Ent­spannt mit dem Rad zum Bad

Ge­nuss­ra­deln auf dem neu­en Bä­der­rad­weg durch das schö­ne Ober­schwa­ben

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub -

Wie an ei­ner Per­len­ket­te rei­hen sich neun Ku­r­or­te ent­lang des neu­en Rad­wegs von Über­lin­gen nach Bad Wö­ris­ho­fen auf. Mit fünf Etap­pen führt der neue Bä­der­rad­weg auf 250 Ki­lo­me­ter ent­lang ba­ro­cker Städt­chen, idyl­li­scher Se­en, fas­zi­nie­ren­den Moor- und Wei­de­land­schaf­ten und herr­li­chen Al­pen­bli­cken zu Heil- und Ther­mal­bä­dern. Nach ei­nem Tag im Sat­tel lo­ckern Kn­eipp-Ku­ren, Ther­mal­was­ser und Mo­or­bä­der Mus­keln und Ge­säß. Das E-Bi­ke surrt über den As­phalt, mit je­der Um­dre­hung ver­flat­tert der All­tag. In der Fer­ne ra­gen schnee­be­deck­te Al­pen über die wie­sen­grü­ne Land­schaft. Obst­bäu­me ste­hen in vol­ler Blü­te, das Land schmeckt nach Som­mer und Ur­laub. Rund fünf­zig Ki­lo­me­ter sind es auf der Etap­pe von Au­len­dorf bis Bad Wurzach. Und dank E-Bi­ke sind die knapp 570 Hö­hen­me­ter fast ein Kin­der­spiel. Da­mit bleibt ge­nü­gend Zeit für Er­kun­dun­gen. Denn es wä­re viel zu scha­de, an den Klein­oden und Ju­we­len die die­se Land­schaft be­reit­hält, vor­bei­zu­ra­deln. Ein­ge­bet­tet in die hü­ge­li­ge Mo­rä­nen­land­schaft des Al­pen­vor­lan­des liegt das Wurz­acher Ried, ei­ne der größ­ten Mo­or­land­schaf­ten in Süd­deutsch­land. Das Moor ist dort bis zu fünf Me­ter dick. Das Ried kann auf Holz­ste­gen, fe­dern­den Torf­we­gen und Pfa­den zu Fuß er­kun­det wer­den. Wer sich für die Ar­ten­viel­falt in­ter­es­siert (im Wurz­acher Ried sind über 2 500 Pflan­zen, Tie­re und Pil­ze nach­ge­wie­sen) fin­det in der Aus­stel­lung „Moor Ex­trem“im Na­tur­schutz­zen­trum Wurz­acher Ried ei­ne span­nen­de The­men­rei­se rund um das Moor. Wer sich noch ein­ge­hen­der mit der Ma­te­rie be­schäf­ti­gen möch­te, kann in ein Mo­or­bad stei­gen. Seit 1936 wird das „Schwar­ze Gold“zu the­ra­peu­ti­schen Zwe­cken ver­wen­det. Die Obe­rin des Klos­ters wit­ter­te da­mals neue Ein­nah­me­quel­len und zeig­te sich von der Mög­lich­keit, Mo­or­bä­der zu ver­ab­rei­chen, be­geis­tert. An­geb­lich reis­ten ei­ne Or­dens- und ei­ne Kran­ken­schwes­ter in­ko­gni­to ins baye­ri­sche Bad Ai­b­ling, um sich mit dem Mo­orbaden ver­traut zu ma­chen. Doch die wiss­be­gie­ri­gen Schwes­tern flo­gen auf und muss­ten un­ver­züg­lich die Kof­fer pa­cken. Das hin­der­te den Klos­ter­or­den nicht dar­an, ei­ge­ne Mo­or­bä­der für Kur­gäs­te zu ver- abrei­chen. So ent­stand das ers­te Moor­heil­bad Ba­den-Würt­tem­bergs. Dem Mo­or­bad wird ei­ne ent­schla­cken­de und ent­span­nen­de Ei­gen­schaft zu­ge­sagt. Das bis zu 40 Grad hei­ße Mo­or­was­ser, be­ste­hend aus 2 Tei­len Ba­de­torf und ei­nem Teil Was­ser setzt ei­ne Rei­he von Selbst­hei­lungs­pro­zes­sen in Gang, die sich po­si­tiv bei chro­ni­schen Schmer­zen aus­wir­ken sol­len. Die dunk­le Brü­he riecht zwar bra­ckig und sieht aus wie

Schwe­be­ge­fühl in der Wan­ne

Klär­schlamm, doch in der Wan­ne ent­steht ein ei­gen­ar­ti­ges Schwe­be­ge­fühl. Hebt man den Kör­per ein we­nig an, sinkt man nicht auf den Zu­ber­bo­den. Ein Mo­or­bad darf nur un­ter Auf­sicht und mit vor­he­ri­ger ärzt­li­cher Un­ter­su­chung durch den Kur­arzt ver­ab­reicht wer­den. Die­ser setzt auch die Dau­er und Tem­pe­ra­tur des Ba­des fest. Bis in die 50zi­ger Jah­re wur­de in Ober­schwa­ben Torf ab­ge­baut und per Ei­sen­bahn nach Stutt­gart ver­frach­tet. Dar­an er­in­nert noch heu­te der klei­ne Stutt­gar­ter See, der wäh­rend die­ser Zeit ent­stan­den ist. Seit 1996 ist der Ab­bau des Tor­fes für Mo­or­bä­der im Wurz­acher Ried nicht mehr ge­stat­tet. Das Torf, das für me­di­zi­ni­sche Zwe­cke ge­nutzt wird stammt seit­dem aus dem Rei­cher Moos. Ein wei­te­rer Hö­he­punkt auf dem Bä­der­rad­weg ist Bad Buchau mit dem uri­gen Fe­der­see. Ein höl­zer­ner Steg führt zu­nächst durch Feucht­wie­sen, dann durch me­ter­ho­hen Schilf, das den See wie ei­nen Gür­tel um­gibt. Hier le­ben über 270 Vo­gel­ar­ten, blü­hen zehn Or­chi­de­en­ar­ten und über 70 Tag­fal­ter­ar­ten fin­den hier reich­lich Nah­rung. Wer die mys­ti­sche Stim­mung des Sees auf­neh­men möch­te, soll­te zum Son­nen­un­ter­gang kom­men oder ein Boot mie­ten. Da­nach bleibt reich­lich Zeit für ein aus­gie­bi­ges Bad in den Ade­lin­dis-Ther­men. Auch kul­tur­his­to­risch In­ter­es­sier­te kom­men nicht zu kurz. In St­ein­bach bei Bad Schus­sen­ried lohnt ein Stopp bei der Wall­fahrts­kir­che, die als „schöns­te Dorf­kir­che der Welt“be­zeich­net wird. Der In­nen­raum der Ba­rock­kir­che weist be­deut­sa­me De­cken­fres­ken auf und gilt als ei­ne der gro­ßen Meis­ter­wer­ke des frü­hen Ro­ko­ko.

Das Schloss in der Stadt­mit­te von Bad Wurzach be­her­bergt ei­nes der schöns­ten Ba­rock­trep­pen­häu­ser Süd­deutsch­lands. Fo­tos. Ober­schwa­ben Tou­ris­mus

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