Karls­ru­hes Grün­der: Als der Mark­graf noch ein Kind war

Der Grün­der Karls­ru­hes hat­te als Kind ei­nen ganz schön voll­ge­stopf­ten St­un­den­plan

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - An­net­te Bor­chardt-Wen­zel

Karls­ru­he fei­ert den 300. Ge­burts­tag. Ge­grün­det wur­de die Stadt von Mark­graf Karl Wil­helm. Der war da­mals Herr­scher über Ba­den-Dur­lach, ein klei­nes Länd­chen am Ober­rhein. Als er be­schloss, im Hardtwald ein Schloss bau­en zu las­sen und ei­ne neue Stadt da­zu, muss­te er nie­man­den um Er­laub­nis fra­gen, denn Karl Wil­helm re­gier­te ab­so­lu­tis­tisch. Das heißt, dass al­le Macht bei ihm lag und sein Wil­le Ge­setz war. Schon als Karl Wil­helm 1679 in der Dur­la­cher Karls­burg zur Welt kam, war klar, dass er ein­mal über das Land re­gie­ren wür­de, denn er war der äl­tes­te Sohn und sei­ne Schwes­tern zähl­ten in die­ser Be­zie­hung nicht. Das er­scheint uns ganz schön un­ge­recht, aber da­mals hat­ten die Men­schen in vie­len Din­gen an­de­re Vor­stel­lun­gen als wir heu­te. So war es für Karl Wil­helm, aber auch für sei­ne Un­ter­ta­nen selbst­ver­ständ­lich, dass er al­lein we­gen sei­ner fürst­li­chen Ge­burt viel hö­her stand als an­de­re Leu­te. Trotz­dem war das Le­ben als Prinz nicht un­be­dingt ein Zu­cker­schle­cken. Na­tür­lich – Karl Wil­helm hat­te im­mer gu­tes Es­sen, vor­neh­me Klei­der und Die­ner, die für ihn sorg­ten. Aber es wur­de auch ei­ni­ges von ihm ver­langt. Sein Va­ter, Fried­rich Magnus, woll­te, dass Karl Wil­helm ein­mal ein „gu­ter Fürst“wür­de – und des­we­gen hieß es für den Sohn: ler­nen, ler­nen, ler­nen. Ein ganz wich­ti­ges Fach war da­mals Re­li­gi­on, aber auch Ge­schich­te stand hoch im Kurs, zu­dem Latein und mo­der­ne Fremd­spra­chen wie Fran­zö­sisch und Englisch. Karl Wil­helm war of­fen­bar ein schlau­es Kerl­chen und lern­te rasch – nur im Schön­schrei­ben war er ei­ne ech­te Nie­te. Bei ei­ner Aus­stel­lung im Ba­di­schen Lan­des­mu­se­um kann man ei­nes sei­ner Schreib-Übungs­hef­te an­schau­en. Ver­sucht doch mal, die Sau­klaue des Prin­zen zu ent­zif­fern! Mit den klas­si­schen Schul­fä­chern war es nicht ge­tan. Als Prinz be­kam Karl Wil­helm auch schon früh Reit- und Tanz­un­ter­richt, au­ßer­dem muss­te er das hö­fi­sche Ze­re­mo­ni­ell er­ler­nen. In der Ba­rock­zeit gab es näm­lich ge­naue Vor­schrif­ten dar­über, wer wen wie zu be­grü­ßen hat­te, wie vie­le Schrit­te man je­man­dem ent­ge­gen ge­hen muss­te und auf wel­chem Stuhl man Platz neh­men durf­te. Und dann be­kam Karl Wil­helm von Of­fi­zie­ren noch Un­ter­richt in der „Kunst“der Kriegs­füh­rung. Sein Va­ter ließ ex­tra für ihn ei­ne klei­ne Fe­s­tungs­an­la­ge bau­en, wo er schon mal üben konn­te – als Kom­man­deur der Dur­la­cher Schul­ju­gend. Lei­der war der Krieg zu Karl Wil­helms Zei­ten nicht nur ein Kin­der­spiel: 1688 brach wie­der ein­mal ei­ner aus und bald stand in un­se­rer Re­gi­on al­les in Flam­men. Als Karl Wil­helm zehn Jah­re alt war, wur­de sei­ne Hei­mat­stadt Dur­lach nie­der­ge­brannt. Das hat der jun­ge Prinz al­ler­dings nicht selbst er­le­ben müs­sen: Sei­ne Fa­mi­lie brach­te sich recht­zei­tig ins neu­tra­le Ba­sel in Si­cher­heit. In Ba­sel blieb Karl Wil­helm nicht lan­ge. Ler­nen, ler­nen, ler­nen war auch in Kriegs­zei­ten an­ge­sagt. Mit elf Jah­ren wur­de Karl Wil­helm an die Uni­ver­si­tät Lau­sanne, dann nach Genf und schließ­lich nach Ut­recht in den Nie­der­lan­den ge­schickt. Neun St­un­den Un­ter­richt am Tag wa­ren nor­mal und sonn­tags stan­den Got­tes­diens­te und Bi­bel­stu­di­um auf dem Pro­gramm. Dann kam die „Ka­va­liers­rei­se“an die Rei­he, bei der der Erb­prinz von Ba­den-Dur­lach vie­le eu­ro­päi­sche Städ­te und Hö­fe be­such­te – so soll­te er sei­nen Ho­ri­zont er­wei­tern und an­de­re Fürs­ten­fa­mi­li­en ken­nen­ler­nen. Wie es ihm als Er­wach­se­nem er­ging? Das könnt Ihr in der Lan­des­aus­stel­lung er­fah­ren. Nur so viel sei schon mal ver­ra­ten: Im Jahr 1709 starb Karl Wil­helms Va­ter und er trat die Re­gie­rung an. Da tob­te längst wie­der ein an­de­rer Krieg in Eu­ro­pa. Mark­graf Karl Wil­helm war­te­te ab, bis Frie­den ge­schlos­sen war, ehe er Karls­ru­he grün­de­te. Schließ­lich woll­te er in der neu­en Stadt sei­ne Ru­he ha­ben!

Mit elf Jah­ren an die Uni­ver­si­tät

Illustration: Steffen Butz Karls­ru­he/BLM

Im Karls­ru­her Schloss ist zur Zeit ei­ne gro­ße Aus­stel­lung über den Mark­gra­fen Karl Wil­helm zu se­hen. Für Kin­der gibt es da­zu das Heft „Karl & Tal­eb“mit Zeich­nun­gen von Steffen Butz. In dem Co­mic er­zählt der 13-jäh­ri­ge Mu­se­ums­füh­rer Tal­eb, wie das so war mit dem Mark­gra­fen Karl Wil­helm von Ba­den-Dur­lach und sei­ner neu­en Stadt.

Bild: © Haus Ba­den. Sa­lem

So sah der Grün­der Karls­ru­hes aus, als er et­wa sie­ben Jah­re alt war. Der Künst­ler Jo­hann Ge­org Wa­gner mal­te Karl Wil­helm und sei­ne El­tern. Was Ihr hier seht, ist ein Aus­schnitt aus dem Fa­mi­li­en­por­trait.

Bild: Stadt­ar­chiv Karls­ru­he

Als Karl Wil­helm zehn Jah­re alt war, wur­de sei­ne Hei­mat­stadt Dur­lach nie­der­ge­brannt. Er selbst hat das nicht mit­er­lebt: Sei­ne El­tern wa­ren mit den Kin­dern nach Ba­sel ge­flo­hen.

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