In Ba­ku schon von Rio ge­träumt

Für Karls­ru­her Ka­nu­tin­nen wa­ren die um­strit­te­nen Eu­ro­pa­spie­le durch­aus ei­ne Rei­se wert

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport -

Men­schen­rechts­ak­ti­vis­ten kri­ti­sie­ren die ers­ten „Olym­pi­schen Spie­le Eu­ro­pas“in Aser­bai­dschan. Und auch der sport­li­che Wert der Ver­an­stal­tung, die von den Eu­ro­päi­schen Olym­pi­schen Ko­mi­tees in der Ex-So­wjet­re­pu­blik aus­ge­rich­tet wird, steht in­fra­ge. Ins­ge­samt sind 20 Sport­ar­ten ver­tre­ten, 16 olym­pi­sche und vier nicht-olym­pi­sche. In den olym­pi­schen Kern­sport­ar­ten Leicht­ath­le­tik und Schwim­men neh­men kei­ne Top-Ath­le­ten teil. Zu­dem tre­ten von 2018 an die olym­pi­schen Som­mer-Sport­ar­ten Leicht­ath­le­tik, Schwim­men, Tri­ath­lon, Ru­dern und Rad­sport ge­mein­sam mit ih­ren Eu­ro­pa­meis­ter­schaf­ten als Idee in Kon­kur­renz zu den Eu­ro­pa­spie­len. Der Deut­sche Ka­nu-Ver­band (DKV) nahm die Eu­ro­pa­spie­le, trotz Un­mut am Zeit­punkt, ernst. So kam es in Ming­a­che­vir, rund 300 Ki­lo­me­ter west­lich von Ba­ku, qua­si zur Neu­auf­la­ge der im Mai aus­ge­tra­ge­nen EM – auch wenn bei­spiels­wei­se der deut­sche Pre­mie­ren­sie­ger Max Hoff (ge­wann Gold über 1 000 und 5 000 Me­ter im Ei­ner-Ka­jak) vor den Ba­kuSpie­len über den „Schwach­sinns-Zeit- punkt“ge­wet­tert und klar ge­macht hat­te, dass der Fo­kus auf der WM (19. bis 23. Au­gust) in Mai­land liegt: „Wenn wir dort nicht gut sind, fah­ren wir nicht zu Olym­pia. Und da schaut die Welt hin.“Bei den Eu­ro­pa­spie­len ha­ben die deut­schen Ka­nu­ten ins­ge­samt je drei­mal Gold und Sil­ber so­wie ein­mal Bron­ze ge­holt. Bis nächs­ten Sonn­tag ge­hen die Eu­ro­pa­spie­le noch, doch die Ka­nu­tin­nen Ve­re­na Hantl und Sa­bi­ne Volz von den Rhein­brü­dern Karls­ru­he kehr­ten be­reits mit ei­ner Sil­ber­me­dail­le, drei Top-Ten-Plat­zie­run­gen – und vie­len Ein­drü­cken – zu­rück nach Deutsch­land. Am Mitt­woch stie­gen sie in Frankfurt aus dem Flie­ger. Ve­re­na Hantl ge­wann in „ei­nem der schöns­ten Ren­nen, die wir je­mals ge­fah­ren sind“, Sil­ber im Vie­rer­ka­jak über 500 Me­ter mit Fran­zis­ka Weber, Con­ny Waß­muth (bei­de Pots­dam) und Ti­na Dietze (Leip­zig). Da­bei muss­te sich das deut­sche Quar­tett nur den Un­ga­rin­nen ge­schla­gen ge­ben. Im Ei­n­er­ka­jak über 500 Me­ter ge­wann Hantl das B-Fi­na­le. „Je­des Ren­nen gibt mir wei­te­re Er­fah­rung, denn ich ha­be ge­merkt, dass mir die im Ei­ner noch fehlt. Der Sieg war ein schö­ner Ab­schluss der Eu­ro­pa­spie­le für mich“, sag­te die 25-Jäh­ri­ge. Sa­bi­ne Volz wur­de im Zwei­er­ka­jak Sieb­te und im Ei­n­er­ka­jak Ach­te über 200 Me­ter. Ei­nen „Mo­ti­va­ti­ons­schub“gab ihr das Se­mi­fi­na­le. Mit 39,736 Se­kun­den stell­te die 24-jäh­ri­ge Sprin­te­rin ei­ne neue per­sön­li­che Best­zeit auf. „Auch wenn der Wind si­cher­lich ge­hol­fen hat, es war mei­ne schnells­te Zeit die ich je ge­fah­ren bin“, freu­te sie sich. Doch nicht nur sport­li­che Er­leb­nis­se ha­ben die bei­den Karls­ru­her Olym­pia-Hoff­nun­gen nach der Rück­kehr im Ge­päck. „Wir wa­ren ei­ne Nacht im Ath­le­ten­dorf und konn­ten das Fee­ling ge­nie­ßen. Wir wa­ren to­tal auf­ge­dreht und glück­lich, dass wir das al­les se­hen und er­le­ben durf­ten“, er­zäh­len sie und fü­gen hin­zu, dass die Ein­bli­cke ins Ath­le­ten­dorf ih­ren Wunsch nach der Qua­li­fi­ka­ti­on für die Olym­pi­schen Spie­le 2016 in Rio de Janei­ro noch­mals ver­stärkt ha­ben. Zu­mal dort die Re­gat­ta­stre­cke di­rekt in Rio ist und sie dann die gan­ze Zeit über im Olym­pi­schen Dorf sein könn­ten. Bei den Eu­ro­pa­spie­len in Ba­ku wa­ren die Ka­nu­ten als ein­zi­ge Sport­ler nicht in Aser­bai­dschans Haupt­stadt un­ter­ge­bracht. „Das ist schon ein Kack“, mein­te Max Hoff. „So ist es der glei­che Wett­kampf wie sonst auch, es sind die glei­chen Leu­te wie im­mer...“Ge­wöh­nungs­be­dürf­tig wa­ren für die Ath­le­tin­nen die ex­tre­men Si­cher­heits­vor­keh­run­gen. Bei der Ein­rei­se hieß es für das Team vier St­un­den auf die Ta­schen war­ten, weil die al­le ein­zeln „ge­filzt“wur­den. Auch die täg­li­che An­rei­se an die Wett­kampf­stät­te war mit Si­cher­heits-Checks ver­bun­den. „Das hat teil­wei­se ge­nervt“, sagt Ve­re­na Hantl. Bal­sam für die See­le wa­ren da die Vol­un­te­ers vor Ort. „Die Leu­te ha­ben sich to­tal be­müht“, be­rich­tet die Karls­ru­he­rin über die Be­kämp­fung des Was­ser­pflan­zen­be­falls an der Re­gat­ta­stre­cke. „Die sind per­ma­nent mit Net­zen übers Was­ser ge­pflügt“, er­gänzt sie amü­siert.

Wunsch nach Qua­li für Olym­pia ver­stärkt

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