Das Fi­fa-Be­ben nimmt kein En­de

Auch Ägyp­ten be­las­tet Ex-Funk­tio­när War­ner

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Jan Mies und Do­mi­nik Kor­tus

Der Kor­rup­ti­ons­sumpf im Fuß­ball­Welt­ver­band Fi­fa wird im­mer tie­fer – und der deut­sche Fuß­ball will auf kei­nen Fall hin­ein­ge­zo­gen wer­den. Of­fi­zi­ell sind we­der das „Som­mer­mär­chen“2006 noch „Kai­ser“Franz Be­cken­bau­er als frü­he­rer Ent­schei­der in den höchs­ten Fi­fa-Krei­sen Be­stand­teil der Er­mitt­lun­gen der US- und Schwei­zer Be­hör­den. „Wir ha­ben uns ab­so­lut nichts vor­zu­wer­fen“, sag­te Wolf­gang Niers­bach, Prä­si­dent des Deut­schen Fuß­ball-Bun­des (DFB), im ZDF zu den Ge­rüch­ten um die End­run­de im ei­ge­nen Land: „Ich darf dar­an er­in­nern, dass wir die ab­so­lut bes­te Be­wer­bung hat­ten. Wir ha­ben die Ab­stim­mung mit 12:11 ge­won­nen. Wir wis­sen, dass die acht Eu­ro­pä­er für uns ge­stimmt ha­ben. Wo­her die an­de­ren vier Stim­men ka­men, kön­nen wir nur ver­mu­ten. Die ha­ben wir mit un­se­rer Be­wer­bung über­zeugt.“Auch Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­zie­re kennt nach Ge­sprä­chen mit den US-Be­hör­den „kei­ne Deutsch­land-Be­zü­ge“. Im Zu­ge des Skan­dals, der die Fi­fa in die tiefs­te Kri­se ih­rer Ge­schich­te stürz­te, sind die Welt­meis­ter­schaf­ten 1998, 2010, 2018 und 2022 ins Fa­den­kreuz der Er­mitt­ler aus den USA und der Schweiz ge­ra­ten. Zu­min­dest vor den Ver­ga­ben für 1998 und 2010 wur­de of­fen­sicht­lich be­sto­chen und be­tro­gen. Das geht aus den Pro­to­kol­len der Ver­neh­mung des frü­he­ren Fi­fa-Funk­tio­närs und „Whist­leb­lo­wers“Chuck Bla­zer her­vor. Die Schlüs­sel­fi­gur ist der in den USA an­ge­klag­te ehe­ma­li­ge Fi­fa-Vi­ze Jack War­ner, der von Ägyp­ten schwer be­las­tet wird (sie­he Fuß­ball-Te­le­gramm). Vor der Ver­ga­be für 2010 soll er sei­ne Stim­me ge­gen die Zah­lung von sie­ben Mil­lio­nen US-Dol­lar an­ge­bo­ten ha­ben. Das nord­afri­ka­ni­sche Land lehn­te ab. Von den End­run­den 2002 und 2006 ist bis­lang kei­ne Re­de. „Ich hal­te es für aus­ge­schlos­sen, dass von den für die Be­wer­bung ver­ant­wort­li­chen Ver­tre­tern des DFB ver­sucht wor­den sein soll­te, die Mit­glie­der des Exe­ku­tiv­ko­mi­tees durch un­lau­te­re Mit­tel zu be­ein­flus­sen“, sag­te der da­ma­li­ge In­nen­mi­nis­ter Ot­to Schi­ly der Bild. Ge­nährt wer­den die Ge­rüch­te un­ter an­de­rem durch ei­nen Waf­fen­deal der Bun­des­re­gie­rung mit Sau­di-Ara­bi­en ei­ne Wo­che vor der Ver­ga­be im Ju­li 2000, den An­kauf frag­li­cher TV-Rech­te und die Ent­schei­dung des Neu­see­län­ders Charles Demp­sey, der vor der Wahl im Fi­fa-Ex­ko den Raum ver­ließ und da­mit zum „Züng­lein an der Waa­ge“wur­de. Wie Be­cken­bau­er zehn Jah­re spä­ter bei der Wahl der dann scharf kri­ti­sier­ten Aus­rich­ter Russ­land (2018) und Ka­tar (2022) ab­stimm­te, hat der Kai­ser bis­lang nicht ver­ra­ten. Of­fen­bar fin­den die Be­hör­den aber auch nichts An­rü­chi­ges an der Ent­schei­dung des in­zwi­schen 69-Jäh­ri­gen, der von 2007 bis 2011 in der „Re­gie­rung des Welt­fuß­balls“saß. „Nein, na­tür­lich nicht“, ant­wor­te­te Be­cken­bau­er auf die Fra­ge, ob er von der Schwei­zer Bun­des­an­walt­schaft kon­tak­tiert wor­den sei. Sie­ben

Kei­ne Er­mitt­lung we­gen des „Som­mer­mär­chens“

an­de­re Ent­schei­der des da­ma­li­gen Ex­ko sind be­reits be­fragt wor­den. Die Schwei­zer Be­hör­de er­mit­telt we­gen ei­ner von der Fi­fa selbst ge­stell­ten Straf­an­zei­ge ge­gen Un­be­kannt we­gen „Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten“bei der dop­pel­ten Ver­ga­be. Seit Jah­ren wird die Vor­be­rei­tung auf die End­run­den durch Kor­rup­ti­ons­vor­wür­fe be­las­tet. „Was in der Fi­fa pas­siert, be­trifft uns al­le. Wir sind al­le Fuß­bal­ler“, sag­te der Kai­ser: „Es ist furcht­bar für den Fuß­ball, dass es sol­che Ent­wick­lun­gen ge­ge­ben hat.“In der ver­gan­ge­nen Wo­che, im Zu­ge des „Fi­fa-Be­bens“, wa­ren die Er­mitt­ler in der Zü­ri­cher FI­FA-Zen­tra­le und sam­mel­ten dort Da­ten und Do­ku­men­te ein. Fast zeit­gleich wur­den sie­ben hoch­ran­gi­ge Fi­faFunk­tio­nä­re auf­grund von Er­mitt­lun­gen des FBI und der US-Staats­an­walt­schaft ver­haf­tet. In der Fol­ge trat der ei­gent­lich wie­der­ge­wähl­te Fi­fa-Prä­si­dent Jo­seph S. Blat­ter am ver­gan­ge­nen Di­ens­tag zu­rück. „Die Fi­fa hat 209 Mit­glieds­ver­bän­de, das sind 1000 Funk­tio­nä­re“, sag­te Be­cken­bau­er: „Die al­le zu kon­trol­lie­ren, kann nicht funk­tio­nie­ren. Es muss ein Schlüs­sel ge­fun­den wer­den, um so et­was in Zu­kunft zu ver­hin­dern.“

Skru­pel­lo­ser Strip­pen­zie­her oder ah­nungs­lo­ses Un­schulds­lamm? Die Rol­le des am­tie­ren­den Fi­faPrä­si­den­ten Sepp Blat­ter, der sei­nen bal­di­gen Rück­tritt an­ge­kün­digt hat, ist und bleibt du­bi­os. Foto: avs

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.