Karls­ru­he von A bis Z

ABC zum Stadt­ge­burts­tag: Was die 300 Jah­re al­te Fä­cher­stadt so ein­zig­ar­tig macht

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region -

Awie An­fang: Be­gon­nen hat al­les am 17. Ju­ni 1715. Mark­graf Karl Wil­helm von Ba­den-Dur­lach be­gab sich un­ter Pau­ken- und Trom­pe­ten­schall in den Hardtwald. Hier er­nann­te er neun Rit­ter des neu­en Fi­de­l­i­tas-Or­dens (Or­den zur Treue), die ihm dann bei der Grund­stein­le­gung für sein Schloss as­sis­tier­ten: Karls­ru­he wur­de die vor 300 Jah­ren ge­grün­de­te Re­si­denz ge­nannt.

Bwie Be­am­ten­stadt: In der ba­di­schen Re­si­denz- und Haupt­stadt war die Be­am­ten­dich­te von An­fang an hoch. Und als Karls­ru­he nach dem Zwei­ten Welt­krieg den Haupt­stadt-Sta­tus ver­lor, war die Stadt um je­de Lan­des- oder Bun­des­be­hör­de froh, die sie krie­gen (oder be­hal­ten) konn­te. Als Be­am­ten­stadt lässt sie sich trotz­dem nicht gern be­zeich­nen – doch der Ruf klebt zäh an ihr.

Cwie Cent-Mün­ze: Sie wird, wie al­le an­de­ren Mün­zen auch, in der „Mün­ze Karls­ru­he“her­ge­stellt. Karls­ru­he ist ei­ne der vier Städ­te, in de­nen Mün­zen für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ge­prägt wer­den. Das von Fried­rich Wein­bren­ner ent­wor­fe­ne Ge­bäu­de dient seit 1827 bis heu­te der Münz­prä­gung. Üb­ri­gens: Die Mün­zen aus Karls­ru­he er­kennt man am Münz­zei­chen „G“.

Dwie Dörf­le: Ob je­mand sich in Karls­ru­he an­sie­deln durf­te, ent­schied in der Stadt­grün­dungs­zeit der Mark­graf persönlich. Für ar­me Leu­te wie Bau­ar­bei­ter und Knech­te war in den Fä­cher­stra­ßen kein Platz, sie haus­ten im Vo­r­ort Klein-Karls­ru­he, dem Dörf­le. 1812 wur­de der „Schand­fleck“ein­ge­mein­det. Nach der Alt­stadt­sa­nie­rung ist vom ur­sprüng­li­chen Cha­rak­ter des Dörf­les prak­tisch nichts mehr er­hal­ten.

Ewie Er­fin­der: Tüft­ler und In­ge­nieu­re gab und gibt es vie­le, stell­ver­tre­tend sei­en hier zwei Män­ner ge­nannt, die die Welt auf Rä­der stell­ten: Zum ei­nen der In­ge­nieur und Au­to­mo­bil-Pio­nier Carl Benz, zum an­de­ren Karl Frei­herr von Drais, der den Vor­läu­fer des Fahr­rads, die Lauf­ma­schi­ne oder Drai­si­ne, er­fun­den hat.

Fwie „Das Fest“. 1985 ging das Fes­ti­val in der „Klot­ze“erst­mals über die Büh­ne, in­zwi­schen ist es ei­ne der größ­ten Open-Air-Ver­an­stal­tun­gen Deutsch­lands. En­de Ju­li tre­ten dort un­ter an­de­rem Clue­so, Se­lig, Fish und Fritz Kalk­bren­ner auf. Rund um die Büh­nen gibt es ein gro­ßes Fa­mi­li­en- und Sport­pro­gramm.

wie Ge­flü­gel­zucht­ver­ein: Die Mit­glie­der die­ses Ver­eins wa­ren 1861 die Initia­to­ren für die Grün- dung des Zoos in Karls­ru­he. Ihr Vor­schlag, ei­nen Ge­flü­gel­park ein­zu­rich­ten und die­sen mit zu­sätz­li­chen Schau­ge­he­gen für Säu­ge­tie­re zu er­gän­zen, wur­de ab 1864 auf­ge­grif­fen und ver­folgt. Ein Jahr spä­ter wur­de der Zoo er­öff­net – er ist ei­ner der äl­tes­ten in Deutsch­land.

Hwie Hardtwald: Die­ses Grün ragt tief in die Groß­stadt hin­ein, ist aber kein Stadt-, son­dern ein ba­den-würt­tem­ber­gi­scher Staats­wald. Ide­al fürs Spa­zie­ren, Jog­gen, Ra­deln, Ska­ten, Durch­schnau­fen und für Sons­ti­ges. Die end­los ge­ra­den We­ge hei­ßen Al­le­en und sind nach den End­punk­ten wie Gr­a­ben oder Fried­rich­s­tal be­nannt. Enorm viel Hardtwald ge­ro­det wur­de 1820 und 1843 für mi­li­tä­ri­sche Zwe­cke. Sonst wür­de er so­gar bis Mühl­burg rei­chen.

Iwie In­ter­net: Am 3. Au­gust 1984 um 10.14 Uhr ging in Deutsch­land die ers­te E-Mail ein. Micha­el Ro­tert von der Uni­ver­si­tät Karls­ru­he (TH) emp­fing un­ter sei­ner Adres­se „ro­tert@ger­ma­ny“ei­ne Gruß­bot­schaft von ei­ner ame­ri­ka­ni­schen Kol­le­gin. Nicht nur aus die­sem Grun­de zählt Karls­ru­he seit Jah­ren zu den wirt­schafts­stärks­ten In­ter­net­städ­ten in Deutsch­land.

Jwie Jus­ti­tia: Mit dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und dem Bun­des­ge­richts­hof be­her­bergt Karls­ru­he die bei­den höchs­ten deut­schen Ge­rich­te. Zu­dem ist Karls­ru­he die ein­zi­ge deut­sche Stadt, in der al­le Zwei­ge der Ge­richts­bar­keit ver­tre­ten sind. Des­halb nennt es sich auch Re­si­denz des Rechts.

Kwie Kom­bi­lö­sung: Ihr „ver­dankt“es Karls­ru­he, dass es den 300. Ge­burts­tag als Bau­stel­len-Stadt fei­ern kann. Für die Kom­bi­lö­sung, die den Bau ei­nes Stadt­bahn­tun­nels un­ter der Kai­ser­stra­ße mit dem Um­bau der Kriegs­stra­ße kom­bi­niert, stimm­ten im Jahr 2002 rund 55 Pro­zent der Wäh­ler in Karls­ru­he. Spa­ten­stich für das bis heu­te um­strit­te­ne Pro­jek­tes war An­fang 2010.

Lwie Le­bens­qua­li­tät: Som­mer­schwü­le, Bau­stel­len und Staus (in der Stadt und auf den Au­to­bah­nen) min­dern sie. Die kul­tu­rel­len An­ge­bo­te von Staats­thea­ter, Toll­haus (mit Zel­ti­val) und vie­len wei­te­ren Kul­tur­zen­tren oder Thea­tern stei­gern sie wie­der. Und dann gibt es noch die Bier­gär­ten. Nicht nur im Hardtwald (sie­he un­ter H).

Mwie Mun­d­art: Ha­jo, die gibt’s noch. Den Karls­ru­her Dia­lekt nennt man Bri­gan­de­deutsch. In ihm drückt sich ei­ne ge­wis­se ge­müt­li­che Ge­las­sen­heit der (frü­he­ren?) Be­woh­ner aus. Nach dem Mot­to „Num­me net hud­le.“Ur­ein­woh­ner sa­gen nicht „Kalls­ruh“, son­dern ho­len lang­sam, aber ge­schickt das ers­te „R“in „Karls­ruh’“aus dem Gau­men. Als ob Kie­sel­stei­ne im Rhein an­ein­an­der­rol­len.

Nwie No­bel­preis: Fünf Wis­sen­schaft­ler, die ent­we­der an der Karls­ru­her Uni­ver­si­tät (heu­te KIT) stu­diert oder ge­lehrt hat­ten, er­hiel­ten die­sen be­gehr­ten Preis. Ne­ben dem Phy­si­ker Fer­di­nand Braun (1909) wa­ren das die Che­mi­ker Fritz Ha­ber (1918), Leo­pold Ru­zi­cka (1939), Georg von He­ve­sy (1943) und Her­mann Stau­din­ger (1953).

Owie Ober­rhein: Karls­ru­he liegt am Rhein, wird aber nicht von ihm ge­prägt. Zu un­ter­schied­lich sind die Zu­gän­ge zum Fluss bei Rap­pen­wört mit sei­nem Bad oder in Ma­xau mit Hof­gut, Pe­gel und Jacht­ha­fen. Der Ha­fen mit fünf Be­cken wie die Fin­ger ei­ner Hand und der Öl­ha­fen sind beim Gü­ter­um­schlag Num­mer acht in Deutsch­land. Aus dem Grund­was­ser der Rhein­ebe­ne stammt das gu­te Trink­was­ser der Stadt.

Pwie Py­ra­mi­de: Der Grün­der Karls­ru­hes hat sei­ne Stadt nicht ver­las­sen: Er ruht un­ter der Py­ra­mi­de auf dem Markt­platz, die der Bau­meis­ter Fried­rich Wein­bren­ner im frü­hen 19. Jahr­hun­dert an der Stel­le er­rich­te­te, wo sich zu­vor die Kir­che der Ein­tracht er­hob. Das py­ra­mi­da­le Gr­ab im Her­zen Karls­ru­hes, um­ran­det vom Lärm der heu­te rund 300 000 Ein­woh­ner zäh­len­den Groß­stadt, ist ein­zig­ar­tig im eu­ro­päi­schen Kul­tur­kreis.

Qwie Quetz­al­coat­lus: So hie­ßen die Flug­sau­ri­er, die vor et­wa 70 Mil­lio­nen Jah­ren auf der Er­de leb­ten. Ein rie­si­ges Quetz­al­coat­lus-Mo­dell steht vor dem 1785 ge­grün­de­ten Karls­ru­her Na­tur­kun­de­mu­se­um, das in die­sem Jahr sei­nen 230. Ge­burts­tag fei­ert. Im In­nern des ein­drucks­vol­len Ge­bäu­des fin­det man nicht nur Fos­si­li­en oder Mi­ne­ra­li­en, son­dern auch zahl­rei­che le­ben­de Tie­re wie Kro­ko­di­le, Schild­krö­ten, Amei­sen oder Fi­sche und ei­nen Erd­be­ben­si­mu­la­tor.

Rwie Rat­haus: Kaum hat­te Karls­ru­he mit Frank Men­trup ei­nen SPDOber­bür­ger­meis­ter, be­kam es auch ein Ro­tes Rat­haus: Der klas­si­zis­ti­sche, 1825 er­öff­ne­te Wein­bren­ner-Bau am Markt­platz wur­de 2013 rot ge­stri­chen. Zum Rat­haus ge­hört ein 51 Me­ter ho­her Turm, der ur­sprüng­lich als Feu­er­be­ob­ach­tungs­stel­le und Ge­fäng­nis dien­te. Be­krönt ist der Turm von ei­ner Mer­kur-Fi­gur – dem Gott des Han­dels und der Die­be.

wie Schwa­ben: Als Schwa­be be­zeich­net zu wer­den, kränkt den Karls­ru­her Lo­kal­pa­trio­ten zu­tiefst

Uwie Um­land: Kräf­tig pri­vat ge­baut ha­ben Karls­ru­her in Lin­ken­heim, Forch­heim oder gar Spöck. Das Um­land ist dank der Stadt­bah­nen nä­her­ge­rückt. Und wel­che Per­len um­ge­ben den Fä­cher! Ett­lin­gen, das Alb­tal, das Murg­tal, die wein­rei­che Or­ten­au und der Kraich­gau. Sie al­le, plus Pfalz und El­sass, ma­chen die Stadt noch at­trak­ti­ver.

Vwie Vo­gel­per­spek­ti­ve: War­um Karls­ru­he „die Fä­cher­stadt“ge­nannt wird, er­kennt man am bes­ten aus der Vo­gel­per­spek­ti­ve. Wer die 165 Trep­pen­stu­fen zur 42 Me­ter ho­hen Aus­sichts­platt­form des Schloss­turms er­klimmt, be­fin­det sich mit­ten im Karls­ru­her Zir­kel­schlag und ge­nießt ei­ne un­ver­gess­li­che Aus­sicht auf die 32 vom Turm aus­ge­hen­den Strah­len­stra­ßen, von de­nen neun den ei­gent­li­chen Fä­cher bil­den.

wie Wild­park: Dort liegt ein Sehn­suchts­ort mit fast 30 000 Zu­schau­er­plät­zen. Der Fuß­ball-

Ywie Y-Lö­sung: So nann­te sich ei­ne der Va­ri­an­ten der ge­plan­ten Karls­ru­her U-Strab, die An­fang der 90er Jah­re ne­ben vie­len an­de­ren dis­ku­tiert wur­de. Sie hieß so, weil die Schie­nen un­ter­halb der Kai­ser­stra­ße an ei­ner Stel­le in der Form ei­nes Y ver­legt wer­den soll­ten. Die Va­ri­an­te wur­de aber nie spruch­reif.

Zwie ZKM: Das Zen­trum für Kunst und Me­dien­tech­no­lo­gie wur­de 1989 ge­grün­det und be­fin­det sich seit 1997 in ei­nem denk­mal­ge­schütz­ten In­dus­trie­bau ei­ner ehe­ma­li­gen Mu­ni­ti­ons­fa­brik – di­rekt ne­ben dem Ge­bäu­de der Bun­des­an­walt­schaft. Vom 21. Ju­ni bis 17. April 2016 bie­tet das ZKM im Rah­men der „Glo­ba­le“Aus­stel­lun­gen und Ver­an­stal­tun­gen zu den gro­ßen The­men des 21. Jahr­hun­derts: Glo­ba­li­sie­rung und Di­gi­ta­li­sie­rung.

Ro­te Ro­ben: Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ist Ge­richt und Ver­fas­sungs­or­gan zu­gleich. Es be­steht aus zwei Se­na­ten, de­nen je­weils acht Rich­te­rin­nen und Rich­ter an­ge­hö­ren.

Bau­stel­len-Haupt­stadt: Die Ar­bei­ten zur Kom­bi­lö­sung be­stim­men seit Jah­ren das Stadt­bild.

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