Ma­gi­sche Mo­men­te am Berg

Den Son­nen­auf­gang auf der Zug­spit­ze ganz be­quem er­le­ben

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub -

Es ist noch stock­fins­ter als die Früh­auf­ste­her an der Kas­se der Ti­ro­ler Zug­spitz­bahn ober­halb von Ehr­wald ein­tref­fen. Vor der Kas­se ha­ben sich be­reits zwei lan­ge Schlan­gen ge­bil­det. Wan­de­rer, Berg­stei­ger und Gip­fel­be­su­cher – al­le wol­len den Son­nen­auf­gang auf Deutsch­lands höchs­tem Berg er­le­ben. Im Dun­keln schwe­ben die Ka­bi­nen in zehn Mi­nu­ten auf 2 950 Me­ter Hö­he. Auf der Berg­sta­ti­on zeigt sich schon das ers­te Mor­gen­grau­en. Ein­ge­taucht in ein dif­fu­ses bläu­li­ches Licht las­sen sich sche­men­haft die ers­ten Ge­birgs­zü­ge er­ken­nen, über dem Tal liegt dich­ter Ne­bel. Noch dau­ert es ei­ne St­un­de bis die Son­ne auf­geht. Trotz Som­mer hat es hier nachts oft­mals Mi­nus­gra­de und es weht ein ei­si­ger Wind. Franz Dengg, Ge­schäfts­füh­rer der Ti­ro­ler Zug­spitz­bahn, kann sich so­gar an ei­nen Schnee­sturm mit­ten im Au­gust er­in­nern. All­mäh­lich wird es hel­ler. Das Blau weicht ei­nem zu­neh­mend hel­ler wer­den­den Grau. Im Os­ten ver­hüllt zwar lei­der ei­ne Wol­ken­de­cke den Him­mel, doch in ei­nem frei­en Strei­fen färbt sich der Him­mel lang­sam oran­ge. Dann taucht die Son­ne kurz zwi­schen den Wol­ken­schich­ten auf und hüllt die Ter­ras­se in ein gol­de­nes Licht. Un­ter­halb liegt das Zug­spitz­blatt mit den kläg­li­chen Res­ten des Glet­schers. Für kur­ze Zeit er­strahlt die Fels­wand gold­braun im wei­chen Mor­gen­licht. So­bald die Son­ne hö­her wan­dert, ver­blas­sen die Far­ben im Vor­der­grund. Mit­ten auf dem Gip­fel­pla­teau ver­läuft die Lan­des­gren­ze zwi­schen Ös­ter­reich und Deutsch­land. Die Grenz­pos­ten sind längst nicht mehr be­setzt, nur ein Schild „Frei­staat Bay­ern“weist noch dar­auf hin, dass man ein paar Schrit­te wei­ter in Deutsch­land ist. Vor­bei an dem erst­mals 1897 er­öff­ne­ten Münch­ner Haus, das sich mit sei­nen dun­k­len Holz­schin­deln auf den Fel­sen duckt und mit di­cken Draht­sei­len be­fes­tigt den hef­ti­gen Stür­men trotzt, ge­langt man auf die deut­sche Ter­ras­se. Von hier führt ein Klet­ter­steig auf den ei­gent­li­chen Gip­fel mit dem knapp fünf Me­ter ho­hen ver­gol­de­ten Gip­fel­kreuz auf 2 962 Me­ter Hö­he. Im Er­leb­nis­mu­se­um Zug­spit­ze in der Ein­fahrts­hal­le der al­ten Zug­spitz­bahn kön­nen sich die Be­su­cher auf ei­ne Zei­t­rei­se von der Erst­be­stei­gung bis heu­te be­ge­ben. Da­zu ge­hört auch die wohl schwär­zes­te St­un­de der Ti­ro­ler Zug­spitz­bahn. Im Fe­bru­ar 2003 wur­de sie durch ei­nen ver­hee­ren­den Brand in der Tal­sta­ti­on zer­stört. Doch Franz Dengg ließ sich nicht un­ter­krie­gen. In­ner­halb von nur sechs Mo­na­ten wur­de die Zug­spitz­bahn kom­plett neu auf­ge­baut. „Das war schon der Wahn­sinn, wie der Franz das ge­schafft hat“, er­in­nert sich Berg­wan­der­füh­rer Tho­mas Ba­der noch heu­te. Wer mit ihm un­ter­wegs ist, er­fährt nicht nur viel über die Na­tur, son­dern auch über al­te Ge­schich­ten. Ein­mal ha­be die Schau­spie­le­rin und Part­ne­rin von Karl Va­len­tin, Liesl Karl­stadt – ver­klei­det als Aus­bil­dungs­sol­dat – ei­nen Som­mer auf der Ehr­wal­der Hüt­te ver­bracht, er­zählt Ba­der bei ei­ner Wan­de­rung von Ler­moos am Fu­ße des 2 340 ho­hen Da­ni­el. „Das war na­tür­lich streng ver­bo­ten für ei­ne Frau, aber kei­ner hat sie da­mals ver­ra­ten.“Der Ort Ler­moos liegt eben­so wie Ehr­wald und Bi­ber­wier in der Ti­ro­ler Zug­spitz Are­na, ei­nem von ho­hen Ber­gen um­ge­be­nen Tal­kes­sel, an dem vier Ge­bir­ge auf­ein­an­der­tref­fen. Schon nach ein paar hun­dert Me­tern Auf­stieg Rich­tung Tuft­l­alm bie­tet sich atem­be­rau­ben­der Blick auf die Ehr­wal­der Son­nen­spit­ze – we­gen ih­rer spit­zen Form auch das Mat­ter­horn Ti­rols ge­nannt – und na­tür­lich auf das Zug­spitz­mas­siv. Auch das Ho­tel Post in Ler­moos ist längst ei­ne In­sti­tu­ti­on. Sei­ne Ge­schich­te reicht bis zum Jahr 1560 zu­rück. Da­mals ent­stand hier an der al­ten Han­dels­stra­ße von Ve­ne­dig nach Brüssel die Al­te Post­sta­ti­on. Spä­ter wur­de das Haus als pri­va­tes Wohn­haus ge­nutzt. 2002 wur­de das un­ter Denk­mal­schutz ste­hen­de „Post Schlössl“re­no­viert und ge­hört heu­te mit ih­ren 16 Sui­ten zum Ho­tel Post auf der an­de­ren Stra­ßen­sei­te. Das wur­de 2006 bis auf we­ni­ge his­to­ri­sche Grund­mau­ern ab­ge­tra­gen und kom­plett neu ge­baut. Mit sei­ner La­ge auf ei­ner An­hö­he hat das Ho­tel ei­nen ech­ten Lo­gen­platz. Vor der gro­ßen Son­nen­ter­ras­se öff­net sich das Rund­um-Berg­pan­ora­ma und selbst vom Pool aus kann man den Blick auf die Zug­spit­ze und die in aben­teu­er­li­cher Hö­he schwe­ben­den Seil­bahn­Ka­bi­nen ge­nie­ßen.

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