Tipps & The­men Mut­ter­spra­che: Sa­rah Con­nor singt jetzt auf Deutsch

Sa­rah Con­nor er­zählt, war­um sie nach vie­len Jah­ren plötz­lich auf Deutsch singt

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Sa­rah Con­nor

Mit ih­rem ers­ten deutsch­spra­chi­gen Al­bum trifft Sa­rah Con­nor den Zeit­geist. In der ers­ten Wo­che schaff­te „Mut­ter­spra­che“den di­rek­ten Ein­stieg in die Of­fi­zi­el­len Deut­schen Al­bum­charts auf Platz 1. Doch wie kam es da­zu, dass die Sän­ge­rin plötz­lich auf Deutsch sin­gen woll­te? Sa­rah Con­nor er­zählt es in ei­ge­nen Wor­ten. „Ich kam mit 19 ins Mu­sik­ge­schäft, wur­de auf An­hieb ein „Star“in Deutsch­land, Eu­ro­pa und so­gar ein biss­chen in Ame­ri­ka, ver­kauf­te über sie­ben Mil­lio­nen Plat­ten und ha­be 2005 mei­ne Hoch­zeit und drei Mo­na­te mei­nes schnel­len Le­bens im Ram­pen­licht im Fern­se­hen mit ei­nem rie­si­gen Pu­bli­kum ge­teilt. Heu­te weiß ich, dass dies mei­ne War­hol’schen 15 Mi­nu­tes of Fa­me wa­ren – ei­ne ge­teil­te Ober­flä­che, ei­ne schil­lern­de, fas­zi­nie­ren­de Pop-Bub­b­le. Das wa­ren die ers­ten zehn Jah­re mei­ner Kar­rie­re. An mei­nem neu­en Al­bum ha­be ich die letz­ten fünf Jah­re ge­ar­bei­tet, da ich dar­auf be­stan­den ha­be, auch die Jobs selbst zu ma­chen, für die man nor­ma­ler­wei­se je­man­den en­ga­giert. Ein­fach und al­lein aus dem Grund, weil ich nie­man­den ge­fun­den ha­be, der es mir so rich­tig Recht ma­chen konn­te. Ich woll­te mei­ne Songs nicht in frem­de Ver­ant­wor­tung über­ge­ben. Ich ha­be mich mei­ner ei­ge­nen Vor­stel­lung von Mu­sik, von Ge­sang, von ei­ge­nen Tex­ten ge­wid­met und mir al­le Zeit der Welt ge­nom­men, die mei­ne Songs von mir ge­for­dert ha­ben. An­fang letz­ten Jah­res hat mich ei­ne Freun­din Pe­ter Pla­te, Ulf Som­mer und Da­ni­el Faust vor­ge­stellt – das wa­ren in ih­rem „vo­ri­gen Le­ben“Ro­sen­stolz. Und plötz­lich wa­ren da Men­schen mit ei­nem ex­trem fein­füh­li­gen Händ­chen. Ganz be­hut­sam, mit viel Spaß und sanf­ter Be­stimmt­heit, ha­ben sie mich er­mu­tigt, mei­nen In­stink­ten zu fol­gen, ha­ben sich auf mich und mei­ne ei­gen­wil­li­ge Art zu tex­ten und zu kom­po­nie­ren ein­ge­las­sen und wur­den in­ner­halb von ein paar Mo­na­ten mei­ne wich­tigs­te Re­fle­xi­ons­flä­che. Oh­ne ih­re Lie­be und Freund­schaft und ihr Ta­lent wä­re die­ses Al­bum ein völ­lig an­de­res ge­wor­den. Ich ha­be mich da­bei zeit­wei­se ein we­nig ent­fernt vom ty­pi­schen Soul von Are­tha Fran­klin und Nat King Co­le und Mar­vin Gaye – der Mu­sik, mit der ich auf­ge­wach­sen bin – und an­ge­fan­gen mi­ni­ma­lis­tisch ar­ran­gier­te Songs zu schrei­ben, die mei­ner Art zu Sin­gen ent­spre­chen, die mei­ne Rei­me und Me­lo­di­en gut ver­tra­gen. Denn das ist ge­nau die Her­aus­for­de­rung: Mu­sik und Text müs­sen in­ein­an­der auf­ge­hen, die ei­ge­ne Spra­che muss sing­bar ge­macht wer­den, da­mit mei­ne Songs funk­tio­nie­ren. Und: Die Pro­duk­ti­on darf die Stim­me nicht er­schla­gen. Ich su­che im Stu­dio im­mer nach der Es­senz des­sen, was ich aus­drü­cken will. Ich will nicht sper­rig sein, aber auch nicht zu leicht, ich will zu­gleich un­ter­hal­ten, aber vor al­lem will ich ehr­lich blei­ben. Text­lich und mu­si­ka­lisch. Und das dau­ert. Für mich fühlt sich das an wie ei­ne Wis­sen­schaft. Und es er­klärt, wes­halb mein neu­es Al­bum fünf Jah­re ge­braucht hat, und war­um ich es in mei­ner Mut­ter­spra­che ein­ge­sun­gen ha­be. Jetzt ent­las­se ich die­ses Al­bum, die­se Samm­lung von Songs, in die Welt, wo es ein Ei­gen­le­ben füh­ren wird. Es fühlt sich so an, als wä­re ein Kind er­wach­sen ge­wor­den.“

Kaum wie­der­zu­er­ken­nen: Sa­rah Con­nor singt plötz­lich auf Deutsch – und es passt gut zu ihr. Die neu­en Songs klin­gen ein biss­chen nach Ro­sen­stolz. Foto: Ni­na Kuhn/Universal Mu­sic

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