„Up­date“im Na­tur­schutz

Wie sich künf­ti­ge Bot­schaf­ter der Viel­falt auf ihr Eh­ren­amt vor­be­rei­ten

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region -

Di­de­liht“, „did­li“, „did­li­üh“„did­loi“– ein klei­ner Vo­gel scheint am Him­mel zu ste­hen. Wie auf Kom­man­do ge­hen al­le Fern­glä­ser in sei­ne Rich­tung: Es han­delt sich um die sel­te­ne Hei­de­ler­che. 17 an­ge­hen­de eh­ren­amt­li­che Bi­o­di­ver­si­täts-Bot­schaf­ter ma­chen an die­sem Tag das Puy­sé­gur-Ge­län­de bei Sandwei­er „un­si­cher“, ei­ne von ih­nen ist An­ge­la Gaa aus Ba­den-Ba­den: „Ich bin oft und ger­ne mit der Ka­me­ra in der Rhein­aue und den Sand­dü­nen un­ter­wegs. Mit dem, was ich bei die­ser Aus­bil­dung ler­ne, kann ich dann an­de­ren in­ter­es­sier­ten Men­schen ei­ni­ges über die Ent­ste­hungs­ge­schich­te und die Tier- und Pflan­zen­welt die­ser fas­zi­nie­ren­den Land­schaf­ten vor mei­ner Haus­tür er­zäh­len“. Bi­o­di­ver­si­täts-Bot­schaf­ter, das sind – sa­lopp ge­sagt – na­tur­be­geis­ter­te Leu­te, die sich im Rah­men des Na­tur­schutz­groß­pro­jek­tes „Le­bens­ader Ober­rhein“en­ga­gie­ren. Wäh­rend ih­rer halb­jäh­ri­gen Aus­bil­dung ei­ge­nen sie sich den theo­re­ti­schen Hin­ter­grund über die Rhein­au­en, die Sand­dü­nen und die Kin­zig-Murg-Rin­ne an und ver­tie­fen ihr Wis­sen in Ex­kur­sio­nen in die Ge­bie­te. Spä­ter kön­nen sie dann sel­ber ent­spre­chen­de Füh­run­gen an­bie­ten, um an­de­ren Men­schen die Schön­heit und Be­son­der­hei­ten des Ober­rhein­ge­bie­tes zu ver­mit­teln. Ka­trin Fritzsch vom Na­bu Ba­den-Würt­tem­berg und pro­mo­vier­te Bio­lo­gin ist die Lei­te­rin des Pro­jek­tes, in­ner­halb des­sen die Bi­o­di­ver­si­täts-Bot­schaf­ter ei­nen klei­nen Teil der Öf­fent­lich­keits­ar­beit dar­stel­len. „Bis vor­aus­sicht­lich 2017 fin­den zwi­schen Bin­gen und Bühl auf ei­ner Flä­che von knapp 2300 Qua­drat­ki­lo­me­tern bun­des- land­über­grei­fend ganz ver­schie­de­ne Na­tur­schutz­maß­nah­men statt, um die Bio­lo­gi­sche Viel­falt in den Le­bens­räu­men Rhein­au­en, Sand­dü­nen und San­dra­sen so­wie Kin­zig-Murg-Rin­ne zu er­hö­hen“, er­klärt Ka­trin Fritzsch. Die Aus­bil­dung der Bi­o­di­ver­si­täts-Bot­schaf­ter dau­ert noch bis in den Herbst hin­ein an. An sechs The­men­aben­den ha­ben sich die Teil­neh­mer zu­nächst mit dem theo­re­ti­schen Rüst­zeug be­schäf­tigt: Wie hat der Rhein die Rhein­au­en, die Bin­nen­Dünen und Flug­s­and­fel­der ge­formt, wo le­ben Schlamm­peitz­ger und wo das Ro­te Wald­vö­ge­lein? Was sind die recht­li­chen Hin­ter­grün­de für Schutz­ge­bie­te und was macht ei­ne gu­te Ex­kur­si­on ei­gent­lich aus? Das wird dann auch ganz prak­tisch um­ge­setzt und er­lebt. Hans Wer­ner Kie­fer, der be­reits ei­ne Aus­bil­dung zum Wan­der­lei­ter bei den Na­tur­freun­den ab­sol­viert hat, möch­te „als Bio- di­ver­si­täts-Bot­schaf­ter noch ein High­light hin­zu­fü­gen und mei­nen Mit­wan­de­rern zei­gen, dass Viel­falt statt Ein­falt sehr wich­tig für ein funk­tio­nie­ren­des Öko­sys­tem ist, sei es in den Dü­nen, den Rhein­au­en oder in den Wein­ber­gen der Pfalz und Ba­dens“. Ka­trin Fritzsch ist froh über ein sol­ches En­ga­ge­ment, denn „es fin­den so vie­le ver­schie­de­ne Maß­nah­men statt, dass wir un­be­dingt zu­sätz­li­che Leu­te brau­chen, die auf eh­ren­amt­li­cher Ba­sis Wis­sens­wer­tes über das Pro­jekt wei­ter ver­mit­teln kön­nen“. Das wird wohl ganz un­ter­schied­lich um­ge­setzt wer­den. Joa­chim Schrö­der von den Na­tur­freun­den Karls­ru­he et­wa möch­te sein Wis­sen mit Ka­nu­fahr­ten und Wan­de­run­gen durch die Rhein­au­en kom­bi­nie­ren. Cin­dy Weid­ner kam über den Na­bu zu die­ser Ver­an­stal­tung und will sich im Sch­wet­zin­ger Raum en­ga­gie­ren. Na­di­ne Klein ist über Face­book auf die Aus­bil­dung auf­merk­sam ge­wor­den „Ich war im ver­gan­ge­nen Jahr schon Pro­jekt­bot­schaf­te­rin im Hir­schacker­wald und möch­te das in ähn­li­cher Form dann wei­ter fort­füh­ren“. An­net­te Volz hat von der Aus­bil­dung im Jah­res­pro­gramm des Na­tur­schutz­zen­trums Rap­pen­wört ge­le­sen, sie ist Mär­chen­er­zäh­le­rin und will die­se Tä­tig­keit im Raum Karls­ru­he-Rüppur mit der Bi­o­di­ver­si­tät kom­bi­nie­ren. An­de­re Teil­neh­mer wa­ren schon frü­her im Na­bu ak­tiv und se­hen die Aus­bil­dung zum Bi­o­di­ver­si­täts-Bot­schaf­ter qua­si als „Up­date“im Na­tur­schutz – aber auch mit dem Ziel, spä­ter Füh­run­gen im so­ge­nann­ten „Hots­pot­ge­biet“an­zu­bie­ten. Üb­ri­gens: das oben ge­nann­te Ro­te Wald­vö­ge­lein ist ei­ne Or­chi­dee, die in lich­ten Laub­wäl­dern wächst. Und der Schlamm­peitz­ger ist ein ur­tüm­lich aus­se­hen­der Fisch mit Bart­fä­den und als Exot in der Fisch­fau­na be­kannt.

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