Vie­le Blu­men­sträu­ße für Ka­ro­li­ne Lui­se

Aus­stel­lung der Kunst­hal­le Karls­ru­he wür­digt ei­ne „Meis­ter-Samm­le­rin“des 18. Jahr­hun­derts

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Tho­mas Liebs­cher

Sie ließ sich ei­nen News­let­ter aus Paris schi­cken. Al­le 14 Ta­ge traf das Schrei­ben in Karls­ru­he ein. Die Post per Kut­sche in­for­mier­te Ka­ro­li­ne Lui­se über neue Bü­cher, Thea­ter­stü­cke oder Aus­stel­lun­gen in der fran­zö­si­schen Haupt­stadt. Nicht zu ver­ges­sen et­was Klatsch und Tratsch so­wie se­riö­se Per­so­na­li­en. 25 Jah­re lang abon­nier­te die ba­di­sche Mark­grä­fin die Nach­rich­ten ih­rer Kor­re­spon­den­ten in fran­zö­si­scher Spra­che – von 1757 bis 1783. Die 600 Brie­fe sind in sie­ben Bü­chern do­ku­men­tiert, ein Schrei­ben ist nach­zu­le­sen in der Aus­stel­lung „Die Meis­tersamm­le­rin“der Kunst­hal­le Karls­ru­he. Die gro­ße Lan­des­aus­stel­lung lenkt nicht nur den Blick auf von Ka­ro­li­ne Lui­se vor rund 250 Jah­ren er­wor­be­nen 160 Ge­mäl­de. An­hand von 300 wei­te­ren Ex- po­na­ten, dar­un­ter Mö­bel Por­zel­lan und na­tur­wis­sen­schaft­li­che Ob­jek­te, kommt der Wis­sens­durst und der Kunst­ge­schmack der selbst­be­wuss­ten Herr­scher­frau zur Gel­tung. Wie die Samm­le­rin mit ih­ren Be­ra­tern oder Agen­ten um­ge­gan­gen sein könn­te, wird in ei­nem Film mit Schat­ten­fi­gu­ren vor­ge­spielt und ge­spro­chen. Die Be­su­cher der Kunst­hal­le er­war­tet al­so dies­mal nicht nur der Gang durch Bil­der­schät­ze, meist in klei­nem For­mat, son­dern mehr Ins­ze­nie­rung. Da­mit soll das Le­ben der am ziem­lich ver­arm­ten Hof von Hes­sen-Darm­stadt auf­ge­wach­se­nen Frau na­he­ge­bracht wer­den. Ka­ro­li­ne Lui­se ge­noss ei­nen um­fas­sen­den Pri­vat­un­ter­richt und künst­le­ri­sche Schu­lung durch den Gen­fer Pa­s­tell­ma­ler Je­anE­ti­en­ne Lio­tard. Er schuf auch das viel ver­wen­de­te Por­trait der Prin­zes­sin an der Staf­fe­lei. Schon in ih­rer Ju­gend wur­de sie we­gen ih­rer Bil­dung als „hes­si­sche Minerva“ge­rühmt. Im Al­ter von 28 hei­ra­te­te sie den ba­di­schen Mark­gra­fen Karl Fried­rich. Im Karls­ru­her Schloss ver­fei­ner­te sie die ei­ge­ne Ma­l­aus­bil­dung, in­dem sie aus der Mann­hei­mer Ga­le­rie der Pfalz- gra­fen Ge­mäl­de aus­lieh und ko­pier­te. Rasch ent­wi­ckel­te sich die Kunst­lieb­ha­be­rin zur Ken­ne­rin und Samm­le­rin. Ihr Da­men­pro­gramm war rein pri­va­ter Na­tur und wur­de auch von ihr be­zahlt. Die Ge­mäl­de dien­ten kei­nem po­li­ti­schen Zweck. Die Mark­grä­fin konn­te sich mit His­to­ri­en­ge­mäl­den oder Por­traits we­ni­ger an­freun­den. Sie be­vor­zug­te die „nie­de­ren“Gat­tun­gen Gen­re, Still­le­ben und Land­schaft von nie­der­län­di­schen und fran­zö­si­schen Ma­lern für ih­re Schatz­kam­mer. Weil die sich in klei­nen Räu­men gleich un­term Dach des Karls­ru­her Schlos­ses be­fan­den, war auch nicht viel Platz für die Ge­mäl­de. Die his­to­ri­sche dich­te Hän­gung der Bil­der wird jetzt in ei­nem Raum der Kunst­hal­le in­sze­niert. Ei­ne reiz­vol­le Sache, die die­ser Gro­ßen Lan­des­aus­stel­lung ein ganz­an­de­res Ge­prä­ge gibt und die Be­su­cher den Hals re­cken lässt. Weil Ka­ro­li­ne Lui­se das klei­ne For­mat be­vor­zug­te, ver­kauf­te sie ein gro­ßes Ge­mäl­de, das nach vie­len Sta­tio­nen heu­te in der Na­tio­nal Gal­le­ry von Washington hängt. Für „Die Meis­tersamm­le­rin“kehrt An­to­nin van Dyk Bild­nis der zwei­ten Frau von Pe­ter Paul Ru­bens raum­do­mi­nie­rend nach Karls­ru­he zu­rück. Im sel­ben Saal, den Kunst­hal­len-Di­rek­to­rin Pia Mül­ler als „Herz­kam­mer“der Aus­stel­lung be­zeich­net, sind ei­ni­ge Blu­men­Still­le­ben zu ent­de­cken. Die Mark­grä­fin muss Blu­men­mo­ti­ve sehr gern ge­habt ha­ben, den zahl­rei­che feins­tens ge­mal­te Blu­men­sträu­ße, auch aus weib­li­cher Hand, fin­den sich in ih­rem, „Mah­le­rey­Ca­bi­net“. Was Ka­ro­li­ne Lui­se vor al­lem in dem Jah­ren des Sie­ben­jäh­ri­gen Kriegs mit nied­ri­gen Kunst­prei­sen zu­sam­men­trug und teil­wei­se mit pracht­vol­len Rah­men ver­se­hen ließ, bil­de­te die Grund­la­ge der heu­ti­gen re­nom­mier­ten Karls­ru­her Ge­mäl­de­samm­lung in der Staat­li­chen Kunst­hal­le. Ein Selbst­bild­nis Rem­brandts ist dar­un­ter, das die Samm­le­rin eher zu­fäl­lig be­son­ders güns­tig ein­kauf­te, weil die ge­wünsch­ten Bil­der des Ma­lers zu teu­er wa­ren. Sol­che Ge­schich­ten hin­ter den so viel­fäl­ti­gen Ge­mäl­den lässt Ku­ra­tor Hol­ger Ja­cob-Frie­sen auch auch in den Saal­tex­ten im­mer wie­der auf­schei­nen. Der Ge­nuss am Schau­en wird so aufs un­ter­halt­sams­te er­gänzt.

Ba­di­sche Mark­grä­fin kauf­te Ge­mäl­de pri­vat Land­schaf­ten und Still­le­ben be­vor­zugt

In der Staat­li­chen Kunst­hal­le Karls­ru­he wird das Werk „Mark­grä­fin Ka­ro­li­ne Lui­se mit ih­ren bei­den äl­tes­ten Söh­nen“von Jo­seph Mel­ling aus dem Jahr 1757 prä­sen­tiert. Es ist Teil der Gro­ßen Lan­des­aus­stel­lung „Die Meis­ter-Samm­le­rin. Ka­ro­li­ne Lui­se von Ba­den“die bis zum 6. Sep­tem­ber ge­zeigt wird. Foto: Ar­tis

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