Sinn­li­che Sei­ten des El­b­lan­des

Gro­ßer Ge­nuss im klei­nen Wein­re­vier

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub -

In ei­nem der kleins­ten Wein­an­bau­ge­bie­ten Deutsch­lands wird nicht mit Reb­flä­chen oder Hek­to­li­ter­zah­len ge­protzt – hier wird in al­ler Ru­he ge­nos­sen. Denn bei ei­nem Glas Wein di­rekt beim Win­zer ent­fal­tet sich die säch­si­sche Ge­müt­lich­keit am bes­ten. Und wer sich et­was Zeit nimmt, kann in we­ni­gen Ta­gen das gan­ze Wein­ge­biet zwi­schen Pir­na und Dies­bar-Seuß­litz ken­nen­ler­nen – zu Fuß oder per Rad. Mit rund 450 Hekt­ar Reb­flä­che zählt Sach­sen zu den kleins­ten deut­schen Wein­bau­ge­bie­ten. Jen­seits des 51. Brei­ten­gra­des liegt es na­he der nörd­li­chen An­bau­gren­ze und wird doch vom be­son­de­ren Kli­ma des Dresd­ner Elb­tals ver- wöhnt: Die Re­ben an den Süd­hän­gen ge­nie­ßen über 1 600 Son­nen­stun­den im Jahr und mit neun Grad Cel­si­us im Jah­res-Mit­tel ist es nir­gend­wo in Sach­sen wär­mer. Bis in den Ok­to­ber wächst der Wein zwi­schen Pir­na und Dies­bar-Seuß­litz auf 15 Ein­zel­la­gen. 929 wur­den mit Burg und Mark­graf­schaft Mei­ßen der Vor­läu­fer für den heu­ti­gen Frei­staat Sach­sen ge­grün­det. Im Lau­fe der Zeit wech­sel­te der Re­gie­rungs­sitz in das na­he Dres­den. So blieb viel vom Flair des al­ten Kur­fürs­ten­tums er­hal­ten. Links und rechts der El­be er­streckt sich of­fe­nes, sanft hü­ge­li­ges Land mit Fel­dern, Wein­ber­gen, klei­nen Ort­schaf­ten und his­to­ri­schen Städ­ten. Wer hier wan­dert, wird zwi­schen Mit­tel­al­ter, Re­nais­sance, Ba­rock und Ge­gen­wart im­mer wie­der zum In­ne­hal­ten und Ge­nie­ßen ver­führt. Den Spu­ren der 850-jäh­ri­gen Wein­bau­tra­di­ti­on folgt der Säch­si­sche Wein­wan­der­weg. Ent­lang son­nen­ver­wöhn­ter Hang- und Steil­la­gen ver­bin­det er auf 92 leich­ten Wan­der­ki­lo­me­tern die schöns­ten Zie­le zwi­schen Pir­na und Dies­bar-Seuß­litz. Win­zer­fleiß und mil­des Mi­kro­kli­ma brin­gen hier un­ter Ken­nern welt­weit ge­schätz­te Ra­ri­tä­ten her­vor: Weiß­bur­gun­der, Tra­mi­ner, der nur hier an­ge­bau­te Goldries­ling und mehr. Zum Pro­bie­ren re­gio­na­ler Qua­li­täts­wei­ne la­den tra­di­tio­nel­le Wein­gü­ter, uri­ge Strauß­wirt­schaf­ten und Wein­lo­ka­le mit Prä­di­kat am We­ges­rand. Zu wah­ren Bil­dungs­we­gen wer­den Tou­ren durch das Säch­si­sche El­b­land un­ter Lei­tung kun­di­ger Wein­wan­der­füh­rer. 16 Gäs­te­füh­rer und Hob­by­win­zer lie­ßen sich vom Deut­schen Wein­in­sti­tut als sol­che aus­bil­den und zer­ti­fi­zie­ren. Was sie ver­bin­det, ist ih­re Lei­den­schaft für säch­si­schen Wein. Sach­sens Fürs­ten wa­ren wild auf Selbst­er­leg­tes. Da­von zeu­gen un­zäh­li­ge Tro­phä­en so­wie all­ge­gen­wär­ti­ge Jagd­und Wild­mo­ti­ve, zu be­wun­dern im Jagd­schloss Mo­ritz­burg nörd­lich von Dres­den. Wann im­mer es da­mals den ed­len Da­men und Her­ren am Dresd­ner Hof nach länd­li­chen Ver­gnü­gun­gen ver­lang­te, gab es nur die­ses Ziel. In Mo­ritz­burg war­te­te das ex­qui­sit ein­ge­rich­te­te Ba­rock­schloss mit kost­ba­ren Le­der­ta­pe­ten, ed­lem Por­zel­lan aus Mei­ßen und den stol­zen Jagd­tro­phä­en aus dem

Re­ben ge­nie­ßen 1 600 Son­nen­stun­den

um­lie­gen­den Frie­de­wald. Dort­hin ritt man zur Jagd oder un­ter­nahm ge­mein­sa­me Aus­fahr­ten zum Fa­sa­nen­schlöss­chen. Das „kleins­te Kö­nigs­schloss Sach­sens“ist nach auf­wen­di­ger Re­stau­rie­rung wie­der für Be­su­cher zu­gäng­lich. Lan­ge be­vor Au­gust der Star­ke den ba­ro­cken Prunk­bau hier er­rich­ten ließ, be­fahl Her­zog Georg der Bär­ti­ge im 15. Jahr­hun­dert die Tro­cken­le­gung des ehe­ma­li­gen Sumpf­ge­bie­tes rings­um. Zum Glück für Fla­neu­re und Wan­de­rer. Tei­che, Wie­sen, Wäl­der, Fel­der, ein Wild­ge­he­ge und ar­chi­tek­to­ni­sche Klein­ode er­ge­ben ei­ne pit­to­res­ke Kul­tur­land­schaft. Be­liebt ist der Tei­che-Rund­weg. Die Stre­cke von zwölf Ki­lo­me­tern pas­siert nicht nur das Mo­ritz­bur­ger Schloss, son­dern auch ro­man­ti­sche Pick­nick­plät­ze an schilf­ge­säum­ten Ufern. Ei­ne Schlös­ser­tour star­tet – wie soll­te es an­ders sein – in Mei­ßen. Hier be­gann auf dem Burg­berg einst die er­folg­rei­che Ge­schich­te des Frei­staats und die stol­ze Al­brechts­burg ist ein Kron­zeu­ge da­für. Das Frei­ber­ger Sil­ber hat­te die Mark Mei­ßen und ih­re Herr­scher reich ge­macht, was die spät­go­ti­sche Pracht der Burg in al­len Win­keln zeigt. In über­gro­ßen Filz­pan­tof­feln stau­nen die Burg­be­su­cher heu­te vor gold­ge­fass­ten Fürs­ten­por­traits und ge­nie­ßen den wahr­haft herr­schaft­li­chen Blick auf die El­be. Ganz klar, dass Mei­ßen bis heu­te den Glanz der Re­si­denz­stadt aus­strahlt – auch wenn die säch­si­schen Kur­fürs­ten im 16. Jahr­hun­dert gern nach Dres­den zo­gen.

Nach Lust und Lau­ne: 55 Ki­lo­me­ter pu­rer Ge­nuss bie­tet die Säch­si­sche Wein­stra­ße. Ein fast schon süd­län­di­sches Le­bens­ge­fühl macht Lust auf die Wei­ne der Ge­gend – und die ge­nießt man di­rekt beim Win­zer. Foto: TV Säch­si­sches El­b­land

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