Das neue Eis­ho­ckey-Ge­sicht

Spie­ler­le­gen­de Sturm be­kommt al­lei­ni­ges Sa­gen beim Na­tio­nal­team

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport -

Der Deut­sche Eis­ho­ckey-Bund (DEB) hat mit der Ver­pflich­tung von Mar­co Sturm als neu­em Bun­des­trai­ner und Ge­ne­ral­ma­na­ger des Na­tio­nal­teams ei­nen Coup ge­lan­det. Der 36 Jah­re al­te frü­he­re Ka­pi­tän der Na­tio­nal­mann­schaft ist mit 1006 Par­ti­en Deutsch­lands NHL-Re­kord­spie­ler, hat aber als Trai­ner noch kei­ne Er­fah­rung. Die über­ra­schen­de Ent­schei­dung wirft Fra­gen auf. War­um setzt der DEB auf ei­nen so un­er­fah­re­nen Trai­ner? Weil Wunsch­kan­di­dat Uwe Krupp als Chef­coach der Eis­bä­ren Berlin nicht zu ha­ben war. Ei­ne Dop­pel­funk­ti­on als Club­trai­ner und haupt­amt­li­cher Bun­des­trai­ner soll­te es nicht ge­ben. DEB-Chef Franz Reindl woll­te zu­dem aber un­be­dingt ei­nen Mann mit ei­nem be­kann­ten Na­men, der vor al­lem auch die NHL-Stars mo­ti­vie­ren kann, wie­der zum Na­tio­nal­team zu kom­men. Bei­des trifft auf Sturm zu. Ist Mar­co Sturm nun der jüngs­te Bun­des­trai­ner über­haupt? Nein. Xa­ver Un­sinn et­wa be­treu­te das deut­sche Team zu­sam­men mit Mar­kus Egen und En­gel­bert Hol­de­ried 1964 bei Olym­pia. Da­mals war Un­sinn erst 34. Wie ris­kant ist das Mo­dell? Der DEB mi­ni­miert das Ri­si­ko durch die Zu­stim­mung der Li­ga. Un­ter Reindl ist das Ver­hält­nis zwi­schen dem Ver­band und der DEL so gut wie lan­ge nicht mehr. Da­durch kann sich Sturm ein Team von er­fah­re­nen Trai­nern aus der Li­ga zu­sam­men­stel­len, die den No­vi­zen als Coach un­ter­stüt­zen. Im Hin­blick auf die kom­men­de WM 2016 ist das Ri­si­ko über­schau­bar: Als Gast­ge­ber der Welt­meis- ter­schaft 2017 kann Deutsch­land nächs­tes Jahr sport­lich nicht ab­stei­gen. Wie funk­tio­niert das Mo­dell genau? Dass Sturm zu­gleich Ge­ne­ral­ma­na­ger und Bun­des­trai­ner ist, ist letzt­lich nur für die Au­ßen­wir­kung wich­tig. „Wir woll­ten mit dem Dop­pel­ti­tel zei­gen, dass al­le wis­sen: Mar­co Sturm hat das Sa­gen“, so DEB-Chef Franz Reindl. Nur dar­um geht es: Sturm be­kommt die ge­sam­te Ver­ant­wor­tung und ist vor al­lem das Ge­sicht für die Öf­fent­lich­keit. Die ei­gent­li­che Trai­nings­ar­beit ma­chen wohl an­de­re. Da­bei dürf­te dann auch Krupp wie­der ei­ne Rol­le spie­len. Was ver­spricht sich der DEB genau von Sturm? Sturm soll vor al­lem ga­ran­tie­ren, dass bei den wich­tigs­ten Tur­nie­ren – der Olym­pia-Qua­li­fi­ka­ti­on im Sep­tem­ber 2016 in Ri­ga und der Heim-WM 2017 – die bes­ten Spie­ler auch al­le da­bei sind. Sturm wird dann auch als Mo­ti­va­tor ge­fragt sein. Die Olym­pia-Qua­li­fi­ka­ti­on ist aus Image-, aber auch aus fi­nan­zi­el­len Grün­den ein Muss. Mit mög­lichst al­len ver­füg­ba­ren Nord­ame­ri­ka-Pro­fis an Bord hofft Reindl 2017 auf ei­ne ähn­lich er­folg­rei­che WM wie 2010 mit dem vier­ten Platz und ei­ner dar­aus re­sul­tie­ren­den Eu­pho­rie. Die will der DEB dann nach­hal­tig nut­zen. Wann gibt Sturm sein Trai­ner­de­büt? Beim Deutsch­land Cup vom 6. bis 8. No­vem­ber in Augs­burg. Sturm leb­te zu­letzt in Flo­ri­da, kommt er nun zu­rück nach Deutsch­land? Nein. Zu­min­dest nicht dau­er­haft. „Ich wer­de mehr hin und her pen­deln als sonst“, ver­riet er: „Ich will so viel wie mög­lich hier sein.“

Da­mit hat der DEB ei­nen Coup ge­lan­det

Über­ra­schung: Ein Jahr nach sei­nem Ab­schieds­spiel ist Mar­co Sturm (36) nun Na­tio­nal­coach. Fo­to: avs

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