„Das zu ver­dau­en, ist schwer“

KSC-Coach Kauc­zin­ski im SONN­TAG-Interview über den ver­pass­ten Auf­stieg

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Interview: Ha­rald Lin­der

Ob­wohl er un­mit­tel­bar nach dem Ab­pfiff ge­gen den Ham­bur­ger SV ei­gent­lich selbst Trost not­wen­dig ge­habt hät­te, galt die Für­sor­ge von KSC-Chef­trai­ner Mar­kus Kauc­zin­ski nach dem un­glück­li­chen Re­le­ga­ti­ons­Aus ge­gen den Bun­des­li­ga-Di­no (1:1 und 1:2) zu­erst sei­nen Spie­lern, de­nen es ver­sagt blieb, ei­ne groß­ar­ti­ge Sai­son in der Zwei­ten Li­ga noch mit dem Auf­stieg in die Bun­des­li­ga zu krö­nen. Der SONN­TAG sprach mit Mar­kus Kauc­zin­ski am „Tag da­nach“über ver­mut­lich fal­sche Schieds­rich­ter­ent­schei­dun­gen, ech­te Ge­füh­le, ver­pass­te Chan­cen und neue Per­spek­ti­ven. Herr Kauc­zin­ski, un­mit­tel­bar nach der Nie­der­la­ge ge­gen den Ham­bur­ger SV ha­ben Sie gesagt, dass Sie jetzt erst ein­mal Ih­re Spie­ler trös­ten müs­sen. Be­durf­ten Sie selbst kei­nes Tros­tes oder an­ders ge­fragt: Wer hat denn den Trai­ner nach die­sem Tief­schlag ge­trös­tet?

Mar­kus Kauc­zin­ski: Ich ha­be auch sehr viel Zu­spruch er­fah­ren. Da ist zu­nächst ein­mal na­tür­lich mei­ne Fa­mi­lie, die da­für sorgt, dass man nach ei­nem sol­chen Schlag nicht al­lei­ne ist. Und dann ha­ben mir Freun­de, aber auch Au­ßen­ste­hen­de mit­ge­teilt, wie sehr sie mit­ge­fie­bert ha­ben und wie stolz sie auf das sind, was wir in die­ser Sai­son er­reicht ha­ben. Das tut schon gut, wenn man so nah vor dem Ziel so bru­tal ge­stoppt wird. Wo­bei es mir ver­mut­lich trotz­dem leich­ter fällt, das zu ver­dau­en, als mei­nen Spie­lern. Ich ha­be schon ei­ni­ge Schlach­ten ge­schla­gen, die auch mit Nie­der­la­gen en­de­ten, wie zum Bei­spiel vor drei Jah­ren ge­gen Jahn Re­gens­burg. Aber die meis­ten mei­ner Spie­ler sind noch sehr jung. Die brau­chen dann auch den Zu­spruch des Trai­ners. Braucht es ei­gent­lich lan­ge, um die­sen Schlag zu ver­dau­en oder geht das über­haupt nicht?

Kauc­zin­ski: Ich weiß nicht, wie lan­ge das braucht. Wir wa­ren ei­gent­lich schon auf­ge­stie­gen und be­kom­men dann in der Nach­spiel­zeit ein Ge­gen­tor nach ei­nem Frei­stoß ge­gen uns, der nicht nur mei­ner Mei­nung nach, kei­ner war. Dass wir dann in der Ver­län­ge­rung noch ein zwei­tes Tor kas­sier­ten, war un­glück­lich. Aber der Ge­nick­schlag war das 1:1 in der Nach­spiel­zeit. Das zu ver­dau­en, ist schwer und ir­gend­et­was wird im­mer blei­ben. Aber so ist nun ein­mal der Fuß­ball. Fehl­ent­schei­dun­gen ge­hö­ren da­zu, so bit­ter das für uns ist. Meh­met Scholl hat ge­meint, dass Ih­re Mann­schaft vi­el­leicht noch ein biss­chen zu „grün“war, sie aber aus die­ser Nie­der­la­ge ler­nen kann. Stim­men Sie dem zu?

Kauc­zin­ski: Da ist was dran. Wir ha­ben ei­ne Mann­schaft, die in Sa­chen Er­fah­rung und Ab­ge­zockt­heit na­tür­lich über­haupt nicht mit den Spie­lern des HSV ver­gli­chen wer­den kann. Wir ha­ben ganz jun­ge Spie­ler, die in die­ser Sai­son Groß­ar­ti­ges ge­leis­tet ha­ben und aus die­ser Er­fah­rung ler­nen kön­nen. Und da­mit mei­ne ich jetzt nicht nur die Re­le­ga­ti­on. Wir ha­ben auch wäh­rend der Sai­son ei­ni­ge Punk­te lie­gen­las­sen, die wir nicht not­wen­di­ger­wei­se hät­ten lie­gen­las­sen müs­sen. Aber Spie­ler wie Philipp Max oder Jo­nas Mef­fert, die vor ei­nem Jahr noch in der Re­gio­nal­li­ga ge­spielt ha­ben, ha­ben viel an Er­fah­rung aus die­ser Sai­son mit­neh­men kön­nen. Die­se Er­fah­rung kann man nut­zen, um es zu­künf­tig bes­ser zu ma­chen. Sie sa­gen, es bes­ser ma­chen zu wol­len. Was heißt dies für die kom­men­de Sai­son?

Kauc­zin­ski: Es gibt noch nichts, um kon­kret über die neue Sai­son zu re­den. Ich möch­te nur dar­an er­in­nern, dass es kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit war, dass wir in der ab­ge­lau­fe­ne Spiel­zeit bis zum Schluss ganz oben da­bei wa­ren. Mit ei­ner Mann­schaft, der dies ei­gent­lich nie­mand zu­ge­traut hat­te. Na­tür­lich wol­len wir in der neu­en Sai­son so gut wie mög­lich ab­schnei­den, aber ich wer­de mich jetzt nicht hin­stel­len und sa­gen, dass wir auf­stei­gen müs­sen. Die neue Sai­son wird zu­min­dest wie­der ge­nau­so schwer wie die ver­gan­ge­ne. In die­ser Run­de ließ der Zu­schau­er­zu­spruch im Wild­park-Sta­di­on lan­ge Zeit sehr zu wün­schen üb­rig. Erst zum Sai­son­en­de und bei der Re­le­ga­ti­on hat­te man das Ge­fühl, dass die Re­gi­on tat­säch­lich hin­ter dem KSC steht. Er­war­ten Sie sich von dem po­si­ti­ven Bild, das Ih­re Mann­schaft ab­gab, nächs­te Sai­son mehr Un­ter­stüt­zung bei Heim­spie­len?

Kauc­zin­ski: Das weiß ich nicht. Wir ha­ben ei­nen Stamm von treu­en Fans, die uns im­mer un­ter­stüt­zen. Was aber in den letz­ten Spie­len pas­siert ist, war groß­ar­tig. Und wenn die­se Eu­pho­rie sich im nächs­ten Dau­er­kar­ten­ver­kauf nie­der­schlägt, wä­re das na­tür­lich für uns al­le sehr schön.

Über ech­te Ge­füh­le und fal­sche Ent­schei­dun­gen

Foto: GES

Als Trös­ter ge­for­dert: Mar­kus Kauc­zin­ski küm­mer­te sich nach dem un­glück­li­chen Aus in der Bun­des­li­ga-Re­le­ga­ti­on am ver­gan­ge­nen Mon­tag zu­nächst ein­mal um sei­ne Spie­ler wie Den­nis Kem­pe, die es nicht fas­sen kön­nen, dass der Ham­bur­ger SV am En­de noch mit 2:1 im Wild­park sieg­te.

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