Flucht aus dem Ur­laub

Rei­sen­de ver­las­sen Tu­ne­si­en / Meis­te Op­fer wohl Bri­ten

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - AFP/avs

Nach dem blu­ti­gen An­schlag auf ein Strand­ho­tel in Tu­ne­si­en ver­las­sen tau­sen­de Ur­lau­ber das Land. Die bri­ti­schen Rei­se­an­bie­ter Thom­son und First Choice flo­gen am Sams­tag mit zehn Flug­zeu­gen rund 2 500 Ur­lau­ber heim. Auch der deut­sche Rei­se­an­bie­ter TUI brach­te 80 Ur­lau­ber nach Hau­se. Die Mehr­zahl der 38 To­des­op­fer stamm­te of­fen­bar aus Groß­bri­tan­ni­en, doch wa­ren auch Deut­sche un­ter den To­ten. Ge­ne­ral­bun­des­an­walt Harald Ran­ge lei­te­te Er­mitt­lun­gen im Zu­sam­men­hang mit dem An­schlag ein. Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re will mor­gen an den Ort der Ter­roratta­cke rei­sen. Der bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­ter Da­vid Ca­me­ron warn­te, sei­ne Lands­leu­te müss­ten sich dar­auf ein­stel­len, „dass vie­le der Ge­tö­te­ten Bri­ten wa­ren“. Es sei da­von aus­zu­ge­hen, dass die Zahl der ge­tö­te­ten Bri­ten wei­ter stei­ge. Laut tu­ne­si­schem Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um wur­den bis­lang un­ter den To­ten neun Bri­ten, ei­ne Bel­gie­rin und ein Deut­scher iden­ti­fi­ziert. Auch ei­ne Irin und ei­ne Por­tu­gie­sin sind un­ter den To­ten, wie die je­wei­li­gen Re­gie­run­gen mit­teil­ten. Die Iden­ti­fi­zie­rung ist laut den tu­ne­si­schen Be­hör­den schwie­rig, da die meis­ten Op­fer am Strand oder am Swim­ming­pool in Ba­de­klei­dung er­schos­sen wur­den und kei­ne Pa­pie­re bei sich hat­ten. Laut Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um wur­den 39 Men­schen ver­letzt, dar­un­ter 25 Bri­ten, sie­ben Tu­ne­si­er und drei Bel­gi­er. Ei­ni­ge schweb­ten in Le­bens­ge­fahr. Wie vie­le Deut­sche un­ter den Op­fern wa­ren, war am Sams­tag zu­nächst wei­ter un­klar. Am Frei­tag war ein At­ten­tä­ter in das bei eu­ro­päi­schen Tou­ris­ten be­lieb­te Ho­tel Riu Im­pe­ri­al Mar­ha­ba in Port el Kantaoui bei Sous­se ein­ge­drun­gen und hat­te ge­zielt auf Ur­lau­ber ge­schos­sen, be­vor er selbst ge­tö­tet wur­de. Er wur­de als der 1992 ge­bo­re­ne Stu­dent Sei­fed­di­ne Rez­gui iden­ti­fi­ziert. Die Is­la­mis­ten­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS) be­kann­te sich im Kurz­mit­tei­lungs­dienst Twit­ter zu dem An­schlag. Bei den ge­tö­te­ten Men­schen han­de­le es sich „zum Groß­teil um An­ge­hö­ri­ge von Staa­ten, die ge­gen den IS kämp­fen“, hieß es. Der An­schlag ist ein wei­te­rer schwe­rer Schlag für Tu­ne­si­en, nach­dem Mit­te März zwei Män­ner bei ei­nem An­griff auf das Bar­do-Na­tio­nal­mu­se­um in Tu­nis 21 Tou­ris­ten und ei­nen Po­li­zis­ten ge­tö­tet hat­ten. Noch in der Nacht zum Sams­tag tra­fen Hun­der­te Ur­lau­ber am Flug­ha­fen von En­fidha zwi­schen Sous­se und Tu­nis ein, um das Land zu ver­las­sen. Al­lein in der Nacht gin­gen 13 Flü­ge in Rich­tung Eu­ro­pa. Der Rei­se­kon­zern TUI er­klär­te, in der Nacht sei­en 80 Gäs­te nach Deutsch­land zu­rück­ge­kehrt. Bis Sonn­tag wür­den 120 wei­te­re Ur­lau­ber nach Deutsch­land heim­flie­gen. Zur Tat­zeit wa­ren rund 20 000 bri­ti­sche Ur­lau­ber im Rah­men or­ga­ni­sier­ter Rei­sen in Tu­ne­si­en. Dem Land droht nun der Ein­bruch des Tou­ris­mus, der di­rekt oder in­di­rekt 400 000 Men­schen be­schäf­tigt. Mi­nis­ter­prä­si­dent Ha­bib Es­sid ord­ne­te an, dass vom 1. Ju­li an „ent­lang der gan­zen Küs­te und in Ho­tels“be­waff­ne­te Si­cher­heits­kräf­te pos­tiert sind. Er kün­dig­te zu­dem die Schlie­ßung von 80 Mo­sche­en an, in de­nen Gläu­bi­ge „zum Ter­ro­ris­mus an­ge­sta­chelt“wur­den.

300 Deut­sche auf dem Weg nach Hau­se

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