Öl-Rausch in der Schön­heits­pfle­ge

Sie wer­den als Wun­der­mit­tel für zar­te Haut und wei­ches Haar ge­han­delt: Was Be­au­ty-Öle wirk­lich kön­nen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Mode & Stil -

Be­au­ty-Öle wer­den als das Wun­der­mit­tel ge­gen tro­cke­ne Haut und Haa­re ge­han­delt. Aber sind sie es tat­säch­lich? Und: Was ist dran an die­sem Öl-Rausch? Zu­nächst ein­mal: Öle in der Schön­heits­pfle­ge sind kei­ne brand­neue Er­fin­dung. Sie sind be­reits seit ge­rau­mer Zeit für die ge­wünsch­te Tex­tur von Cre­mes und Kör­per­lo­tio­nen ver­ant­wort­lich. Da­bei kom­men vor al­lem Pa­raf­fi­ne, Si­li­ko­ne und La­no­lin zu Ein­satz. Un­ter Pa­raf­fin­öl ver­steht man ver­schie­de­ne Stof­fe, die auf Erd­öl­ba­sis ge­won­nen wer­den. Si­li­ko­ne da­ge­gen sind syn­the­tisch her­ge­stell­te Öle, die vor al­lem aus der Haar­pfle­ge be­kannt sind. So­wohl die­se als auch Pa­raf­fi­ne wer­den mitt­ler­wei­le durch­aus kri­tisch be­trach­tet. Zum ei­nen, weil sie die Haut aus­trock­nen kön­nen. Zum an­de­ren, weil sie nicht ab­bau­bar und so­mit vom öko­lo­gi­schen Stand­punkt aus be­denk­lich sind. La­no­lin da­ge­gen wird aus der Wol­le von Scha­fen ge­won­nen. Die­ses Wachs spielt in der Kos­me­tik ei­ne Rol­le, weil es den Was­ser­haus­halt der Haut re­gu­liert. Ne­ben die­sen Klas­si­kern spie­len in der letz­ten Zeit auch pflanz­li­che Öle ei­ne gro­ße Rol­le. Die­ser Boom hat si­cher auch da­mit zu tun, dass die­se als be­son­ders na­tür­lich gel­ten – aber nicht nur: Dar­über hin­aus ha­ben die­se Pro­duk­te auch den Ruf, sehr haut­freund­lich zu sein, er­klärt der Haut­arzt Jörg Frän­ken aus Schwelm. „Der Ein­satz pflanz­li­cher Öle ist zu be­für­wor­ten, da sie mit dem Haut­auf­bau bes­ser har­mo­ni­sie­ren und so die Haut­bar­rie­re bes­ser schüt­zen be­zie­hungs­wei­se wie­der­auf­bau­en kön­nen.“Der Der­ma­to­lo­ge Vol­ker St­ein­kraus aus Ham­burg er­gänzt: „Die­se Öle ver­fü­gen idea­ler­wei­se über ei­nen ho­hen Ge­halt an un­ge­sät­tig­ten Fett­säu­ren wie Li­n­ol­säu­re.“Vie­le Be­au­ty-Öle wirk­ten stark rück­fet­tend, lie­ßen sich gut in die Horn­bar­rie­re ein­ar­bei­ten und eig­ne­ten sich da­her für tro­cke­ne Haut und tro­cke­ne Haa­re. „Film­bil­den­de Öle schlie­ßen die Feuch­tig­keit in der Haut ein und sor­gen für ein lang­an­hal­ten­des Ge­fühl der Ge­schmei­dig­keit.“An­ders da­ge­gen ver­hält es sich bei Men­schen, die un­ter fet­ti­ger Haut lei­den: Hier kön­nen Ge­sichts-Öle so­gar Ak­ne aus­lö­sen, weil die fet­ti­ge Tex­tur für die­sen Haut­typ schlicht zu reich­hal­tig ist. Dar­über hin­aus ra­ten Der­ma­to­lo­gen Men­schen, die un­ter Hau­tir­ri­ta­tio­nen oder All­er­gi­en lei­den, zur Vor­sicht beim The­ma Öl. Hier gilt das Mot­to: Lie­ber zu­nächst an ei­ner un­emp­find­li­chen Stel­le tes­ten, da­mit man nicht von un­schö­nen Re­ak­tio­nen wie Juck­reiz oder Qu­ad­deln über­rascht wird. Ne­ben Pro­duk­ten für die Haut wer­den auch zahl­rei­che Be­au­ty-Öle für das Haar an­ge­bo­ten. Hier war Öl eben­falls zu­nächst Be­stand­teil von Sham­poos und Haar­ku­ren, mitt­ler­wei­le wer­den aber vie­le rei­ne Öle für die Haa­re an­ge­bo­ten. „Da­bei sind die Tex­tu­ren mo­der­ner Haar-Öle längst nicht mehr fet­tig, wie man vi­el­leicht glau­ben mag. Im Ge­gen­teil: Sie sind so leicht, dass sie so­gar bei fei­nem Haar an­ge­wen­det wer­den kön­nen, oh­ne es zu be­schwe­ren“, er­klärt Ro­ber­to La­raia, Art-Di­rec­tor des Zen­tral- ver­ban­des des deut­schen Fri­seur­hand­werks. „Mitt­ler­wei­le gibt es so­gar so­ge­nann­te Tie­fen­rei­ni­gungs-Sham­poos, die mit Hil­fe von Ölen das Haar von Rück­stän­den be­frei­en“, er­läu­tert der Fri­seur aus Reut­lin­gen. Tie­fen­rei­ni­gung kommt im­mer dann zum Ein­satz, wenn das Haar zu sehr be­schwert ist, bei­spiels­wei­se durch zu kur­zes Aus­spü­len ent­spre­chen­der Pro­duk­te. Ne­ben die­sen neu­en Ein­satz­ge­bie­ten für Haar-Öle gibt es nach wie vor die Klas­si­ker, die Ers­te Hil­fe ge­gen tro­cke­nes Haar und brü­chi­ge Spit­zen leis­ten. Das funk­tio­niert auch des­halb, weil Öl nicht nur mit der Haut, son­dern auch mit dem mensch­li­chen Haar be­son­ders gut har­mo­niert. Vor al­lem pflanz­li­che Öle sind in ih­rer Struk­tur dem na­tür­li­chen Fett­film, der je­des Haar um­schließt, sehr ähn­lich, sa­gen Fach­leu­te.

Vor­sicht bei fet­ti­ger Haut und All­er­gi­en

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