Tren­di­ge Rol­ler: Mit dem Seg­way durch die Stadt

Rund­fahr­ten mit dem Seg­way wer­den im­mer be­lieb­ter / An­ge­bo­te von Hei­del­berg bis Bühl

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Wolf­gang We­ber

Beugt Euch nach vor­ne“, ruft Ri­car­da, als es ein biss­chen berg­auf geht. Fünf Leu­te le­gen sich schräg nach vor­ne und se­hen jetzt aus, als wä­ren sie Ski­sprin­ger, die ge­ra­de über ei­ne Schan­ze ge­sprun­gen sind. Al­le fünf ste­hen auf zwei­räd­ri­gen Fort­be­we­gungs­mit­teln, die den ei­gen­ar­ti­gen Na­men „Seg­way“tra­gen und noch im­mer so sel­ten sind, dass sie bei Spa­zier­gän­gern, Jog­gern oder Rad­fah­rern für über­rasch­te Bli­cke sor­gen. „Nach vor­ne beu­gen“be­deu­tet beim Seg­way-Fah­ren: Be­schleu­ni­gen. Und wer brem­sen will, der ver­la­gert das Ge­wicht nach hin­ten. Das klingt ganz ein­fach, ist aber für An­fän­ger durch­aus ge­wöh­nungs­be­dürf­tig. Zu Be­ginn der knapp drei­stün­di­gen Rund­fahrt mit Start in Knie­lin­gen hat Ri­car­da, ei­ne der zahl­rei­chen „Gui­des“des Karls­ru­her Un­ter­neh­mens „ci­ty­seg“, die Teil­neh­mer ein­ge­wie­sen. „Fahrt bloß nicht zu schnell“, sagt sie. „Und bleibt im­mer hin­ter mir. Wenn ich den Arm hoch­he­be, hal­tet bit­te an.“Im rich­ti­gen Le­ben ist Ri­car­da Fi­nanz­wir­tin. „Als ich selbst mal ei­ne Tour mit­ge­macht hat­te, war ich so be­geis­tert, dass ich mir so­fort ei­nen Seg­way kau­fen woll­te“, er­zählt sie. Als sie je­doch er­fuhr, dass die hoch­sen­si­blen Fahr­zeu­ge rund 9 500 Eu­ro kos­ten, ver­ab­schie­de­te sie sich vom ei­ge­nen Seg­way und wur­de statt­des­sen „Gui­de“. Mehr­mals wö­chent­lich lei­tet sie jetzt Tou­ren – mal auf ver­schie­de­nen Rou­ten durch Karls­ru­he, mal in der Süd­pfalz, durch die Ba­denBa­de­ner Wein­ber­ge oder in Hei­del­berg. „Es ist ein­fach toll, dort zum Schloss hoch­zu­kom­men, oh­ne dass man sich kör­per­lich an­stren­gen muss“, sagt sie. Der Chef von ci­ty­seg ist Jür­gen Reiss. Seit 15 Jah­ren führt er in Karls­ru­he ein Rei­se­bü­ro, die Seg­ways hat­te er einst in Barcelona ge­se­hen, als sie in Deutsch­land noch gar nicht für den Stra­ßen­ver­kehr zu­ge­las­sen wa­ren. „2009 wa­ren sie dann auch hier­zu­lan­de er­laubt, schon ein Jahr spä­ter bot ich ers­te Tou­ren in Karls­ru­he an.“In­zwi­schen gibt es in der Re­gi­on meh­re­re Mit­be­wer­ber, ei­nen in Karls­ru­he, drei so­gar in Hei­del­berg. Die Tat­sa­che, dass sich kaum je­mand ein so teu­res Spiel­zeug leis­ten kann, kommt den Tou­ren­an­bie­tern zu­gu­te. Wä­ren die Seg­ways we­sent­lich bil­li­ger, wür­den ver­mut­lich we­ni­ger Leu­te ei­ne Rund­fahrt bu­chen. Ei­ne der Rou­ten nennt sich „Karls­ru­he 3“und ist so schön, dass man aus dem Stau­nen gar nicht mehr her­aus­kommt. Knapp drei St­un­den lang be­wegt man sich fast aus­schließ­lich im Grü­nen – und das „mit­ten in Karls­ru­he“. Von Knie­lin­gen aus geht’s auf Rad­we­gen im­mer der Alb ent­lang. Man pas­siert Wäl­der, Wie­sen und Schre­ber­gär­ten, über­all zwit­schern die Vö­gel, das Bäch­lein rauscht – es ist fast schon kit­schig. Thors­ten, ei­ner der fünf Mit­fah­rer an die­sem Früh­lings­abend, bringt es auf den Punkt: „Das Fah­ren an sich ist schon toll, aber ge­nau so schön war es, vie­le Fle­cken von Karls­ru­he ent­deckt zu ha­ben, die ich an­sons­ten nie ge­se­hen hät­te.“An­de­re Fä­cher­stadt-Tou­ren ge­hen durch die Karls­ru­her In­nen­stadt oder über die Rhein­brü­cke in Rich­tung Pfalz, al­le sind et­wa 15 bis 20 Ki­lo­me­ter lang. Und ir­gend­wie dann doch auch ein biss­chen an­stren­gend, „Sie ste­hen zwei St­un­den lang ru­hig auf ei­nem Fleck und be­we­gen sich trotz­dem fort“, sagt ci­ty­seg-Chef Jür­gen Reiss. Das stimmt. Kör­per­lich wird man in der Tat nicht all­zu sehr ge­for­dert (wenn man mal von den ein­ge­schla­fe­nen Fü­ßen ab­sieht), aber man muss zwei oder drei St­un­den lang hoch kon­zen­triert sein – das kos­tet auch Kräf­te, macht gleich­wohl aber ei­nen Rie­sen­spaß! Das Tol­le am Seg­way: Man kann ei­gent­lich wirk­lich nicht run­ter­fal­len. Egal, ob es rauf oder run­ter geht, ob es kur­vig ist oder ker­zen­ge­ra­de – so­lan­ge man ru­hig bleibt und nicht über­re­agiert, ist das Seg­way ein treu­er und zu­ver­läs­si­ger Part­ner. Man darf nur ei­nen Feh­ler nie­mals ma­chen: Mit ei­nem Fuß die Stra­ße be­rüh­ren. Max, der Se­ni­or der Grup­pe, hat aber ge­nau das ge­tan. Kurz nach dem Start in Knie­lin­gen woll­te er „si­cher­heits­hal­ber“ei­nen Fuß von der Platt­form neh­men, weil er sich ir­gend­wie nicht zu­trau­te, ei­nen Rand­stein hin­un­ter­zu­fah­ren und gleich­zei­tig nach links ab­zu­bie­gen. Das mag das Seg­way gar nicht, denn es bleibt nicht ein­fach ru­hig ste­hen wie ein Fahr­rad, son­dern ent­wi­ckelt ein Ei­gen­le­ben und dreht sich um die ei­ge­ne Ach­se. Pas­siert ist nichts. Nach ei­ner Se­kun­de war Ri­car­da zur Stel­le, half dem ver­dutz­ten Max wie­der auf sein Ge­rät und rief fröhlich: „Wei­ter geht’s“.

Ein neu­er Seg­way kos­tet rund 9 500 Eu­ro Ei­gent­lich kann man nicht run­ter­fal­len . . .

Ei­ne Fahrt mit den laut­lo­sen Elek­tro-Flit­zern vors Karls­ru­her Schloss ist fes­ter Be­stand­teil der Seg­way-Tou­ren. In­zwi­schen gibt es in der Re­gi­on zwi­schen Hei­del­berg und Bühl im­mer mehr An­ge­bo­te. Fotos: Ar­tis

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