Klei­ne Flucht auf der Alt­mühl

Bay­erns ge­müt­lichs­ter Fluss ist ein Traum für Ka­nu­ten

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub -

Al­ler An­fang ist Zick­zack. „Fahrt in der Fluss­mit­te, bis ihr ein Ge­fühl da­für habt, wie das Boot auf eu­re Pad­del­schlä­ge re­agiert“, rät der Gui­de sei­nen Schäf­chen zu Be­ginn der Tour. „Sonst seid ihr schnell wie­der an Land.“Wie es sich zeigt, ein gu­ter Rat­schlag, denn vom ru­hi­gen Da­hin­glei­ten kann erst ein­mal kei­ne Re­de sein. Win­ne­tou hat den Ka­na­di­er im­mer ganz mü­he­los auf Kurs ge­hal­ten. Blu­ti­gen An­fän­gern kommt ab­wech­selnd erst das ei­ne, dann das an­de­re Ufer be­droh­lich na­he. Aber der Gui­de hat al­le Boo­te im Blick. Ge­dul­dig er­klärt er noch ein­mal, dass es nur ei­nen Steu­er­mann an Bord gibt, und der sitzt hin­ten. Wer vor­ne pad­delt, ist für den An­trieb zu­stän­dig. Und sie­he da, nach ein paar Mi­nu­ten hat es Klick ge­macht. Die Alt­mühl, die in der Nä­he von Kehl­heim in die Do­nau mün­det, ist ei­ner der be­lieb­tes­ten Wan­der­flüs­se Deutsch­lands. Das idea­le Re­vier für Ein­stei­ger und Fa­mi­li­en, denn mit ih­rer ge­rin­gen Fließ­ge­schwin­dig­keit schaut sie über An­fän­ger­feh­ler ganz ge­las­sen hin­weg. Die al­te Dorf­müh­le von Soln­ho­fen ist schon seit En­de der 1990er-Jah­re ein Ka­nu- und Out­door­zen­trum. Eher zu­fäl­lig hat­te sie Chris­toph Mar­tin, der heu­ti­ge Ge­schäfts­füh­rer ent­deckt, als er auf der Su­che nach ei­nem Platz für ei­ne Hand­voll Boo­te war, mit de­nen er schon da­mals Tou­ren auf der Alt­mühl führ­te. Die Stre­cke vom mit­tel­frän­ki­schen Treucht­lin­gen über Soln­ho­fen bis in die ober­baye­ri­sche Uni­ver­si­täts­stadt Eich­stätt ist der schöns­te Ab­schnitt der Alt­mühl. Hier tei­len sich Wan­de­rer, Rad­fah­rer und Klet­te­rer den Na­tur­park Alt­mühl­tal mit den Ka­nu­ten. Schon bald nach Soln­ho­fen liegt am lin­ken Hang des Tals ein land­schaft­li­cher Hö­he­punkt der Rei­se auf dem Fluss: die be­rühm­te Fels­for­ma­ti­on „die Zwölf Apos­tel“. Die Ru­he auf dem Was­ser, der Rhyth­mus, mit dem das Pad­del­blatt ein­taucht, und das in­ten­si­ve Na­tur­er­leb­nis las­sen den All­tag ver­ges­sen und ma­chen den Kopf frei. Ei­ne sol­che klei­ne Flucht soll­te man sich häu­fi­ger gön­nen. Der Ad­re­na­lin­spie­gel steigt wie­der, als sich der Tross nach an­dert­halb St­un­den der Ham­mer­müh­le nä­hert. Man hört das Rau­schen der ers­ten klei­nen Strom­schnel­le schon ein Stück vor­her. Vor dem sport­li­chen Hö­he­punkt steht ei­ne Brot­zeit­pau­se auf dem Pro­gramm. Wer sei­nen Ka­na­di­er nicht um die Strom­schnel­le her­um tra­gen möch­te, muss die rund zwei Me­ter brei­te Fahr­rin­ne tref­fen und un­ten rich­tig ins Kehr­was­ser ein­fah­ren, um nicht zu ken­tern. Die Strö­mung zieht das Boot gera­de. Ei­ne grö­ße­re Wel­le sorgt da­für, dass die Be­sat­zung nicht ganz tro­cken durch­kommt, aber al­le ha­ben es ge­schafft: die ers­te Boots­rut­sche des jun­gen Ka­nu­ten­le­bens! Stolz geht es wei­ter fluss­ab­wärts. Nach drei Ki­lo­me­tern folgt in Hagenacker die zwei­te Rut­sche. Bald da­nach geht es auf die Ziel­ge­ra­de, die Aus­stiegs­stel­le in Dollnstein ist in Sicht. Das Er­leb­nis auf der Alt­mühl geht zu En­de, aber es war ganz si­cher nicht die letz­te Tour. Win­ne­tou lässt grü­ßen.

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