In Dur­lach ge­blie­ben: Die Ge­mah­lin des Stadt­grün­ders

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - An­net­te Bor­chardt-Wen­zel

Die Be­su­cher des Ba­di­schen Lan­des­mu­se­ums be­äu­gen die Mark­grä­fin kri­tisch. Mag­da­le­ne Wil­hel­mi­nes prä­gnan­te Na­se sticht ins Au­ge: „Schön war sie ja wirk­lich nicht“, kom­men­tiert ei­ne Frau. Ist sie al­so wahr, die Le­gen­de, wo­nach Mark­graf Karl Wil­helm von Ba­den-Dur­lach vor 300 Jah­ren Karls­ru­he grün­de­te, um sei­ner un­at­trak­ti­ven Ge­mah­lin, ih­rem Ge­zänk und ih­rer Fröm­me­lei zu ent­ge­hen? Ger­ne wür­de man von Mag­da­le­ne Wil­hel­mi­ne die un­ge­hal­te­ne Re­de ei­ner un­ge­hal­te­nen Frau hö­ren. Aber die Ge­mah­lin des Stadt­grün­ders gibt ih­re Ge­füh­le nicht preis. Et­wa 30 Jah­re alt ist die ge­bo­re­ne Her­zo­gin von Würt­tem­berg auf ei­nem we­nig be­kann­ten Por­trait, das das Haus Ba­den für die Gro­ße Lan­des­aus­stel­lung „Karl Wil­helm 1679 – 1738“zur Ver­fü­gung ge­stellt hat. Die Lip­pen zei­gen die An­deu­tung ei­nes Lä­chelns, an­sons­ten ist die Mark­grä­fin ganz Wür­de – sie weiß, was sie ih­rem Stand schul­dig ist. Und ih­re Ehe? Lie­bes­hei­ra­ten fie­len in der Ba­rock­zeit aus dem Rah­men – ty­pisch wa­ren Zweck­ge­mein­schaf­ten, die den Be- stand der Dy­nas­tie si­chern soll­ten. In die­ser Hin­sicht hat­te sich der Erb­prinz von Ba­den-Dur­lach zu­nächst we­nig en­ga­giert ge­zeigt. So wies ihn sein Va­ter streng an: Karl Wil­helm sol­le sei­ner Ge­mah­lin „wie es de­ro vor Got­tes An­ge­sicht ab­ge­stat­te­te Pflicht er­for­dert, bei­woh­nen, sel­bi­ge eh­ren und lie­ben und in kei­ner­lei Wei­se be­lei­di­gen“. Nach­dem Mag­da­le­ne Wil­hel­mi­ne ihm drei Kin­der ge­schenkt hat­te, sah Karl Wil­helm frei­lich kei­ne Not­wen­dig­keit mehr zu ehe­li­chen Pflicht­übun­gen. Dem Ap­par­te­ment sei­ner Frau in der Dur­la­cher Karls­burg hielt er sich fort­an fern. Ver­gnü­gen fand er in an­de­ren Bet­ten. So än­der­te sich für Mag­da­le­ne Wil­hel­mi­ne ei­gent­lich we­nig, als ihr Ge­mahl ins Karls­ru­her Schloss um­zog. Die Mark­grä­fin ver­grö­ßer­te ihr Ap­par­te­ment in der Karls­burg und schmück­te die Räu­me mit Sil­ber- so­wie Lack­mö­beln, kost­ba­ren Uh­ren, Ge­mäl­den und ei­ner Por­zel­lan­samm­lung – Mag­da­le­ne Wil­hel­mi­ne, die von der Nach­welt oft auf ih­re Fröm­mig­keit und Wohl­tä­tig­keit re­du­ziert wur­de, hat­te viel Sinn für ba­ro­cken Prunk. Ein Rei­sen­der stell­te bei ei­nem Be­such in Dur­lach fest, dass die al­lein Hof hal­ten­de Mark­grä­fin „die ihr zu­ge­sto­ße­nen Ver­drieß­lich­kei­ten mit viel Ge­las­sen­heit“er­tra­ge. Wer frei­lich glaubt, dass die Ge­mah­lin des Stadt­grün­ders das Karls­ru­her Schloss, die­sen „Sün­den­pfuhl“, nie be­tre­ten hät­te, der irrt. Mag­da­le­ne Wil­hel­mi­ne über­nach­te­te bis­wei­len in ei­nem Gäs­teap­par­te­ment – wenn in Karls­ru­he gro­ße Fes­te an­stan­den oder Fürs­ten zu Be­such wa­ren, leg­te Karl Wil­helm Wert auf ih­re An­we­sen­heit. Um­so bes­ser passt es, dass bei der Aus­stel­lung an­läss­lich des Stadt­ge­burts­tags Mag­da­le­ne Wil­hel­mi­nes mit meh­re­ren Por­traits ge­dacht wird. Die Da­me er­zählt ei­ne et­was an­de­re Karls­ru­her Ge­schich­te – und schweigt ho­heits­voll, wenn je­mand kom­men­tiert: „Schön war sie ja wirk­lich nicht.“

Sie blieb nach der Grün­dung Karls­ru­hes in Dur­lach: Mark­grä­fin Mag­da­le­ne Wil­hel­mi­ne. Die­ses Ge­mäl­de ist der­zeit in der Karl-Wil­helm-Aus­stel­lung im Ba­di­schen Lan­des­mu­se­um zu se­hen. Bild:

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