In­ko­gni­to nach Pa­ris

„Rei­sen be­rei­chert den Geist“: Aus­stel­lung über die Fahr­ten der Mark­grä­fin Ka­ro­li­ne Lui­se

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region -

300 Jah­re Karls­ru­he: Die Ba­di­schen Neu­es­ten Nach­rich­ten be­rich­ten täg­lich

In wel­chen Far­ben sich die Pa­ri­ser Da­men schmink­ten, wie sie ihr Haar tru­gen – ih­re Brief­part­ner hiel­ten die ba­di­sche Mark­grä­fin Ka­ro­li­ne Lui­se (1723– 1783) auf dem Lau­fen­den. Die Frau, die im Karls­ru­her Schloss Vol­taire emp­fing, die mit zahl­rei­chen Geis­tes­grö­ßen ih­rer Zeit kor­re­spon­dier­te und in ih­rem Ma­le­rei-Ka­bi­nett Kunst­wer­ke von eu­ro­päi­schem Rang ver­ein­te – sie hat­te Sinn für mo­di­sche De­tails. Pierre Phil­ipp Ma­el­rondt, ihr Agent in Pa­ris, sand­te ihr Stoff­mus­ter zu. Zu­dem ori­en­tier­te sich die Fürs­tin an Zeich­nun­gen von auf­wän­di­gen Ro­ben und kom­pli­zier­ten Fri­su­ren. Ei­ni­ge die­ser Blät­ter kann man der­zeit in der Aus­stel­lung „En Voya­ge – Die Eu­ro­pa­rei­sen der Ka­ro­li­ne Lui­se von Ba­den“im Ge­ne­ral­lan­des­ar­chiv (GLA) Karls­ru­he se­hen. In der lie­be­voll ge­stal­te­ten Schau be­glei­tet man die Mark­grä­fin nach Pa­ris, Flo­renz und Ve­ne­dig so­wie in die ba­di­schen Ober­lan­de – und er­fährt zu­gleich ei­ne Men­ge Pri­va­tes über die­se mar­kan­te Per­sön­lich­keit aus der Zeit der Auf­klä­rung. „En Voya­ge“er­gänzt die Gro­ße Lan­des­aus­stel­lung „Die Meis­ter-Samm­le­rin. Ka­ro­li­ne Lui­se von Ba­den“, die der- zeit in der Staat­li­chen Kunst­hal­le ge­zeigt wird, um ein span­nen­des Ka­pi­tel. Die Di­ens­te des Agen­ten in Pa­ris wa­ren 1771 wie­der ge­fragt: Die Ka­va­liers­rei­se der bei­den äl­te­ren Söh­ne von Ka­ro­li­ne Lui­se und Mark­graf Karl Fried­rich stand an. Die Mark­grä­fin be­auf­trag­te ih­ren Ver­trau­ten, für die Prin­zen zwei Ap­par­te- ments mit je drei Zim­mern und ei­nem ge­mein­sa­men Spei­se­zim­mer an­zu­mie­ten, zu­dem sie­ben Räu­me für das Per­so­nal. Ei­ne oft vie­le Mo­na­te dau­ern­de Ka­va­liers­rei­se ge­hör­te tra­di­tio­nell zum Aus­bil­dungs­plan des (männ­li­chen) Aris­to­kra­tenNach­wuch­ses, bot er doch die Mög­lich­keit, Kon­tak­te zu knüp­fen und hö­fi­sche Ver­hal­tens­for­men ein­zu­üben. Be­kannt ist frei­lich, dass jun­ge Män­ner beim „Grand Tour“auch ger­ne mal über die Strän­ge schlu­gen. Die ba­di­schen Prin­zen frei­lich soll­ten kei­ne Ge­le­gen­heit be­kom­men, sich fern von ih­ren El­tern aus­zu­to­ben. Denn zur Über­ra­schung des Ge­hei­men Rats­kol­le­gi­ums in Karls­ru­he und wohl auch des Pa­ri­ser Agen­ten mach­te sich am 5. Ju­ni 1771 die ge­sam­te mark­gräf­li­che Fa­mi­lie auf den Weg nach Frank­reich. Nach sie­ben Ta­gen er­reich­ten die Kut­schen Pa­ris. Für Ka­ro­li­ne Lui­se er­füll­te sich ein Traum. Sie be­such­te Kunst­samm­lun­gen und war re­gel­mä­ßig Gast bei Ma­dame Ge­off­rin – der Sa­lon die­ser Da­me galt als Mit­tel­punkt des ge­sell­schaft­li­chen Le­bens in der Me­tro­po­le. Thea­ter­be­su­che, Spa­zier­gän­ge auf den Bou­le­vards und Be­sich­ti­gun­gen ka­men hin­zu. Zu­dem nahm die Fa­mi­lie an Sit­zun­gen der Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten so­wie der Aka­de­mie für Ma­le­rei und Bild­haue­rei teil. „Die Form und Funk­ti­on ade­li­gen Rei­sens hat sich ab der Mit­te des 18. Jahr­hun­derts deut­lich ge­wan­delt“, sagt GLA-Chef Wolf­gang Zim­mer­mann. Die hö­fisch-re­prä­sen­ta­ti­ven Aspek­te tra­ten zu­rück, da­für rück­ten die Be­geg­nung mit In­tel­lek­tu­el­len so­wie das Stu­di­um von Kunst und Kul­tur in den Mit­tel­punkt. Zu­dem hielt man Aus­schau nach prak­ti­schen Ide­en, wie man zu­hau­se das Le­ben der Be­völ­ke­rung ver­bes­sern kön­ne. „Die En­cy­clo­pé­die, das gro­ße Nach­schla­ge­werk der Auf­klä­rungs­zeit, for­mu­lier­te es 1765 so: ,Rei-

Bild: Ba­di­sches Lan­des­mu­se­um Karls­ru­he

Be­geg­nun­gen mit In­tel­lek­tu­el­len – dar­auf freu­te sich Mark­grä­fin Ka­ro­li­ne Lui­se (1723–1783), die „Viel­wis­se­rin und Viel­fra­ge­rin von Ba­den“, bei ih­ren Rei­sen be­son­ders.

Vor­la­ge: Ge­ne­ral­lan­des­ar­chiv Karls­ru­he , Hfk Hs 434 V, 1 (Ei­gen­tum des Hau­ses Ba­den)

Die neu­es­te Mo­de aus Pa­ris: Die Ko­s­tüm­stu­die ei­ner Da­me im Reif­rock zeich­ne­te um 1760 ver­mut­lich Pierre Phil­ip­pe Ma­el­rondt.

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