Er war Win­ne­tou

„Mei­ne ewi­gen Jagd­grün­de lie­gen in Deutsch­land“

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - Gerd Roth

Karl May schrieb für Win­ne­tous letz­te Wor­te ein christ­li­ches Be­kennt­nis. In Er­in­ne­rung blieb der von Pier­re Bri­ce ge­spiel­te In­dia­ner je­doch mit sei­nem schmerz­vol­len Weg in die heid­ni­schen „ewi­gen Jagd­grün­de“. Für Mil­lio­nen von West­deut­schen war die Rol­le des Apa­chen-Häupt­lings iden­tisch mit dem fran­zö­si­schen Schau­spie­ler. Pier­re Bri­ce ist ges­tern in der Nä­he von Paris ge­stor­ben. In sei­nem Hei­mat­land war Bri­ce für man­che Me­di­en der „be­rühm­te Unbekannte des fran­zö­si­schen Ki­nos“. Sei­ne Kar­rie­re be­gann in den 1950er Jah­ren mit klei­nen Rol­len für Film und Theater. Der spa­ni­sche Film „Los Atra­ca­do­res“brach­te ihn 1962 zur Ber­li­na­le nach Berlin. Im Pu­bli­kum: Horst Wend­landt. Der deut­sche Pro­du­zent hat­te für die Ver­fil­mung von Mays „Schatz im Sil­ber­see“be­reits ei­ne Zu­sa­ge von Ex-Tar­zan Lex Bar­ker für die Rol­le des Old Shat­ter­hand. Es fehl­te noch die Be­set­zung für den be­rühm­ten In­dia­ner. Wend­landt soll sich gleich si­cher ge­we­sen sein: „Das ist mein Win­ne­tou.“Bri­ce hat­te zu die­sem Zeit­punkt noch nie Karl May ge­le­sen. Zu­rück­bli­ckend er­zähl­te der Schau­spie­ler in ei­nem Interview, er ha­be rund 80 Mal vor der Ka­me­ra ge­stan­den. Und doch: „Elf Fil­me da­von sind die wich­tigs­ten.“Es sind je­ne Wend­landt-Pro­duk­tio­nen, die ihn als Win­ne­tou auf Hengst „Ilt­schi“durch die Grasstep­pe Kroa­ti­ens rei­ten lie­ßen. Un­ter­malt war die In­dia­ner-Ro­man­tik von hoch emo­tio­na­len Orches­ter­stü­cken Mar­tin Bött­chers, die bis heu­te bei Karl-May-Fest­spie­len für Be­geis­te­rung sor­gen und vor al­lem an Pier­re Bri­ce den­ken las­sen. Vor ei­ni­gen Jah­ren spe­ku­lier­te Pier­re Bri­ce über den Grund sei­nes Er­fol­ges aus­ge­rech­net in der Bun­des­re­pu­blik: Die Deut­schen hät­ten sich nach dem Krieg wohl nach Ro­man­tik und Wer­ten ge­sehnt, mein­te er. Da­für stün­den Win­ne­tou und die Kar­lMay-Fil­me. Zwei Mil­lio­nen Zu­schau­er lie­ßen sich al­lein für den „Schatz im Sil­ber­see“in ei­nen ima­gi­nä­ren Wil­den Wes­ten ent­füh­ren. Den Tod Win­ne­tous – in den Ar­men von Lex Bar­ker – quit­tier­ten die Fans 1965 dann auch mit Pro­test­stür- men. Der In­dia­ner durf­te bis 1968 auf die Lein­wand zu­rück­keh­ren. „Mei­ne ewi­gen Jagd­grün­de lie­gen in Deutsch­land“, sag­te Pri­ce ein­mal. Und ließ sich für sei­nen Le­bens­abend als Al­ter­na­ti­ve zu sei­nem Jagd­schloss bei Paris ei­ne Vil­la in Gar­misch-Par­ten­kir­chen bau­en. Laut Karl May ist der Apa­chen­Häupt­ling 1874 im Al­ter von 34 Jah­ren er­schos­sen wur­den. Der für vie­le Deut­sche wah­re Win­ne­tou Pier­re Bri­ce wur­de 86 Jah­re alt. Er starb in den Ar­men sei­ner Ehe­frau Hel­la.

Foto: avs

Für die al­te Bun­des­re­pu­blik gab es nur ei­nen wah­ren Win­ne­tou: Pier­re Bri­ce. Der fran­zö­si­sche Schau­spie­ler ist ges­tern im Al­ter von 86 Jah­ren in der Nä­he von Paris ge­stor­ben.

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