Die Spiel­leu­te aus Karls­ru­he

Sal­ta­tio Mor­tis wol­len mit ih­rem neu­en Al­bum wie­der die Charts stür­men

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region -

Mit­tel­al­ter-Rock ist seit ei­ni­gen Jah­ren schwer an­ge­sagt in Deutsch­land. Längst spie­len die Bands, die op­tisch meist et­was ge­wöh­nungs­be­dürf­tig sind, nicht mehr nur auf Mit­tel­al­ter-Fes­ti­vals, son­dern fül­len gro­ße Hal­len. Ei­ne der er­folg­reichs­ten Bands die­ses Gen­res heißt Sal­ta­tio Mor­tis und kommt aus Karls­ru­he. Die letz­te Stu­dio-CD „Das schwar­ze Ein­mal Eins 1 x 1“er­schien im Som­mer 2013 und hielt sich sa­ge und schrei­be fünf Wo­chen auf Platz 1 der deut­schen Charts. 13 Jah­re nach ih­rer Band­grün­dung hat­ten Sal­ta­tio Mor­tis dank ih­rer stän­dig wach­sen­den Fan­ge­mein­de ei­nen ers­ten gro­ßen Mei­len­stein ih­rer Kar­rie­re er­reicht. Im An­schluss an die Ver­öf­fent­li­chung tour­ten die acht Spiel­leu­te un­er­müd­lich durch deut­sche Hal­len und ver­öf­fent­lich­ten im De­zem­ber 2013 die Blu-ray „Pro­vo­ca­tio“mit ei­ner drei­stün­di­gen Show, die auf dem Mit­tel­al­ter­lich Phan­ta­sie Spec­ta­cu­lum in Ham­burg auf­ge­nom­men wur­de. Beim neu­en Al­bum „Zir­kus Zeit­geist“wird dem herr­schen­den Zeit­geist in den Ra­chen ge­schaut. Die acht Spiel­leu­te bli­cken ro­ckend mit­tel­al­ter­lich und kri­tisch fra­gend auf un­se­re Welt und un­se­re Ge­sell­schaft. Neu­gie­rig und un­be­fan­gen to­ben sich Sal­ta­tio Mor­tis kunst­voll mit ih­ren mit­tel­al­ter­li­chen In­stru­men­ten und ei­nem or­dent­li­chen Pfund Rock so mo- dern wie noch nie durch un­se­re Welt und hal­ten dem Zeit­geist den sprich­wört­li­chen Spie­gel vor. Gro­ße Sor­gen be­rei­ten der Band un­ter an­de­rem die all­ge­gen­wär­ti­gen Hor­den von Neo­na­zis und de­ren „Sieg Heil“-Ge­brüll. Um das zu ver­deut­li­chen, wa­gen Sal­ta­tio Mor­tis et­was Un­er­hör­tes: In „Au­gen zu“klingt das ver­bo­te­ne „Horst-Wes­sel- Lied“an. Na­tür­lich frag­te sich die Band: „Darf man das?“Ih­re Ant­wort lau­tet: „Na­tür­lich!“Der Staat ver­bie­te die­se SA-Hym­ne und tue so, als sei da­mit das Pro­blem ge­löst. „Ist es aber nicht“, sagt die Band. „Der rech­te Schre­cken exis­tiert wei­ter – und wir öff­nen le­dig­lich die Au­gen und Oh­ren da­für.“Mit ei­nem sound­ge­wor­de­nen Sturm der Ent­rüs­tung fegt die Band im Song „Des Bän­kers neue Klei­der“über die gie­ri­gen Nim­mer­sat­ten der Hoch­fi­nanz hin­weg, die wie der nack­te Kai­ser im Mär­chen je­den Blick für rea­le Wer­te ver­lo­ren ha­ben – ein Nach­schlag zu ih­rem auf­se­hen­er­re­gen­den Ma­ni­fest zu den „Gren­zen des Wachs­tums“2013 und ih­rem Song „Wachs­tum über al­les“. Sal­ta­tio Mor­tis mei­nen es ernst. Aber sie sind Spiel­leu­te, kei­ne Spiel­ver­der­ber. Als mo­der­ne Eu­len­spie­gel las­sen sie sich den Spaß nicht ver­der­ben. Bei all den häss­li­chen The­men in den Me­di­en wün­schen sie sich: „Die Welt kann doch nicht so schlecht sein. Kann nicht je­mand um die Ecke kom­men und ,April, April!‘ ru­fen?“Und de­nen, die es im An­ge­sicht des Er­folgs im­mer gibt, die ih­nen „Aus­ver­kauf! Ver­rat!“zu­ru­fen, hal­ten Sal­ta­tio Mor­tis das Stück „Gera­de­aus“ent­ge­gen. Ge­spickt mit selbst­iro­ni­schen Zi­ta­ten aus ei­ge­nen Stü­cken, ist es ei­ne Freu­de für die Ken­ner der Band, die­ses Lied zu hö­ren. Las­ter­balk, der Läs­ter­li­che (so nennt sich der Schlag­zeu­ger der Band) sagt da­zu: „Wir schrei­ben und sin­gen genau das, was wir wol­len und wie wir es wol­len! Wir sind so was von wir.“Sie sind au­then­tisch, auf­recht, un­beug­sam und oh­ne je­den kom­mer­zi­el­len Maul­korb. Dar­auf kommt es an oder, wie es im Lied heißt: „Auf die­sem Weg, der erst ent­steht, wenn wir ge­mein­sam gehn“.

Sie kri­ti­sie­ren Neo­na­zis ge­nau­so wie die Ob­rig­keit: Sal­ta­tio Mor­tis sind seit vie­len Jah­ren mit ih­rem Mit­tel­al­ter-Rock er­folg­reich. Am 14. Au­gust er­scheint das Al­bum „Zir­kus Zeit­geist“. Fo­to: Ro­bert Eikelpoth

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