le ver­schie­de­ne Jobs und Un­ter­neh­mun­gen zu ma­chen. Ich kann aus mei­nen ei­ge­nen Er­fah­run­gen schöp­fen, denn ich weiß, wie viel Kraft, Mut und Aus­dau­er da­zu­ge­hört, um sei­ne Zie­le zu er­rei­chen. Da ge­hö­ren Er­fol­ge eben­so da­zu wie der Um­gang mit Rück­schlä­gen. Die­se Er­fah­run­gen ver­su­che ich wei­ter zu ge­ben und zu ver­mit­teln. Was die Kreuz­fahrt an­be­langt, wa­ren wir drei Wo­chen lang nach Bra­si­li­en und Flo­ri­da un­ter­wegs. Zu­sam­men mit Sven Ott­ke ha­be ich mit den Pas­sa­gie­ren ein Box­trai­ning ab­sol­viert, was die­sen und uns sehr viel Spaß ge­macht hat.

Zu­vor ha­ben Sie sich für den Play­boy aus­ge­zo­gen. Was hat Sie dar­an ge­reizt, die­se Fotos zu ma­chen? Hal­mich: Ich ha­be kei­ne Pro­ble­me mit Kör­per­lich­keit – wenn es denn äs­the­tisch ist. Und die Fotos sind sehr schön ge­wor­den. 2003 ha­be ich das ja schon ein­mal ge­macht. Ich hat­te ei­ne tol­le Fo­to­gra­fin und ich ha­be es nie be­reut. Jetzt, zwölf Jahr spä­ter, füh­le ich mich aber viel weib­li­cher. Und das soll­te auf den Fotos zum Aus­druck kom­men.

Un­ge­ach­tet Ih­res ver­mut­lich ziem­lich aus­ge­buch­ten Ter­min­ka­len­ders fin­den Sie zwi­schen­durch Zeit, nach Karls­ru­he zu­rück­zu­keh­ren. Wie wich­tig ist das Stück Hei­mat für Sie? Hal­mich: Sehr wich­tig. Hier sind mei­ne Wur­zeln. Hier hat al­les an­ge­fan­gen. Hier ist mei­ne Fa­mi­lie Zu­hau­se und vie­le Freun­de. Des­halb bin ich im­mer wie­der ger­ne hier.

Sie ha­ben das Frau­en­bo­xen sa­lon­fä­hig ge­macht und den Box­stand­ort Karls­ru­he in den Fo­kus ei­ner brei­ten Öf­fent­lich­keit ge­rückt. Jetzt gibt es mit Vin­cent Fei­gen­butz ei­nen Faust­kämp­fer, der eben­falls aus Ih­rem ehe­ma­li­gen Box-Gym in Dax­lan­den kommt und in Deutsch­land als ei­nes der größ­ten Box­ta­len­te ge­se­hen wird. Kann er ein Gro­ßer wer­den? Hal­mich: Ja, ich den­ke, dass er das kann. Er ist noch sehr jung und er hat das, was man braucht, wenn man er­folg­reich sein will: Ein un­er­schüt­ter­li­ches Selbst­ver­trau­en in sei­ne Fä­hig­kei­ten. Au­ßer­dem ist er ein Trai­nings­be­ses­se­ner. Ich traue es ihm zu, sei­ne Zie­le zu er­rei­chen.

In der deut­schen Box­sze­ne wird ein re­gel­rech­ter Hy­pe um ihn ge­macht. Vin­cent Fei­gen­butz for­dert mitt­ler­wei­le so­gar schon die Gro­ßen wie Abra­ham oder Stieg­litz her­aus. Ist dies nicht et­was zu forsch und un­ge­dul­dig? Hal­mich: Er ist ein fri­sches Ge­sicht in der Sze­ne und er hat ei­ne Un­be­küm­mert­heit, die den Leu­ten ge­fällt. Das sind na­tür­lich auch gu­te Vor­aus­set­zun­gen, um dem Bo­xen wie­der ei­nen Schub zu ge­ben. Und was heißt un­ge­dul­dig? Ich kann das gut nach­voll­zie­hen. Ich woll­te auch im­mer so schnell wie mög­lich ge­gen die Bes­ten an­tre­ten. Wenn er sich das zu­traut, und wenn sein Trai­ner, der Vin­cent ja ganz ge­nau kennt, sei­nem Schütz­ling das zu­traut – war­um soll er dann nicht jetzt schon ge­gen ei­nen der Eta­blier­ten kämp­fen? Si­cher hat er noch nicht die gro­ße Er­fah­rung, aber da­für ist er un­ver­braucht und sei­ne Schlag­kraft ist be­ein­dru­ckend. Spe­ku­liert wird, dass es mög­li­cher­wei­se ir­gend­wann im No­vem­ber zu ei­nem Welt­meis­ter­schafts­kampf von Vin­cent Fei­gen­butz ge­gen Ar­tur Abra­ham oder Ro­bert Stieg­litz kom­men könn­te. Und ein sol­ches Auf­ein­an­der­tref­fen soll­te dann in der Mes­se Karls­ru­he satt­fin­den. Hal­mich: Das wä­re na­tür­lich su­per. Ein WM-Kampf in Karls­ru­he mit ei­nem Karls­ru­her Bo­xer. Das wä­re nicht nur Wer­bung für den Box­sport, das wä­re auch Wer­bung für die Sport­stadt Karls­ru­he. Ich wür­de mich rie­sig freu­en, wenn ein sol­ches Er­eig­nis zu­stan­de kä­me ...

Box­trai­ning auf Kreuz­fahrt­schiff

... und Re­gi­na Hal­mich wä­re dann da­bei und wür­de Vin­cent die Dau­men drü­cken? Hal­mich: Aber das kön­nen Sie glau­ben. Das wür­de ich mir kei­nes­falls ent­ge­hen las­sen. Interview: Ha­rald Lin­der

Wich­ti­ges Stück Hei­mat: Ex-Box-Welt­meis­te­rin Re­gi­na Hal­mich ist viel un­ter­wegs. Vor Kur­zem war sie auf Kreuz­fahrt nach Bra­si­li­en und Flo­ri­da. Zu­sam­men mit Sven Ott­ke hat sie mit den Schiffs­pas­sa­gie­ren ein Box­trai­ning ab­sol­viert. Doch in Karls­ru­he, wo al­les be­gann, ist die 38-Jäh­ri­ge „im­mer wie­der ger­ne“. Foto: Däm­mer

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