Beim Ki­ni und Klos­ter­frau­en

Chiem­gau punk­tet bei In­fra­struk­tur

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub - Ar­min Herb

Bei mir seid ihr genau rich­tig, wenn ihr Lust habt auf Spaß und Ak­ti­vi­tät an der fri­schen Chiem­gau­er Luft,“be­grüßt Chris­ti­an Kauf­mann die Run­de. Ger­ne zeigt er den Rad­lern die Win­kel et­was jen­seits des be­lieb­ten und be­leb­ten Chiem­see-Rad­we­ges. „Chiem­see, Kö­nig und Ka­no­nen“lau­tet der Ti­tel sei­ner ge­führ­ten Rad­tour ab Pri­en. Da­bei er­klärt er al­te Bräu­che und Tra­di­tio­nen in den Dör­fern der Re­gi­on, er­zählt His­to­ri­sches von den Rö­mern, die einst hier sie­del­ten, bis hin zum Mär­chen­kö­nig Lud­wig II., der sich auf Her­ren­chiem­see das be­rühm­te Schloss nach dem Vor­bild von Ver­sailles er­bau­en ließ. Und weil der Aus­flug in die His­to­rie ja auch ei­ne Ge­nie­ßer­tour sein soll, set­zen sich die Rad­ler am En­de noch ge­müt­lich zu­sam­men in der tra­di­ti­ons­rei­chen Chiem­see-Fi­scher­hüt­te Rei­ter in Os­ter­nach. Der Ste­ckerl­fisch dort hat an­geb­lich so­gar schon Ve­ge­ta­ri­er zur Sün­de ver­führt.

Die Adel­holze­ner Run­de

Sie ist 36 Ki­lo­me­ter lang und führt rund um Traun­stein. Die aus Funk und Fern­se­hen be­kann­ten Adel­holze­ner Al­pen­quel­len be­fin­den sich an ei­nem wahr­lich idyl­li­schen Fleck in den Hü­geln bei Siegs­dorf. Der Clou: An der öf­fent­lich zu­gäng­li­chen St. Pri­mus­quel­le kann der Rad­ler gra­tis die Trink­fla­sche fül­len. Ist si­cher für man­chen auch nö­tig beim sport­li­chen Auf und Ab im Al­pen­vor­land. Ganz an­de­re Be­deu­tung hat die klei­ne Emp­fin­ger Qu­el­le bei Traun­stein. Nach al­ter Über­lie­fe­rung soll das Was­ser hei­lend wir­ken bei Au­gen­lei­den. Das na­tür­li­che Qu­ell­was­ser der Siegs­dor­fer Pe­trus­quel­le stillt da­ge­gen nach­ge­wie­sen auf ge­sun­de Art den Rad­ler­durst.

Die Eis­zeit-Tour

Ei­ne klei­ne Zei­t­rei­se mit dem Fahr­rad führt über 31 Ki­lo­me­ter durch 250 Mil­lio­nen Jah­re Erd­ge­schich­te zwi­schen Al­pen und Chiem­see. Das Mam­mut weist den Weg. Schon am Ufer der Traun in Siegs­dorf grüßt die Skulp­tur von Mam­mut „Ru­di“und lädt den Rad­ler zum in­for­ma­ti­ven Auf­takt ins Na­tur­kun­de­mu­se­um ne­ben­an. Das Siegs­dor­fer Mu­se­um ver­dankt sei­ne Ent­ste­hung der Ent­de­ckung von 45 000 Jah­re al­ten Mam­mut-Kno­chen im Jah­re 1975 im Ger­harts­rei­ter Gr­a­ben bei Siegs­dorf. Zum Fund zählt auch das na­he­zu kom­plet­te Ske­lett ei­nes Höh­len­lö­wens. Mit dem Rad geht es von Siegs­dorf Rich­tung Ber­ge in den Er­ho­lungs­ort Ruh­pol­ding und über In­zell wie­der zu­rück. Zu den High­lights an der Ra­d­rou­te zäh­len ne­ben der schö­nen Berg­land­schaft die eis­zeit­li­chen Fels­for­men des Glet­scher­gar­tens in In­zell und der mehr als fünf Ki­lo­me­ter lan­ge Moo­r­er­leb­nis­pfad in den In­zel­ler Fil­zen.

„Im Ein­klang ra­deln“

Die 35 Ki­lo­me­ter lan­ge The­men­tour durch das sanf­te Hü­gel­land zwi­schen Traun­stein und Wa­ging am See führt zu mys­ti­schen Plät­zen vol­ler Ge­schich­te und Ge­schich­ten, mit trau­ri­gen Er­eig­nis­sen, aber auch wun­der­sa­men Ret­tun­gen. Am Klo­ben­stein in den Au­en der Traun schütz­te einst ein plötz­lich ge­spal­te­ner Fels­block ei­nen Rit­ter vor her­an­ei­len­den feind­li­chen Sol­da­ten. Die Frie­dens­lin­de von Tet­tel­ham er­in­nert an Glück und Tra­gik wäh­rend der bei­den Welt­krie­ge. Das Et­ten­dor­fer Kir­cherl steht ma­le­risch auf ei­ner klei­nen An­hö­he im Nor­den Traun­steins. Bis ins 19. Jahr­hun­dert führ­te zur Kir­che ei­ne Wall­fahrt. In frü­he­ren Zei­ten gab es dort ei­nen mit Holz­plan­ken um­zäun­ten Wall­fahrts­platz, auf dem „Un­ehe­li­che“und Ver­bre­cher be­gra­ben wur­den.

Bau­ern­hof-Sa­fa­ri

Ei­ne wah­re Land­par­tie ist die knapp 50 Ki­lo­me­ter lan­ge Run­de im Nor­den des Chiem­sees. Sie führt vor al­lem zu klei­nen Wei­lern und gro­ßen Hö­fen fern­ab von Tru­bel und Ver­kehr. Der Rad­ler taucht ein in die gan­ze Band­brei­te des Land­le­bens von da­mals und heu­te, vom Ein­öd­hof bis zum mar­kan­ten Vier­seit­hof, vom ur­al­ten Ge­höft im Bau­ern­haus­mu­se­um bis hin zu mo­der­nen Land­wirt­schafts­be­trie­ben mit Bio-Gas­an­la­ge und Bau­ern­hof­la­den. Dort fin­den sich so­gar Strau­ßen­ei­er im An­ge­bot. Die Rie­sen­ei­er ge­hö­ren zwar nicht gera­de zu den ty­pi­schen Pro­duk­ten der Re­gi­on, aber der Al­ler­din­ger Bau­er züch­tet die gro­ßen Lauf­vö­gel in sei­nem Ein­öd­hof. Wie sich das Land­le­ben in den ver­gan­ge­nen hun­dert Jah­ren ent­wi­ckelt hat, zei­gen sehr an­schau­lich die Bau­ern­haus­mu­se­en in Pit­ten­hart und Ki­en­berg so­wie das gro­ße Frei­land­mu­se­um in Ame­rang. Et­was aus der Rei­he der di­ver­sen Bau­ern­hö­fe schlägt der Film­tier­hof Har­pfing bei Sch­nait­see. Dort woh­nen die Haupt­dar­stel­ler aus meh­re­ren Film- und Fern­seh­pro­duk­tio­nen. Ein span­nen­des Ziel nicht nur für Kin­der, al­ler­dings soll­te man sich für ei­nen Be­such vor­her an­mel­den.

Fo­to: Chiem­gau-Tou­ris­mus

Pa­ra­dies für Rad­ler: Der Chiem­gau steht bei Rad­fah­rern hoch im Kurs – nicht nur we­gen des sehr be­lieb­ten Chiem­see-Rad­we­ges. Es gibt vie­le Tou­ren, die sich per­fekt für ei­nen Ta­ges­aus­flug an­bie­ten.

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