Michael Mich­als­ky: Die größ­ten Mo­de­sün­den

Mich­als­ky und wie er die Welt sieht

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Die Fra­gen stell­te Na­da Wei­gelt.

Berlin stand die­se Wo­che ganz im Zei­chen der Mo­de. Bei der Fa­shion Week zeig­ten in­ter­na­tio­na­le De­si­gner und New­co­mer, was ih­rer Mei­nung nach im kom­men­den Som­mer an­ge­sagt ist. Der Ber­li­ner Mo­de­ma­cher Michael Mich­als­ky (48) sieht „mas­si­ve Ve­rän­de­run­gen“in der Bran­che. „Die Mo­de ist tot“, ver­kün­de­te er kürz­lich. Mich­als­ky gilt als ei­ner der frü­hen­den deut­schen De­si­gner für sport­lich-ele­gan­te Mo­de. Nach ei­nem Stu­di­um am Lon­do­ner Col­le­ge of Fa­shion ar­bei­te­te er zu­nächst bei Le­vi’s und Adi­das, ehe er 2006 sein ei­ge­nes La­bel in Berlin grün­de­te.

Was mei­nen Sie mit „Die Mo­de ist tot“?

Mich­als­ky: Wir be­ob­ach­ten in der Mo­de­bran­che mas­si­ve Ve­rän­de­run­gen. In­zwi­schen gibt es vie­le gro­ße Ket­ten, die Mo­de un­heim­lich schnell auf den Markt brin­gen und zu ex­trem güns­ti­gen Prei­sen ver­kau­fen. Man hat das Ge­fühl, als sei per­ma­nent Aus­ver­kauf. Schon we­ni­ge Wo­che nach den Fa­shion-Weeks hän­gen die Ent­wür­fe der De­si­gner bei den Ket­ten im La­den. Heu­te ko­pie­ren nicht die Chi­ne­sen, son­dern die gro­ßen An­bie­ter. Hin­zu kom­men der In­ter­net­han­del und die ra­sant ge­wach­se­nen In­for­ma­ti­ons-an­ge­bo­te für Kon­su­men­ten. Des­halb muss ich mich als De­si­gner neu auf­stel­len. Al­so: Die Mo­de ist tot, es le­be die Mo­de!

Wie bit­te?

Mich­als­ky: Ich möch­te, dass Mo­de lang­le­bi­ger und hoch­wer­ti­ger wird, ich möch­te Lieb­lings­stü­cke kre­ieren und nicht Weg­werf­pro­duk­te. Im­mer mehr Ver­brau­cher wol­len wis­sen, wo ih­re Klei­dung her­kommt und wie sie ge­macht wird. Das ist wie bei der Öko-Er­näh­rung. Vor 25 Jah­ren wur­den öko­lo­gi­sche Le­bens­mit­tel noch mit ver­schrum­pel­ten Äp­feln im Kel­ler gleich­ge­setzt. In­zwi­schen hat prak­tisch je­der Le­bens­mit­tel­markt ei­ne Bi­oAb­tei­lung. Ich glau­be, die Zeit ist reif, dass Ähn­li­ches in der Mo­de­bran­che pas­siert.

Sie ar­bei­ten nicht mehr un­ter dem La­bel „Mich­als­ky“, son­dern „Ate­lier Mich­als­ky“und brach­ten bei die­ser Fa­shion Week erst­mals ei­ne Cou­ture-Kol­lek­ti­on her­aus . . .

Mich­als­ky: Ich möch­te we­ni­ger Mas­se, mehr Stil. Wenn ich je­man­dem ein Ja­ckett ver­kau­fe, soll er es nicht nach zwei Wo­chen weg­hän­gen, son­dern die krea­ti­ve Ar­beit auch wert­schät­zen.

Was kos­tet so ein Lieb­lings­ja­ckett?

Mich­als­ky: Kommt dar­auf an, was es für ein Ma­te­ri­al ist. Das geht ab 1 400 Eu­ro los, kann aber auch bis 4 000 Eu­ro sein, wenn es ein Stoff ist, der mit Hand be­stickt ist. Man hat es dann aber auch für im­mer.

Wie schwer dür­fen Ih­re Mo­dels sein?

Mich­als­ky: Ich bin ja schon im­mer für un­ge­wöhn­li­ches Cas­ting be­kannt, ich ha­be ein an­de­res Schön­heits­ide­al als vie­le an­de­re Kol­le­gen. Bei mir ist zum Bei­spiel Evelyn Hall erst­mals ge­lau­fen – da war sie 65. Na­tür­lich sol­len auch bei mir die Mo­dels groß sein, weil die Mo­de dann eben toll aus­sieht. Aber groß heißt nicht dünn. Wenn je­mand zu dünn ist, hat er Ess­stö­run­gen und das ist ei­ne Krank­heit. Dann braucht er Hil­fe und ge­hört nicht auf den Lauf­steg.

Was sind für Sie die drei größ­ten Mo­de­sün­den?

Mich­als­ky: Oh, das kann ich leicht auf­zäh­len! Ers­tens: Bei Frau­en of­fe­ne Schu­he mit fleisch­far­be­ner Strumpf­ho­se. Ent­we­der es ist ei­nem kalt, dann trägt man ei­nen ge­schlos­se­nen Schuh. Wenn es warm ge­nug ist für ei­ne San­da­le oder San­da­let­te, braucht man kei­nen Strumpf. Zwei­tens: Bei Män­nern Rad­fah­rer­ho­se im All­tags­ge­brauch. Und drit­tens: Flip­flops in der Stadt. Sie ge­hö­ren an den Strand. Und wenn man kei­ne gut pe­di­kür­ten Fü­ße hat, noch nicht ein­mal dort­hin.

Tra­gen Sie als Mann Schu­he oh­ne So­cken?

Mich­als­ky: Na klar, das ist schon lan­ge kein Ta­bu mehr. Im Ge­gen­teil: Bei den 7/8-Ho­sen, die der­zeit cool sind, soll­te man so­gar ank­le clea­va­ge zei­gen, al­so Knö­chel-De­kol­le­té.

Müs­sen die Bei­ne da­für ra­siert sein?

Mich­als­ky: Nein, ja nicht! Ra­sier­te Bei­ne für Män­ner geht ja gar nicht – al­len­falls für Rad­fah­rer und pro­fes­sio­nel­le Olym­pia­Schwim­mer.

Fo­to: avs

„Ich ha­be ein an­de­res Schön­heits­ide­al als vie­le Kol­le­gen“, sagt De­si­gner Michael Mich­als­ky.

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