300 Jah­re Karls­ru­he: Die Ba­di­schen Neu­es­ten Nach­rich­ten be­rich­ten täg­lich

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region -

Wo­bei ein neu­er Steg aus hel­lem Holz mit an­stei­gen­dem Un­ter­bau aus Rohr­stahl sich durch­aus kunst­voll in die Ober­ge­schos­se win­det. Aber der Clou ist die Cloud, die Wol­ke im Raum. Al­le paar Mi­nu­ten sprü­hen Ge­rä­te Was­ser in den Hal­len­bau, das sich bei rich­tig ge­steu­er­ter Tem­pe­ra­tur und durch die Bei­ga­be von Kon­den­sa­ti­ons­kei­men als Ae­ro­sol­par­ti­kel in ei­ne Wol­ke ver­wan­delt. Das wei­ße Ge­bil­de zieht wei­ter und ver­än­dert sei­ne Form. Be­su­cher kön­nen heu­te ab 14 Uhr in das ver­gäng­li­che Ge­bil­de über den Steg und ei­ne Platt­form ein­tau­chen. Wie der „Wan­de­rer über dem Ne­bel­meer“im Ge­mäl­de von Cas­par Da­vid Fried­rich. Viel­leicht be­geg­net man so­gar Wol­ke sie­ben? Gut 40 Grad herr­schen in die­ser klei­nen Kunst­sau­na wei­ter oben im Licht­hof. Die Ener­gie­in­ge­nieu­re von Trans­so­lar in Stutt­gart und der ja­pa­ni­sche Ar­chi­tekt Tet­suo Kon- do er­zeu­gen im ZKM Wol­ken­land­schaf­ten (Cloud­scapes), wie schon 2010 für den ja­pa­ni­schen Pa­vil­lon der Bi­en­na­le Ve­ne­dig und 2013 für ein To­kio­ter Mu­se­um. Nicht die na­tür­li­chen Wol­ken um­ge­ben in die­ser In­stal­la­ti­on das Mu­se­um – es ist genau um­ge­kehrt: Das ZKM-Ge­bäu­de um­gibt die Wol­ke, die als Kunst er­zeugt wird. „Es wer­den nicht mehr wie in der Kunst der Re­prä­sen­ta­ti­on ge­mal­te oder ge­film­te Wol­ken ge­zeigt. Die tech­ni­sche Her­stel­lung be­deu­tet, dass der Mensch die Na­tur er­zeu­gen, steu­ern und kon­trol­lie­ren kann“, sagt ZKM-Chef Pe­ter Wei­bel. Im Mu­se­ums-La­bor der Kunst­fa­brik ist das kein Schre­ckens­sze­na­rio, son­dern ei­ne Kli­ma­ver­än­de­rung und ein Bild für das wis­sen­schaft­li­che Zeit­al­ter des An­thro­po­zäns. So wird von Fach­leu­ten neu­er­dings je­ne Pha­se der Welt­ge­schich­te ge­nannt, in der wir al­les von Tech­nik durch­drin­gen las­sen und bei­spiels­wei­se als Smart­pho­ne-Nut­zer das Han­dy über al­le Be­geg­nun­gen mit an­de­ren Men­schen oder eben Na­tur stel­len. Das wol­len Künst­ler nicht mo­ra­lisch be­wer­ten. Sie kön­nen spie­len mit der von au­ßen ver­än­der­ten Evo­lu­ti­on, aber auch Fol­gen des di­gi­ta­len Wan­dels zei­gen. Das ist je­den­falls der An­spruch der „Glo­ba­le“. So nennt sich das 300-tä­gi­ge Pro­gramm des ZKM zum Stadt­ge­burts­tag. Die Wol­ken­in­stal­la­ti­on ist ei­ne von (nur) zwei Aus­stel­lun­gen, die viel Platz brau­chen und ab heu­te im ZKM-Ge­bäu­de zu er­le­ben sind. Wäh­rend „Cloud­scapes“nüch­tern die Sin­ne be­ne­belt, setzt „mi­cro/macro“in den Licht­hö­fen 1 und 2 auf Ge­räu­sche und abs­trak­te be­weg­te Bil­der. Ryo­ji Ike­da sorgt für Ge­räu­sche und Tö­ne, die Da­ten­strö­mun­gen sicht­bar ma­chen. Das Werk des Ja­pa­ners wur­de von ei­nem Dia­log mit Wis­sen­schaft­lern des Kern­for­schungs­zen­trums CERN in­spi­riert. Ein pas­sen­der Be­leg für Pe­ter Wei­bels The­se, dass heu­te die Werk­stät­ten von Künst­lern ge­le­gent­lich den La­bo­ren der Na­tur­wis­sen­schaft­lern glei­chen. Das rei­che Ge­biet jen­seits von Markt­und Ak­ti­ons­kunst wol­len Wei­bel und Pro­jekt­lei­te­rin Andrea Bud­den­sieg zei­gen. Sie wäh­nen sich auf den Spu­ren ei­ner „Re­nais­sance 2.0“, weil die Ver­schrän­kung von Kunst und Wis­sen­schaft an das 17. Jahr­hun­dert er­in­ne­re. Die Glo­ba­le kann im Jahr des Stadt­ge­burts­tags nicht nur im ZKM-Stand­ort Hal­len­bau A, dem größ­ten Karls­ru­her Ge­bäu­de, in­sze­niert wer­den. Die Net­ze der Me­di­en­kunst sind weit aus­ge­wor­fen. 35 Or­te in der Stadt wer­den in ei­ne di­gi­ta­le Büh­ne ver­wan­delt. Mit Hil­fe der App „Karls­ru­he Map­to­ry“las­sen sich an Wohn­or­ten von be­kann­ten his­to­ri­schen Frau­en und Män­nern Sze­nen und Mu­sik ab­ru­fen. Der Stadt­rund­gang wird di­gi­tal er­gänzt. IPads und Kopf­hö­rer kön­nen im ZKM aus­ge­lie­hen wer­den, so­fern man nicht ei­ge­ne Ge­rä­te be­nutzt und die App dar­auf lädt. Vom Smart­pho­ne las­sen sich Fo­tos in die Cloud schi­cken, wo sie auf­be­wahrt wer­den. Bei der di­gi­ta­len Wol­ke heißt es: Auf­lö­sen ver­bo­ten. Die na­tür­li­che Wol­ke da­ge­gen kann nicht ein­mal als ZKM-Kunst­werk ar­chi­viert wer­den.

Viel Weiß gibt’s im Zen­trum für Kunst und Me­dien­tech­no­lo­gie zu se­hen. Ein ja­pa­ni­scher Ar­chi­tekt und deut­sche Ener­gie­in­ge­nieu­re er­zeu­gen re­gel­mä­ßig Wol­ken, die durch zwei Licht­hö­fe schwe­ben. Na­tur wird künst­lich er­zeugt und von Mu­se­ums­mau­ern um­ge­ben. Das Pro­jekt „Cloud­scapes“ist ein Teil der Glo­ba­le. Fo­to: avs/Deck

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