Sie schim­mern so schön

To­bi­as Schmie­del stu­diert Mi­ne­ra­lo­gie / Auf der Su­che nach Neu­em

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sonntagskinder - Tan­ja Ka­sisch­ke

Jo­hann Wolf­gang von Goe­the und To­bi­as Schmie­del ha­ben et­was ge­mein­sam: Das In­ter­es­se an Mi­ne­ra­li­en. Der be­rühm­te Schrift­stel­ler Goe­the, der vor 250 Jah­ren leb­te, be­saß ei­ne gro­ße Samm­lung mit 18000 Mi­ne­ra­li­en. Stu­dent To­bi­as Schmie­del bringt es zwar auf we­ni­ger Ex­em­pla­re, da­für macht er sein Hob­by zum Be­ruf. Bald hat der 28Jäh­ri­ge sei­nen Hoch­schul­ab­schluss im Fach Mi­ne­ra­lo­gie ge­schafft und will dann am liebs­ten wis­sen­schaft­lich ar­bei­ten, in ei­nem Pro­jekt über Vul­ka­ne: „Ein Vul­kan bringt Mi­ne­ra­li­en aus dem Erd­in­ne­ren an die Ober­flä­che. Für ei­nen For­scher ist das sehr in­ter­es­sant.“Es könn­te ein Mi­ne­ral da­bei sein, das noch nie­mand vor To­bi­as ent­deckt hat. Vie­le Mi­ne­ra­li­en­na­men en­den auf „it“: Cal­cit, Py­rit, Fluo­rit. Dar­in steckt das grie­chi­sche Wort Li­thos. Es heißt St­ein oder auch Baustein. Mi­ne­ra­li­en wer­den oft als St­ei­ne oder Edel­stei­ne be­zeich­net, da­bei sind es Kris­tal­le und so­mit Baustei­ne ei­nes Gesteins. Auch Salz, Zu­cker und Schnee be­ste­hen aus Kris­tal­len. Die Kris­tall­struk­tur ei­ni­ger Mi­ne­ra­li­en ist so hart, dass sie für St­ei­ne ge­hal­ten wer­den. Das här­tes­te Mi­ne­ral der Welt ist der Dia­mant. „Mi­ne­ra­li­en ent­ste­hen aus Mag­ma“, er­klärt To­bi­as. So heißt die hei­ße Flüs­sig­keit im Erd­in­ne­ren. Bricht ein Vul­kan aus und Mag­ma fließt an die Erd­ober­flä­che, wird sie kalt und fest. Dann sagt man da­zu La­va. „Zeit, Druck und die mi­ne­ra­li­sche Kon­zen­tra­ti­on ei­ner Flüs­sig­keit sind ent­schei­dend.“Je län­ger sich die Kris­tal­le un­ge­stört im Erd­in­ne­ren bil­den kön­nen, des­to grö­ßer wer­den sie. Mag­ma ist nicht das ein­zi­ge Sam­mel­be­cken für Kris­tal­le, es gibt sie auch im Grund­was­ser. Da­von lei­tet sich der Na­me Mi­ne­ral­was­ser ab. To­bi­as ist im Erz­ge­bir­ge in Sach­sen auf­ge­wach­sen, der Re­gi­on Deutsch­lands, in der die meis­ten Mi­ne­ra­li­en vor­kom­men. Bis vor 50 Jah­ren war Berg­bau dort der wich­tigs­te Wirt­schafts­be­reich. Auf die­se Wei­se ka­men die Mi­ne­ra­li­en ans Ta­ges­licht. Mit sei­nem Va­ter, ei­nem Berg­bau­in­ge­nieur, spa­zier­te der Jun­ge oft durch die Re­gi­on und sam­mel­te St­ei­ne, „oh­ne sie an­schlie­ßend zu be­stim­men“, er­in­nert er sich. „Erst im Stu­di­um ha­be ich das ge­lernt und weiß seit­dem, was ich da­mals so ge­fun­den ha­be.“Rund 4 400 Mi­ne­ra­li­en gibt es auf der gan­zen Welt, so vie­le ha­ben Ex­per­ten bis jetzt ge­fun­den und be­stimmt. 800 ver­schie­de­ne Ar­ten und 3 500 „St­ei­ne“zeigt das Mi­ne­ra­li­en­mu­se­um Ter­ra Mi­ne­ra­lia der Stadt Frei­berg. Es ge­hört zu To­bi­as’ Uni­ver­si­tät. Das ist kein Zu­fall: In Frei­berg wur­de vor 250 Jah­ren die ers­te berg­wis­sen­schaft­li­che Hoch­schu­le der Welt ge­grün­det. Weil die Re­gi­on so vol­ler Mi­ne­ra­li­en steck­te, woll­ten die Men­schen sie auch er­for­schen und be­stim­men. So­gar Jo­hann Wolf­gang von Goe­the kam nach Frei­berg, um sich über das Fach Mi­ne­ra­lo­gie zu in­for­mie­ren. Stu­diert hat er es aber nicht. Da­für ein an­de­rer: Fried­rich Mohs, ein Ös­ter­rei­cher, dach­te sich in Frei­berg die Här­te­ska­la für Mi­ne­ra­li­en aus. Sie geht von 1 bis 10. Al­le Mi­ne­ra­li­en ab ei­ner Här­te von 8 gel­ten als Edel­stei­ne. Der Dia­mant hat die Här­te 10. Ein Ru­bin hat 9, ein Quarz „nur“7. Opa­le, die wun­der­schön viel­far­big schim­mern­den St­ei­ne aus Aus­tra­li­en, zäh­len zu den Quar­zen und sind da­mit – wenn man es ganz ge­nau nimmt – kei­ne Edel­stei­ne. Edel se­hen sie trotz­dem aus. Des­halb gibt es sie auch im Mu­se­um zu se­hen. Die Frei­ber­ger Samm­lung ge­hört ei­ner Frau. Ziem­lich un­ge­wöhn­lich, denn die meis­ten Mi­ne­ra­li­en­fans sind männ­lich. Eri­ka Pohl-Strö­her ist ei­ne Aus­nah­me. Sie lebt in der Schweiz, ist aber in Sach­sen auf­ge­wach­sen. Dass aus Frei­berg so vie­le Mi­ne­ra­li­en-Ex­per­ten kom­men und an­ge­hen­de Ex­per­ten wie To­bi­as dort stu­die­ren, ge­fiel der mitt­ler­wei­le 96jäh­ri­gen Samm­le­rin. Des­halb stif­te­te sie der Stadt ih­re St­ei­ne. Ein Farb­ge­heim­nis hat der Ru­bin, den Edel­stein-Ex­per­ten an­ders nen­nen: Kor­und. Ein nor­ma­ler Kor­und ist ein durch­sich­tig-wei­ßes Mi­ne­ral. Manch­mal aber ver­wan­delt sich der St­ein in ei­nen ro­ten Ru­bin. Das pas­siert, wenn an ei­ner Stel­le des Mi­ne­rals der Kris­tall ein Loch be­kommt. Das kann man mit blo­ßem Au­ge nicht se­hen, aber es ist da. Ein be­son­ders schö­ner gro­ßer Ru­bin in der Frei­ber­ger Samm­lung stammt aus Tan­sa­nia in Afri­ka. Er sieht aus wie ei­ne Was­ser­me­lo­ne! Mil­chig pink ist ein gro­ßer Quarz aus Af­gha­nis­tan, der Kun­zit. Sei­ne Ober­flä­che ist in vie­le klei­ne Recht­ecke zer­bro­chen, als sei der St­ein beim Trans­port nach Deutsch­land mehr­mals her­un­ter­ge­fal­len. Mi­ne­ra­lo­ge To­bi­as er­klärt: „Ris­se und Brü­che zei­gen an, dass ein Mi­ne­ral aus ei­nem tek­to­nisch ak­ti­ven Ge­biet stammt. Ei­ner Re­gi­on, in der sich un­ter der Er­de viel be­wegt und das Erd­be­ben­ri­si­ko hoch ist.“Sie sind auch Pro­fis dar­in, Mi­ne­ra­li­en im Gestein auf­zu­spü­ren, denn die schöns­ten Ex­em­pla­re ver­ste­cken sich in Hohl­räu­men hin­ter den Fels­wän­den. Ein zer­klüf­te­ter Fels, in den Flüs­sig­keit ein­drin­gen konn­te, ist be­son­ders er­folg­ver­spre­chend. Da­mit die For­scher ei­ne Fels­wand nicht ver­ge­bens ein­rei­ßen, boh­ren sie zu­erst ein klei­nes Loch und ste­cken ei­ne Ka­me­ra hin­ein. Die filmt dann die ed­len St­ei­ne – oder ei­nen lee­ren Raum.

„Mi­ne­ra­li­en ent­ste­hen aus Mag­ma“ In Sach­sen gibt es vie­le Mi­ne­ra­li­en

Es sieht aus, als ha­be je­mand den Cal­cit ge­schlif­fen oder be­ar­bei­tet. Aber: Nein! Der wur­de ge­nau so ge­fun­den! Zu se­hen ist er im Mi­ne­ra­li­en­mu­se­um Ter­ra Mi­ne­ra­lia in der säch­si­schen Stadt Frei­berg. In die­ser Stadt wur­de vor 250 Jah­ren auch die ers­te berg­wis­sen­schaft­li­che Hoch­schu­le der Welt ge­grün­det. Fotos: Ka­sisch­ke

Der jun­ge Mi­ne­ra­lo­ge To­bi­as Schmie­del bei der Ar­beit. Ein Mi­kro­skop ge­hört da­zu.

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