Blitz­kar­rie­re im nas­sen Ele­ment

Büh­ler Schwim­me­rin Gi­u­lia Goe­rigk

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport -

Wenn in knapp drei Wo­chen die Som­mer­fe­ri­en be­gin­nen, darf auch Gi­u­lia Goe­rigk end­lich mal die Bei­ne hoch­le­gen und ein­fach nur Ur­laub ma­chen. Mit ih­rer Fa­mi­lie un­ter­nimmt die zwölf­jäh­ri­ge Leis­tungs­schwim­me­rin des TV Bühl ei­ne See­rei­se mit dem Kreuz­fahrt­schiff Ai­da. Ob­wohl sie dann vom Was­ser um­ge­ben ist und es auf dem Ober­deck ei­nen Pool gibt, wird aus­nahms­wei­se nicht trai­niert. Auch für die rest­li­chen Som­mer­fe­ri­en ist statt Ka­cheln zäh­len und Bah­nen zie­hen nur Ba- de­spaß und lo­cke­res Pl­an­schen an­ge­sagt, da­mit sich die jun­ge Büh­ler Was­ser­ni­xe von den Stra­pa­zen der ver­gan­ge­nen Mo­na­te re­ge­ne­rie­ren kann. Doch be­vor es so weit ist, ste­hen für Gi­u­lia Goe­rigk noch die ba­di­schen Som­mer­Meis­ter­schaf­ten auf dem Pro­gramm. Am kom­men­den Wo­che­n­en­de (18./19. Ju­li) geht sie im Karls­ru­her Fä­cher­bad gleich über meh­re­re Stre­cken an den Start. Da­bei ge­hört die Zwölf­jäh­ri­ge ein­mal mehr zu den Fa­vo­ri­tin­nen, denn auf Ver­bands­ebe­ne ist die von Bühls Chef­trai­ner Ru­di Schulz (Dur­mers­heim) – frü­her Trai­ner der mehr­fa­chen Eu­ro­pa­meis­te­rin Silke Lip­pok aus Pforz­heim – be­treu­te Nach­wuchs­schwim­me­rin in ih­rem Jahr­gang fast schon ei­ne Klas­se für sich. Das stell­te Gi­u­lia Goe­rigk vor al­lem An­fang Ju­ni bei den Deut­schen Jahr­gangs- und Mehr­kampf­meis­ter­schaf­ten in Berlin un­ter Be­weis. Auf der 50 Me­ter-Bahn des Eu­ro­pa­sport­parks schwamm sie acht per­sön­li­che Best­zei­ten und hol­te da­zu noch vier Bron­ze­me­dail­len. Her­aus­ra­gend war ihr Ren­nen über 400 Me­ter La­gen. Auf der „Kö­nigs­dis­zi­plin“der Leis­tungs­schwim­mer pul­ve­ri­sier­te Goe­rigk in 5:11,23 Mi­nu­ten den 18 Jah­re al­ten ba­di­schen Al­ters­klas­sen­re­kord. Als Lohn für ih­re Leis­tun­gen wur­de Gi­u­lia Goe­rigk in die­sem Jahr auch erst­mals in die U-16-Na­tio­nal­mann­schaft be­ru­fen, was die Krö­nung ei­ner re­gel­rech­ten Blitz­kar­rie­re be­deu­te­te. Das Büh­ler Schwimm­ta­lent gilt näm­lich ei­gent­lich als Spät­be­ru­fe­ne – erst im Al­ter von sie­ben Jah­ren stieg sie zum ers­ten Mal ins Trai­nings­be­cken. „Gi­u­lia konn­te zwar mit vier Jah­ren be­reits schwim­men, aber für den Schwimm­sport hat sie sich zu­nächst ein­mal nicht in­ter­es­siert“, er­in­nert sich ihr Va­ter und Be­treu­er Hart­mut Goe­rigk. Erst als Gi­u­lia von ih­rer drei Jah­re äl­te­ren Schwes­ter mit zum DLRG-Trai­ning ge­nom­men wur­de, war die Lust am schnel­len Schwim­men ge­weckt. „Und auch Gi­u­li­as Ehr­geiz wur­de ent­facht, sie geht ein­fach un­heim­lich mo­ti­viert zur Sa­che“, macht Hart­mut Goe­rigk deut­lich. Ih­re Er­fol­ge hat sich die Sport­le­rin des Jah­res der Stadt Bühl auch hart er­ar­bei­tet. Je­den Tag steigt Gi­u­lia Goe­rigk für zwei bis drei St­un­den zum Trai­nie­ren ins Be­cken und wäh­rend der Fa­schings-, Os­ter-, Pfingst-, Herbst-, und Weih­nachts­fe­ri­en wird das Pen­sum so­gar noch er­höht. Bis­lang meis­ter­te die Schü­le­rin der Heim- schu­le Len­der in Sas­bach den Spa­gat zwi­schen Ler­nen und Leis­tungs­sport noch oh­ne Pro­ble­me, doch der straf­fe St­un­den­plan des acht­jäh­ri­gen Gym­na­si­ums wird den prop­pen­vol­len Ter­min­ka­len­der künf­tig wohl noch ver­dich­ten. Un­ge­ach­tet des­sen will sich Gi­u­lia Goe­rigk nach den Som­mer­fe­ri­en mit kon­stan­ten Leis­tun­gen in der Na­tio­nal­mann­schaft be­haup­ten und bei der Ju­gend-EM ih­re Vi­si­ten­kar­te ab­ge­ben. Das Fern­ziel ist aber ei­ne Teil­nah­me an den Olym­pi­schen Som­mer­spie­len 2020 in Tokio, dar­aus macht man im Hau­se Goe­rigk kei­nen Hehl. Mit 17 Jah­ren sei sie dann phy­sisch und psy­chisch für ei­nen gro­ßen Auf­tritt auf der in­ter­na­tio­na­len Schwimm­büh­ne be­reit, be­tont Hart­mut Goe­rigk, „doch bis da­hin liegt noch je­de Men­ge har­ter Trai­nings­ar­beit vor Gi­u­lia“.

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