Bron­ze in Ba­ku

Ers­te in­ter­na­tio­na­le Me­dail­le für KSC-Bo­xe­rin Bu­gar

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport -

Mit Bron­ze­me­dail­len sind die KSC-Bo­xe­rin­nen Tas­hee­na Bu­gar und Azi­ze Ni­ma­ni von den Eu­ro­pa­spie­len zu­rück­ge­kehrt. Für die 27-jäh­ri­ge Bu­gar, die seit 2004 der KSC-Boxab­tei­lung an­ge­hört, war der drit­te Platz in Ba­ku gleich­be­deu­tend mit der ers­ten in­ter­na­tio­na­len Me­dail­le ih­rer Kar­rie­re. Ent­spre­chend zu­frie­den war die Leicht­ge­wicht­le­rin (60 Ki­lo) trotz des ver­pass­ten Fi­nal­ein­zugs, als sie im Halb­fi­na­le grip­pe­ge­schwächt der WM-Drit­ten Estel­le Mos­se­ley (Frank­reich) nach vier Run­den klar nach Punk­ten un­ter­lag. „Ich ha­be so­gar mit dem Ge­dan­ken ge­spielt, zu die­sem Kampf nicht mehr an­zu­tre­ten“, sag­te Bu­gar dem SONN­TAG. Schon zu Be­ginn der Wett­kämp­fe in Ba­ku schlug sie sich mit ge­sund­heit­li­chen Pro­ble­men her­um. „Oh­ne un­se­re me­di­zi­ni­sche Ab­tei­lung hät­te ich ver­mut­lich gar nicht bo­xen kön­nen. Aber sie hat ei­nen tol­len Job ge­macht, so dass ich zu­min­dest bis zum Vier­tel­fi­na­le durch­hal­ten konn­te.“Da be­sieg­te Tas­hee­na Bu­gar nicht nur die Ser­bin Je­le­na Je­lic klar nach Punk­ten, son­dern zeig­te auch, dass sie vor al­lem tak­tisch so­wie in Sa­chen Bein­ar­beit enorm da­zu­ge­lernt hat. „Das“, macht Bu­gar deut­lich, „ist ein Ver­dienst mei­nes Heim­trai­ners Ty­son Gray. Frü­her bin ich oft nur nach vor­ne ge­stürmt, aber mitt­ler­wei­le bo­xe ich klü­ger und kann mich vor al­lem auf mei­ne Bei­ne ver­las­sen.“ Es war ein lan­ger und har­ter Weg bis die jun­ge Frau, die mit Kick­bo­xen be­gann und in ih­ren bo­xe­ri­schen An­fangs­jah­ren im Spar­ring auch Re­gi­na Hal­mich be­geg­ne­te, jetzt end­lich in­ter­na­tio­nal den Lohn der vie­len Pla­cke­rei ern­ten konn­te. In Deutsch­land ist sie in ih­rer Ge­wichts­klas­se die kla­re Num­mer eins, und durch den Er­folg in Ba­ku sind ih­re Chan­cen auf die Teil­nah­me an den Olym­pi­schen Spie­len 2016 am bra­si­lia­ni­schen Zu­cker­hut er­heb­lich ge­stie­gen. Dort will die Sport­sol­da­tin von der Bun­des­wehr-Sport­för­der­grup­pe auf dem Bruch­sa­ler Ei­chel­berg un­be­dingt hin. „Rio ist das gro­ße Ziel, und mein Traum ist es, auch in Bra­si­li­en ei­ne Me­dail­le zu ge­win­nen“, sagt Bu­gar. Da­für will sie jetzt „wei­ter­hin sehr hart und dis­zi­pli­niert trai­nie­ren“. Genau wie ih­re Mann­schafts­kol­le­gin Azi­ze Ni­ma­ni (Bantam­ge­wicht), die eben­falls mit ei­ner Bron­ze­me­dail­le aus Ba­ku heim­kehrt. Die 25-Jäh­ri­ge schloss sich im ver­gan­ge­nen Jahr, als sie von Berlin nach Hei­del­berg um­zog, der Boxab­tei­lung des KSC an. Da­bei spiel­te Tas­hee­na Bu­gar, die mit Ni­ma­ni schon lan­ge gut be­freun­det ist, kei­ne un­er­heb­li­che Rol­le. „Als Azi­ze nach Hei­del­berg kam, hat sie ei­nen Ver­ein ge­sucht, bei dem sie bo­xen kann“, er­zählt Bu­gar. „Ich ha­be ihr dann emp­foh­len, es bei uns zu ver­su­chen“– mit durch­schla­gen­dem Er­folg. Ni­ma­ni, die haupt­säch­lich im Bun­des­stütz­punkt Hei­del­berg trai­niert, zeig­te in Ba­ku, dass sie ei­ne der bes­ten Bo­xe­rin­nen im Bantam­ge­wicht (bis 54 Ki­lo) ist. Auch sie muss­te erst im Halb­fi­na­le die Se­gel strei­chen, nach­dem sie der ita­lie­ni­schen Eu­ro­pa­meis­te­rin Mar­zia Da­vi­de vier Run­den lang ei­nen gleich­wer­ti­gen Kampf ge­lie­fert hat­te, aber durch ei­ne um­strit­te­ne 1:2-Punkt­rich­terEnt­schei­dung ver­lor. „Ich hat­te mei­ner Mut­ter Gold ver­spro­chen, das är­gert mich am meis­ten“, sag­te die KSC-Faust­kämp­fe­rin kurz nach ih­rer eben­so hauch­dün­nen, wie un­glück­li­chen Nie­der- la­ge. „Ich ha­be so viel trai­niert, das ist jetzt echt schwer. Aber Rio 2016 und Tokio 2020 – das wä­re auch was“, füg­te sie hin­zu. Am En­de nahm Ni­ma­ni wie Bu­gar von den Eu­ro­pa­spie­len aus Aser­bai­dschan ei­ne Bron­ze­me­dail­le mit nach Hau­se; und ha­der­te nicht län­ger: „Ei­ne Me­dail­le bei den ers­ten Eu­ro­pean Ga­mes ist gar nicht so schlecht, auch wenn ich lie­ber mit Gold zu­rück­ge­kehrt wä­re!“Tas­hee­na Bu­gar und Azi­ze Ni­ma­ni – nicht aus­ge­schlos­sen, dass 2016 zwei KSC-Bo­xe­rin­nen zu den Olym­pi­schen Spie­len nach Rio flie­gen wer­den. KSCPrä­si­dent In­go Wel­len­reu­ther zeig­te sich eben­so wie Ab­tei­lungs­lei­ter Lothar Knöpp­le be­geis­tert von den Leis­tun­gen der bei­den Ath­le­tin­nen: „Das ist ein groß­ar­ti­ger Er­folg, mit ei­ner Me­dail­le von den Eu­ro­pa­spie­len heim­zu­kom­men“, mein­te Wel­len­reu­ther und füg­te hin­zu: „Un­ser Ver­ein kann stolz dar­auf sein, was in der Boxab­tei­lung des KSC ge­leis­tet wird.“

Wel­len­reu­ther be­geis­tert von Bu­gar und Ni­ma­ni

Seit 2014 beim KSC: Azi­ze Ni­ma­ni (rechts) kam auf Emp­feh­lung von Tas­hee­na Bu­gar zu den Faust­kämp­fern in den Wild­park; auch für die 25-Jäh­ri­ge gab’s Bron­ze (im Bantam­ge­wicht) bei den Eu­ro­pa­spie­len. Fo­tos: avs

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