„Am An­fang spiel­te ich bei den Jungs“

Die ehe­ma­li­ge Fuß­bal­le­rin Nia Kün­zer be­rich­tet dem­nächst aus Ka­na­da von der Frau­en-WM

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sonntagskinder -

Im­mer mehr Mäd­chen und Frau­en lie­ben Fuß­ball. Da­bei kön­nen sie nicht nur das „Ab­seits“er­klä­ren, son­dern ste­hen im­mer häu­fi­ger auch selbst auf dem Platz. Ak­tu­ell freu­en wir uns auf die Frau­en­fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft in Ka­na­da, die am 6. Ju­ni an­ge­pfif­fen wird. Pas­send da­zu lau­fen schon jetzt die Fortu­na Girls auf den Platz. Nia Kün­zer, ehe­ma­li­ge Na­tio­nal­spie­le­rin, und TV-Fuß­ball-Ex­per­tin der WM, und TV-Sport-Ex­per­te Pe­ter Groß­mann ha­ben zu­sam­men ei­ne Buch­rei­he über ei­ne star­ke Mäd­chen­fuß­bal­lMann­schaft ge­schrie­ben und er­zäh­len im Interview, wor­um es in den Bü­chern geht und wie sich der Frau­en­fuß­ball in den letz­ten Jah­ren ent­wi­ckelt hat.

Die Ge­schich­te han­delt von Fe­li­ci­tas, ei­nem fuß­ball­be­geis­ter­ten Mäd­chen, das „Mes­si“ge­nannt wird. Sie zieht mit ih­ren El­tern in ei­ne neue Stadt, in der es lei­der kei­nen Mäd­chen­fuß­ball­Ver­ein gibt. Da stellt Mes­si nach an­fäng­li­chen Schwie­rig­kei­ten ein ei­ge­nes Team zu­sam­men. Sie ent­wi­ckelt sich da­bei ge­nau wie al­le an­de­ren Mäd­chen: Sie er­lebt Freu­de, Ent­täu­schun­gen und muss sich im­mer wie­der neu be­wei­sen – im Fuß­ball, aber auch in der Fa­mi­lie und in der Schu­le. Es geht al­so um mehr als nur um Sport.

So­wohl, als auch . . . Die Ge­schich­ten bie­ten für al­le et­was – für Fuß­ball-Fans und auch für die Mäd­chen, die Ge­schich­ten rund um Freund­schaf­ten lie­ben.

Nein, nicht wirk­lich. Als ehe­ma­li­ge Spie­le­rin schaue ich na­tür­lich nach den Er­geb­nis­sen des FFC Frank­furt und der Frau­en­Bun­des­li­ga. Im Män­ner­fuß­ball lie­gen mei­ne Sym­pa­thi­en als Hes­sin bei Ein­tracht Frank­furt.

Okay ich ge­be es zu: Das al­les ist nicht zu­fäl­lig! Ge­nau­so wie die vie­len klei­nen Din­ge, die ich sel­ber auch mit mei­nen Töch­tern er­lebt ha­be. Ein paar Par­al­le­len zum Le­ben der Groß­manns kann man in den Bü­chern schon fin­den.

Ehr­lich gesagt, sehr sel­ten be­zie­hungs­wei­se gar nicht. Zum ei­nen fehlt mir mo­men­tan die Zeit und zum an­de­ren lässt mei­ne Fit­ness zu wün­schen üb­rig. Ins­be­son­de­re für mein Knie müss­te ich mehr Kraft­trai­ning ma­chen, be­vor ich wie­der Fuß­ball spie­le. An­sons­ten ris­kie­re ich Ver­let­zun­gen. Ger­ne wür­de ich in nächs­ter Zeit wie­der mehr Sport ma­chen!

Ganz ehr­lich: Ich ha­be letzt­mals vor drei Jah­ren ge­spielt. In der Bas­tei Lüb­be-Fuß­ball­mann­schaft. Seit­her war ich ab­sti­nent. Al­te Män­ner müs­sen vor­sich­tig sein, denn zu viel Ehr­geiz führt schnell zu Ver­let­zun­gen.

In den letz­ten Jah­ren hat sich der Frau­en­fuß­ball stark ent­wi­ckelt. Die Auf­merk­sam­keit ist viel grö­ßer ge­wor­den! Die Na­tio­nal­mann­schaft ist das Zug- pferd, die Län­der­spie­le wer­den in ARD und ZDF über­tra­gen und die Spie­le sind gut be­sucht. Die Frau­en­Bun­des­li­ga sorgt mit ei­ni­gen gu­ten Teams für Span­nung, und das Top-Spiel wird je­des Wo­che­n­en­de auf Eurosport über­tra­gen. Es ist in­zwi­schen auch nicht mehr au­ßer­ge­wöhn­lich, dass Mäd­chen Fuß­ball spie­len. Das war zu mei­ner Zeit noch ganz an­ders. Trotz der po­si­ti­ven Ent­wick­lung gibt es noch Zie­le für die Zu­kunft. Die Bun­des­li­ga hat noch Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al, und es muss noch mehr Fuß­bal­l­an­ge­bo­te für Mäd­chen ins­be­son­de­re mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund ge­ben. Dort schlum­mert ein gro­ßes Po­ten­zi­al.

Frau­en­fuß­ball ist in­zwi­schen bei den Mäd­chen an­ge­kom­men, und die Mä­dels sind selbst­be­wuss­ter ge­wor­den, des­halb wird es auch au­to­ma­tisch im­mer mehr Spie­le­rin­nen ge­ben.

Aber na­tür­lich! Ich wer­de die Dau­men drü­cken und be­son­ders ger­ne die Spie­le im TV schau­en. Denn die ARD ist mit der welt­bes­ten Ex­per­tin, Nia Kün­zer, vor Ort.

Zu mei­ner Ju­gend­zeit ha­ben nur we­ni­ge Mäd­chen Fuß­ball ge­spielt, so dass ich lan­ge in ei­ner Jun­gen­mann­schaft ge­spielt ha­be. Si­cher gab es ins­be­son­de­re bei den Geg­nern und auch El­tern Vor­ur­tei­le. Da ich aber ganz gut war, konn­te ich durch Leis­tung über­zeu­gen und ha­be ei­gent­lich kei­ne ne­ga­ti­ven Er­leb­nis­se aus mei­ner Kind­heit. Zu­min­dest nicht so, dass es mir in Er­in­ne­rung ge­blie­ben ist. Ich ha­be ein­fach in je­der frei­en Mi­nu­te das ge­tan, was mir am meis­ten Spaß ge­macht hat. Si­cher hat­te nicht je­der Leh­rer oder Do­zent an der Uni Ver­ständ­nis für den Leis­tungs­sport, aber auch die Hür­den ha­be ich ge­nom­men.

Mach dein Ding! Kon­zen­trier dich auf das, was dir Spaß macht, und ver­schwen­de kei­ne Ener­gie, in­dem du dich über an­de­re oder ir­gend­wel­che Kom­men­ta­re auf­regst.

Die deut­sche Frau­en-Na­tio­nal­mann­schaft ge­hört auch die­ses Jahr zum Fa­vo­ri­ten­kreis. Sie muss sich vor kei­ner Mann­schaft der Welt ver­ste­cken und kann an ei­nem gu­ten Tag je­den Geg­ner schla­gen. Je­doch ha­ben die USA, Frank­reich, Bra­si­li­en oder Schwe­den auch sehr gu­te Mann­schaf­ten. Zum ers­ten Mal wird ei­ne WM auf Kun­st­ra­sen ge­spielt, dies kann ein Vor­teil für die tech­nisch star­ken Mann­schaf­ten sein, zu de­nen ich auch un­ser deut­sches Team zäh­le.

Die WM 2011 war si­cher­lich der Hö­he­punkt, das „i-Tüp­fel­chen“der Ent­wick­lung der Jah­re zu­vor. Es war vor­her­seh­bar, dass die­ses ex­trem ho­he Ni­veau nicht ge­hal­ten wer­den kann. Trotz al­lem hat der Frau­en­fuß­ball ge­ra­de im Ver­gleich zu an­de­ren Frau­en­Mann­schafts­port­ar­ten ei­nen sehr ho­hen Stel­len­wert.

Die­ses Jahr spie­len zum ers­ten Mal 24 Mann­schaf­ten um den Ti­tel, so dass wir auch Neu­lin­ge wie Thai­land se­hen wer­den.

Das kann man nicht ver­glei­chen. Ich be­trach­te Män­ner- und Frau­en­fuß­ball je­weils für sich und ha­be gro­ßen Spaß an bei­den Sport­ar­ten.

Rich­tet sich die Ge­schich­te an Fuß­ball spie­len­de Mäd­chen oder wol­len Sie auch Ball­muf­fel für den Sport be­geis­tern? Fe­li­ci­tas ist ein gro­ßer Fan von Bo­rus­sia Dort­mund, ist das auch Ih­re Lieb­lings­mann­schaft? Frau Kün­zer, Sie sind ehe­ma­li­ge Fuß­bal­lNa­tio­nal­spie­le­rin, Herr Groß­mann, Sie mo­de­rie­ren Fuß­ball­spie­le für die ARD. Sie sind bei­de fuß­ball­be­geis­tert – wie oft kom­men Sie in Ih­rer Frei­zeit noch da­zu, ei­ne Run­de zu ki­cken? Nia Kün­zer ist bei der WM wie­der die Ex­per­tin der ARD. Foto: HR/ Ben­ja­min

Kn­a­be Frau Kün­zer, Sie ha­ben lan­ge Zeit in der Na­tio­nal­mann­schaft ge­spielt, wa­ren sehr er­folg­reich in Frank­furt. Ha­ben Sie ähn­li­che Er­leb­nis­se in der Schu­le ge­habt wie Fe­li­ci­tas, die von den Jungs nicht

ernst ge­nom­men wird? Was ra­ten Sie jun­gen Mäd­chen, die sich we­gen ih­rer Fuß­ball-Lei­den­schaft spöt­ti­sche Kom­men­ta­re an­hö­ren müs­sen? Sie ha­ben mit der Na­tio­nal­mann­schaft 2003 den WM-Ti­tel ge­holt. Wie ste­hen die Chan­cen, dass die

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