Gis­dol: Das wird span­nend

1899 Hof­fen­heim wagt den Um­bruch

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport -

Sport­lich kann man den Wech­sel des Bra­si­lia­ners Ro­ber­to Fir­mi­no zum FC Li­ver­pool durch­aus als Ver­lust in­ter­pre­tie­ren – un­ter wirt­schaft­li­chen Aspek­ten be­trach­tet, war die­ses Ge­schäft für den ba­di­schen Bun­des­li­gis­ten 1899 Hof­fen­heim al­ler­dings al­ter­na­tiv­los. Vier Mil­lio­nen Eu­ro muss­ten die Kraich­gau­er im Jahr 2011 hin­le­gen, um das Ta­lent nach Eu­ro­pa zu ho­len. Für den zehn­fa­chen Be­trag wech­selt der Of­fen­siv­ak­teur nun in die Pre­mier Le­ague. Die Ren­di­te stimmt. Und zwar nicht nur in fi­nan­zi­el­ler Hin­sicht, Fir­mi­no war auch ein sehr wert­vol­ler und ef­fek­ti­ver Spie­ler im Hof­fen­hei­mer Tri­kot. Doch in den an­ge­streb­ten Um­bau der Mann­schaft passt die­ser Trans­fer nur be­dingt, denn er wur­de pri­mär aus fi­nan­zi­el­len Grün­den ab­ge­wi­ckelt. An­de­re Pro­fis wie der lang­jäh­ri­ge Ka­pi­tän Andre­as Beck, Da­vid Abra­ham, Ant­ho­ny Mo­des­te, Se­jad Sa­li­ho­vic oder Afriy­ie Ac­quah, die eben­falls ge­hen, schei­nen da­ge­gen al­les an­de­re als un­er­setz­lich zu sein. Und: Sie ma­chen Plät­ze im Ka­der frei für den per­so­nel­len Schnitt, den Chef­coach Mar­kus Gis­dol un­be­dingt woll­te. Das „Face­lif­ting“der Hof­fen­hei­mer ist durch­aus ge­wollt. „Wir sind jetzt acht Jah­re in der Bun­des­li­ga. Nach solch ei­ner Zeit ist es ganz nor­mal, dass man das Ge­sicht der Mann­schaft ver­än­dert“, sagt Gis­dol. An­ge­kün­digt war die­ser Schritt in­tern schon am En­de der ver­gan­ge­nen Sai­son, jetzt wur­de er voll­zo­gen. Und ist ver­mut­lich noch lan­ge nicht ab­ge­schlos­sen – auch dank Ro­ber­to Fir­mi­no. Die für ihn ein­ge­nom­me­nen 41 Mil­lio­nen Eu­ro (ge­schätzt) sol­len zwar nicht kom­plett in den Ka­der re­inves­tiert wer­den, er­öff­nen Hof­fen­heim aber die Op­ti­on, per­so­nell noch nach­bes­sern zu kön­nen. Denn was mit der zum Teil neu­en Mann­schaft mög­lich ist, das kann auch Mar­kus Gis­dol ak­tu­ell noch nicht ein­schät­zen, auch wenn er op­ti­mis­tisch ist: „Ich bin sehr zu­ver­sicht­lich, dass wir et­was Gu­tes zu­sam­men­bau­en kön­nen.“Mit ei­nem Durch­schnitts­al­ter von jetzt 24,3 Jah­ren hält der Hof­fen­hei­mer Coach sein Team zwar für „bru­tal jung“, doch auch beim VfB Stutt­gart (24,5 Jah­re Durch­schnitts­al­ter), Schal­ke 04 (24,4 Jah­re), Wer­der Bre­men (24,3 Jah­re), Bay­er Le­ver­ku­sen (24,0) oder Han­no­ver 96 (23,8 Jah­re) setzt man auf den Nach­wuchs. Bei 1899 Hof­fen­heim ist die­ser Weg ge­wollt – Rück­schlä­ge ent­spre­chend ein­kal­ku­liert. Denn die Phi­lo­so­phie bei den Kraich­gau­ern hat sich grund­le­gend ge­wan­delt. Von den ganz gro­ßen Trans­fers ver­gan­ge­ner Zei­ten hat man längst Ab­stand ge­nom­men. Auch weil die neue Stra­te­gie ef­fek­ti­ver ist – sie­he Ro­ber­to Fir­mi­no. Oder, wie Gis­dol es aus­drückt: „Wir ha­ben vie­le Din­ge ver­än­dert und neu ge­macht. Das wird span­nend. Aber wir wol­len un­se­ren Weg ge­hen.“

Die Fir­mi­no-Mil­lio­nen er­öff­nen neue Op­tio­nen

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